Beasts of the Southern Wild

BEASTS OF THE SOUTHERN WILD“ von Benh Zeitlin (Co-B+R; USA 2011; Co-B: Lucy Alibar, nach ihrem gleichn. Bühnenstück; K: Ben Richardson, M: Dan Romer & Regisseur Benh Zeitlin; 92 Minuten; Start D: 20.12.2012); meine Güte, was ist denn zum Kinojahresende 2012 so alles los?: Ein US-Debütfilm, mit einem „befremdlichen“ (Original-)Titel, der für etwa 1,3 Millionen Dollar von einem, lt. Presseheft, „Tonsetzer, Trickfilmer“ sowie preisgekröntem Kurzfilmer stammt, in diesem Januar auf dem renommierten „Sundance Festival“ mit dem Hauptpreis, dem „Grand Jury Prize“, ausgezeichnet wurde, daraufhin auf vielen internationalen Festivals hofiert und gefeiert und beim Cannes-Festival im Frühjahr z.B. mit dem Preis „Camera d’Or“ als „Bester Debütfilm“ bedacht wurde?! Und dann heißt es noch im Presseheft: „BENH ZEITLIN lebt mit einem Rudel wilder Tiere in New Orleans, Louisiana“.

„Bestien der südlichen Wildnis“ ist ein Film wie es ihn noch nie gab. Wie oft kann man als Kritiker „so etwas“ sagen? Aber „dermaßen“ Wundersames, Ergreifendes, Irritierendes, Bewegendes sowie FABELhaftes kann ich mich nicht erinnern, jemals so konsequent – zusammengehend im Kino erlebt zu haben. Jedenfalls ganz lange nicht mehr. Und eine SOLCHE Hauptdarstellerin auch noch nicht: Dabei handelt es sich um die am 28. August 2003 in Houma, Louisianna geborene QUVENZHANÉ WALLIS. Die diesen Film einzigartig beherrscht und durch dieses erstaunliche Werk „führt“. Quvenzhané Wallis, ganze 8 Jahre jung. Sie spielt, nein sie ist hier die sechsjährige Halbwaise Hushpuppy Doucet. Die mit ihrem kranken Vater Wink (DWIGHT HENRY) in einem Sumpfgebiet im Südosten von Louisianna, an der Küste des Golfs von Mexiko, lebt. In einer Region, in der man eigentlich nicht (mehr) wohnen darf. Und sollte. Denn immer wieder wird die Gemeinde Bathtub komplett vom Wasser überflutet. Doch Einige, Störrische, Traditionalisten, wollen hier auf keinen Lebensfall weg. Kämpfen gelassen weiterhin gegen Sturm, das Wasser und den Dreck, indem sie nach jedem Unwetter einfach neu anfangen. Sich kurz „durchschütteln“, um dann weiterzumachen. Und sei es auf einem aus Autoersatzteilen zusammengezimmerten Motorboot. Sie wollen auf gar keinen Fall auf die gegenüberliegende Zivilisationsseite. Hinter dem Damm. Dort für immer zu leben, ist für die verbliebenen Bewohner von „Bathtub“ unvorstellbar. Obwohl sie immer weniger werden. Hushpuppy „erklärt“ es uns: Wie sie „das Leben“ gelernt, erkannt, begriffen hat. Wenn sie zu uns oder mit ihrer (toten) Mutter spricht. Denn Hushpuppy muss stärker, cleverer sein als es für ein Kind ihres Alters sonst üblich ist. Weil ihr Vater oft „aussetzt“. Da hilft auch eine kurzfristige Zwangsumsetzung der Behörden nichts. Mehr.

Eine 6jährige grübelt über das Mensch-Sein. Über das Gleichgewicht der Natur. Die bedroht ist, wenn auch nur ein Mosaikstein kaputt geht. Alles hängt aus ihrer Sicht und Weise mit allem zusammen. Ihre fabelhaften Phantasien um die Zusammengehörigkeit von Menschen und (Nahrungs-)Tieren, ihre phantasievolle Verbundenheit mit riesigen Auerochsen, die „so ähnlich“ ihr Dasein „organisieren“, ihre schwierige Schutzsuche bei ihrem mal abwesenden, mal fiebrig aufbrausenden, mal liebevoll-bemühten, aber eigentlich immer überforderten Dad. Hushpuppy wird als die zauberhafteste kleine Kämpferin in die Filmgeschichte eingehen. Die Kleine „mimt“ hinreißend. Überwältigend. Stumm. Bewegend. Mitfühlend. Völlig unkitschig. Kleinbärenstark. Sie ist zum ganz ganz feinen Mögen. Ebenso wunderbar Kind wie schon scharfsinniger Nachwuchs. Dabei überhaupt nicht altklug. Sondern empfindsam genug, um „die Dinge“ um sie herum „zu sehen“. Magisch einzuordnen. Anzupacken. Was für eine kleine große starke sensible Neukönigin der Leinwand! QUVENZHANÉ WALLIS, es winkt garantiert bald die „Oscar“-Nominierung.

Regisseur BENH ZEITLIN, also ein weiterer Neuwunderbengel des US-Films: Geboren am 14. Oktober 1982 in Queens/New York und heute WG-Mitglied eines in New Orleans angesiedelten unabhängigen Künstlerkollektivs mit Namen „Court 13“. In einer ebenfalls (seit dem 2005er Hurrican „Katrina“) gebeutelten Südstaaten-Region. Deren eigen- und widerständige jahrhundertealte Tradition und Kultur sie für ihren Film „mitgenommen“ und gen „Bathtub“ verpflanzt haben. Mit all ihrer naturalistischen Schäbigkeit und dieser temperamentvollen Überlebenssturheit. Inmitten unbeherrschter, unbeherrschbarer Natur. Aus der sie symbolhafte Märchen-Magie hervorzaubern. Mit poetischem Seelendonner. Angeführt von einem Verzauberwesen, das sich auf ihrem ersten filmischen Lebensabenteuertrip befindet. Bevor sie die Zivilisation erreicht. Wahrscheinlich.
Diese 8jährige 6jährige „Hushpuppy“ QUVENZHANÉ WALLIS spielt Kind, Magd und Fee zugleich. Sie ist die derzeit Erhabenste auf der umfangreichen Mädels-Leinwand (= 4 ½ PÖNIs).