A World Beyond Kritik

A WORLD BEYOND“ von Brad Bird (Co-B + R; USA 2013/2014; Co-B: Damon Lindelof; K: Claudio Miranda; M: Michael Giacchino; 130 Minuten; Start D: 21.05.2015); im Original heißt der Film “Tomorrowland”, wie der gleichnamige, 1955 errichtete Walt Disney-Themenpark in Florida; er war bei uns lange Zeit unter dem Titel „Projekt: Neuland“ angekündigt, bevor er endgültig für Deutschland in „A World Beyond“ umgetitelt wurde.

Drehbuch-Autor und Regisseur BRAD BIRD, Jahrgang 1957, aus Montana stammend, hat sich in seiner Karriere hauptsächlich der Zeichentrickkunst bzw. dem Animationskino (bei PIXAR) verschrieben. Für seine Werke „Die Unglaublichen – The Incredibles“ (s. Kino-KRITIK) und „Ratatouille“ (s. Kino-KRITIK) wurde er mit dem „Oscar“ belobigt. 2011 schuf er mit dem vierten „Mission: Impossible“-Spektakel, „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“, erstmals einen realen Spielfilm (s. Kino-KRITIK). Hier ist er „dabei“ geblieben und serviert einen – reichlich ungelenken – neuen Spielfilm.

Unsere Welt ist kaputt. Zerstört. Krankt unaufhaltsam dem Ende entgegen. Wenn man die täglichen (TV-)Bilder sieht und in den Magazinen und Zeitungen blättert, schlägt diese Tendenz einem ständig entgegen. Noch irgendwelche realen Verbesserungs-, sprich Überlebensmöglichkeiten? Keine in Aussicht. Soll man meinen. Denken. Und resignieren. Das Erfinder-Genie Frank Walter (GEORGE CLOONEY) hat schon längst aufgegeben. Als Kind (THOMAS ROBINSON) hatte er, während der Weltausstellung 1964 in New York, stolz seine „Fliegende Rucksack“-Erfindung präsentiert, doch er wurde nur verhöhnt. Einzig die junge Athena (RAFFEY CASSIDY) zeigte Interesse. Sowohl an seiner „Maschine“ wie auch an ihm. Später wird sich herausstellen, dass es sich bei ihr um ein liebes Roboter-Mädel handelt. Die Frank als Erwachsenen ganz schön unter Action-Druck setzen wird. Und später wird sich auch herausstellen, dass tatsächlich irgendwo ein zukunfts-prächtiges „Tomorrowland“ existiert. Wo eine auserwählte irdische Gut-Elite weiterzuleben beabsichtigt. Wenn hier alles den Bach ´runtergeht.

Doch erst einmal wird die Gegenwart anvisiert. Mit einer jungen Frau namens Casey (BRITT ROBERTSON). Sie kommt in den Besitz eines Buttons, der sie plötzlich in eine völlig andere Welt versetzt: Tomorrowland. Zwar kriegt Casey – wie WIR auch – nicht alles in Gänze mit, soviel aber steht fest: Die, also unsere Welt steht vor dem Untergang, und die technisch hochbegabte kesse Göre muss einen gehörigen Teil dazu beitragen, dass dies nicht passiert. Also sucht sie den in die Jahre gekommenen Frank (Clooney) auf, der sich in einer Hütte mit allerlei technischem Hochglanzkrimskrams verschanzt hat, um vor Verfolgern sicher zu sein. Denn die Verfechter von Tomorrowland, ganz vorn: Wissenschaftler-Boss David Nix („Dr. House“ HUGH LAURIE) und seine Roboter-Armee, wollen auf gar keinen Fall, dass ihr Projekt bekannt, öffentlich, wird. Also verfolgen sie Casey, Frank und die „übergelaufene“ Athena. Mit gewissem „Matrix“-Action.

So in etwa die verschachtelte und nicht vollends zu durchschauende Handlung. Die eigentlich nur dazu dient, dass der grantige Frank Walter alias George Clooney einmal den entscheidenden Film-Satz herausspuckt: „Muss ich alles erklären? Kannst du nicht einfach nur staunen?“. Nun, für eine geschätzt-vermittelte 190 Millionen Dollar Big-Produktion aus Hollywood bzw. dem Hause Disney ist das ziemlich erklärungs-läppisch. Lehn‘ dich zurück und schau‘ einfach zu. Auch wenn du es nicht immer kapierst. Oder wenig. Und die Beteiligten eher reiz-mau erscheinen. Dafür allerdings entschädigen mitunter die Pracht-Bilder: Mal wird ein architektonisches, glänzendes Future-Land entwickelt (Drehort: die „City of Arts and Sciences“ im spanischen Valencia); die herrliche Zweckentfremdung des Pariser Eifelturms (als Startrampe für eine Rakete) ist köstlich-amüsant; das Schäferhund-Hologramm funktioniert; die Flucht in einer Badewanne hat ´was. Von dermaßen Ironie wäre allerdings (viel) mehr vonnöten. Um aus diesem aufwändigen Epos eine spannende Vision herzustellen. Stattdessen:

Alles nur, wie in den letzten 20 Minuten ausgiebig erklärt wird, um schließlich die bewährte Disney-Botschaft anzubringen / zu vermitteln: „Du kannst es richten!“ Es lohnt sich sehr wohl, auf diesem Planeten zu leben. Es ist nicht alles schlecht. Auf der Erde. Wenn wir alle engagiert wollen, können wir immer noch eine ordentliche (heile) Welt errichten. Und so weiter. Im Amen-Soundtrack. George Clooney hat die gute Gage eingesteckt, damit er sich demnächst mal wieder um einen seiner engagierten Filme kümmern, sprich ihn finanzieren kann, jedenfalls wirkt er hier deplatziert; was sie mit TV-„Dottore“ Hugh Laurie anstellen, ist lächerlich, pures Rumstehen und nur nölen, das kann’s doch bitte schön nicht sein; während die junge „Roboterin“ Raffey Cassidy als Einzige Figuren-Interesse erreicht. Und „Casey“ Britt Robertson immer reichlich doof zu staunen hat und ständig albern-nervend „auf rebellisch“ zu mimen hat.

„A World Beyond“ ist kein Desaster, aber tendiert ganz schön gegen Flach. Überladen konstruiert. Emotional bemüht. Inhaltlich geheimnisvoll. Sein und bleibend. Und mit vergleichsweise viel Trocken-Action (= 2 ½ PÖNIs).