Bank Job Kritik

BANK JOB“ von Roger Donaldson (GB/USA/Australien 2007; 111 Minuten; Start D: 19.06.2008); einem neuseeländischen Regisseur, Produzenten und Drehbuchautor australischer Herkunft. Der am 15. November 1945 in Ballarat/Australien geborene Filmemacher war Ende der 70er Jahre maßgeblich am Aufbau der neuseeländischen Filmindustrie beteiligt.

Sein Debütfilm, der 1977 entstandene Thriller “Schlafende Hunde“, war damals – nach immerhin 15 Jahren – der erste Spielfilm, der in Neuseeland gedreht wurde UND der erste Film Neuseelands überhaupt, der in die amerikanischen Kinos gelangte. Danach ging Donaldsaon nach Hollywood und schuf international erfolgreiche Genre-Filme wie “Die Bounty“ (1984/mit Liam Neeson); “No Way Out – Es gibt kein Zurück“ (1987/mit Kevin Costner + Gene Hackman); “Cocktail“ (1988/mit Tom Cruise); das Remake “The Getaway“ (1994/mit Alec Baldwin + Kirn Basinger); das Polit-Drama “Thirteen Days“ (2000/mit Kevin Costner); “Mit Herz und Hand“ (2005/mit Anthony Hopkins). Hier nun bedient er sich eines authentischen britischen Kriminalfalles: Im September 1971 sorgte ein spektakulärer Bankraub in London für Aufsehen. Die Täter hatten von einem Keller in der Nachbarschaft einen 13 Meter langen Tunnel zur “Lloyds Bank“ in der Baker Street gegraben. Erreichten so den Tresorraum, raubten etliche Schließfächer aus und entkamen, obwohl ein Amateurfunker den Funkverkehr der Einbrecher mitgehört hatte.

Es war der größte Bankraub in der britischen Kriminalgeschichte, mit einer ungleich viel größeren Beute als bei den legendären Posträubern mit ihrem Zugraub in den 60ern. Dennoch ist von diesem “Walkie-Talkie-Einbruch“ kaum etwas bekannt geworden. Der Grund: Nur vier Tage später erließ damals die britische Regierung eine “D-Notice“, einen Zensurerlass. Damit wurde die Berichterstattung über den Raub “aus Gründen der nationalen Sicherheit“ untersagt. Die Vermutung: In einem der Schließfächer befand sich höchst kompromittierendes Foto-Material über ein weibliches Mitglied der Königsfamilie. Fakt ist: Der größte Teil der Beute wurde nie sichergestellt.

Der Film stellt Terry und seinen Kumpel Eddie vor. Die drehen als Gebrauchtwagenhändler im Londoner East End schon mal kleine, unaufgeregte Deals. Als Terrys- Ex Martine auftaucht, will sie die Kleinganoven für ein “größeres Ding“ gewinnen. Für einen Bruch in eine Bank, in der eine Woche lang auf die Alarmsysteme verzichtet werden muss. Terry & Co. brauchen nur einen Tunnel zum Tresor graben Allerdings ahnt Terry nicht, dass Martine vom britischen Geheimdienst “Ml 5“ gesteuert wird, der eine mögliche Staatsaffäre zu verhindern gedenkt. Und so lassen sich Terry, Eddie und einige Kumpels zu dem spektakulären Einbruch animieren. Und stecken mitten drin in einem Katz-und-Maus-Schlamassel. Denn nun befinden sich die Amateure plötzlich in der Oberliga der Geheimdienste und des organisierten Verbrechens. Hochrangige Politiker, bedeutende Mafiagrößen und der britische Hochadel sowie unbedarfte Scotland-Yard-Beamte kreuzen fortan wie ununterbrochen ihren Weg. Dabei den Kopf aus der “vorbereiteten“ Schlinge zu bekommen, scheint aussichtslos.

Nach etwas unübersichtlichem, verzwacktem Beginn entwickelt sich “Bank Job“ zu einem höchst spannenden wie amüsanten wie prickelnden Thriller. Mit augenzwinkerndem britischen Gesellschafts- und feinem Komödien-Geschmack. In bester Tradition von schwarzhumorigen britischen Stimmungsmachern wie “Bube, Dame, König, Gras“, “Still Crazy“, “Snatch – Schweine und Diamanten“ oder aktuell “Brügge sehen…und sterben?“ ist nicht nur urig-schweißtreibende Handarbeit angesagt, sondern überzeugt auch die exzellente Mixtur aus Spannung, Komik und Typen-Charme.

Der bislang vor allem als filmischer “Radaubruder“ populäre 35jährige JASON
STATHAM (“The Transporter“; “The Italian Job – Jagd auf Millionen“; “Crank“), der mittlerweile auch als “britischer Bruce Willis“ gehandelt wird, liefert in der Rolle des schlitzohrigen Terry einen blitzblanken Anführer-Auftritt ab. Als pfiffiger Klein-Ganove, der plötzlich mächtig gefordert ist und über sich hinaus wachsen muss, um in diesem raffinierten Verwirrspiel einigermaßen den Überblick und die Oberhand behalten zu können. Ihm zuzusehen, bereitet ebensolches Vergnügen wie dieses vorzügliche Typen-Karussell zu erleben (mit u.a. DAVID SUCHET als Unterwelt-Boss), das mit vielen verblüffenden, furiosen Wendungen und Überraschungen zu kämpfen hat.

Eine antiquierte Krimi-Geschichte als erfrischend junger, frecher Plot;
ein fesselnder Unterhaltungs-Film (= 4 PÖNIs).