BAD TIMES AT THE EL ROYALE

„BAD TIMES AT THE EL ROYALE“ von Drew Goddard (B, Co-Produzent + R; USA 2018; Co-B: Jeremy Latcham; K: Seamus McGarvey; M: Michael Giacchino; 141 Minuten); Agatha Christie meets Quentin Tarantino. In: Die anti-glorreichen Sieben. Im eigenartigen Hotel.

Irgendwann in den amerikanischen Sechzigern. Während der Nixon-Ära. In einem Hotel, das unterschiedlicher gar nicht sein kann. Während das Foyer mit Pracht und Glitzer glänzt, sind die Zimmer dagegen von eher bescheidener Ausstattung. Der Gag: Man kann sich aussuchen, in welchem Staat man übernachten möchte. Denn im Foyer befindet sich genau die Grenzlinie zwischen Nevada und Kalifornien.

Hierhin verirren sich keineswegs zufällig, sondern treffen „wohlüberlegt“ bestimmte „Gäste“ ein. An einem natürlich stark verregneten Abend. Warum natürlich? Weil es in „speziellen“ Filmen immer zuerst regnet. Bogart sei gegrüßt. Dass sie, die Anreisenden, nicht koscher sind, unterstreichen sie gerne mit „auffälligem Benehmen“. „Fuck you“ zum Beispiel schreibt die taffe Lady mit dem Gewehr (DAKOTA JOHNSON) in das Gästebuch als Namensangabe. Und man ahnt, hier wird gespielt. Nicht am Tisch, sondern überhaupt. In den Räumen. Und daneben. Oder da-drunter. Und schließlich wieder im riesigen Foyer. Die Architektur hier ist vom Allerfeinsten. Geheimnisvollsten.

Stichwort: Unterirdisch. Dort befindet sich ein langer düsterer Gang. Mit zwischendurch immer wieder viel „Glas“. Fenster. Spiegel. Wie man will. Jedenfalls hat man von hier aus stets einen guten Durch-Blick in das Innere der verschiedenen Hotelzimmer. Auf das dortige (gemeine) Tun.

Der Film ist in verschiedenen Kapitel (wie zuletzt bei Tarantinos „The Hateful Eight“) benannt. Nach Zimmernummern oder Beteiligten-Namen. Auf dass „er“ und wir sehen können, was sich dort tut. Und die einzelnen Stories klarer werden. Auch über viele Blicke zurück. Und die Beteiligten ihre wahren Identitäten entziffern, ihre düsteren Geheimnisse enttarnen müssen. Begleitet vom blutigem Blues-Chaos. Wie gesagt, die Sixties – von wegen: Vietnam, Watergate, die Manson-Morde. Und wie gehabt: Die große Dollar-Gier. Nun zusammengetütet auf überschaubarem Szenario. Bei dem im Übrigen auch eine immense Verbal-Spannung aufgebaut wird. „Tarantino“ spricht sozusagen mit. Will sagen: Worte sind auch hier der dramaturgische Türöffner für diese mysteriöse Erlösung.

Benennen wir hier nicht ihre Figuren, nennen wir sie gleich bei ihren „richtigen“ Namen: Das 7-er-Ensemble ist wunderbar exotisch zusammengesetzt. Wobei JEFF BRIDGES („Hell or High Water“) mit einer „Oscar“-reifen Performance spitzzüngig wie körpersprachlich-brillant grummelt und DAKOTA JOHNSON („Fifty Shades of Grey“) sowie CHRIS HEMSWORTH (das darf gesagt werden: als charismatischer Sekten-Oberguru) und JON HAMM (der Don Draper in der TV-Serie „Mad Men“) und die singende Leinwand-Debütantin CYNTHIA ERIVO sowie CAILEE SPAENY als böse Unschuld und der Bill Pullman-Sohn LEWIS PULLMAN – mit einem sensationellen Debüt als „Portier“ –  stark mitmischen.

Bei „Bad Times at the El Royale“, auch mit der adäquaten zeitgenössischen Pop-Musik schwungvoll kommentierend, gilt es „angekitzelt“ auszuhalten, weil die wirklichen Zusammenhänge erst sehr spät aufgedeckt werden, und solange kann man sich an der atmosphärischen Noir-Spannung sättigen und tückischen Spaß haben an diesem coolen, schrägen Krimi-Gebräu des 43-jährigen Produzenten und Autoren-Regisseurs, der – nach seinem furiosen Horror-Debüt „The Cabin in the Woods“ von 2012 – nun einen originellen, schrägen Genre-Exoten höllisch-gut in pikante, atmosphärische Unterhaltungsbewegung kriegt. Wird ein Kultfilm (= 4 PÖNIs).