Away we go – Auf nach Nirgendwo Kritik

AWAY WE GO – AUF NACH NIRGENDWO” von Sam Mendes (USA/GB 2008; 98 Minuten; Start D: 15.10.2009); der am 1. August 1965 in Reading/England geborene Regisseur besitzt einen Abschluß der Cambridge-Universität. Machte sich „am Theater“ in GB einen Namen, war von 1992 bis 2002 künstlerischer Leiter des „Donmar Warehouse“-Theaters in London. Blieb dem Theater weiterhin treu, arbeitete bei der „Royal Shakespeare Company“ und erhielt für die Neuinszenierung des Musicals „Cabaret“ 4 Theater-“Oscars“, die „Tony Awards“. „Zwischendurch“ fand er zum Film/zum Kino. Und wie!: Gleich mit seinem ersten Film setzte er Maßstäbe: „AMERICAN BEAUTY“ von 1999 erhielt 5 „Oscars“, darunter für den „Besten Film“ und für die „Beste Regie“. Sein 2. Kinofilm, „ROAD TO PERDITION“ von 2002 (mit Tom Hanks + Paul Newman) wurde 6fach “oscar”-nominiert und erhielt einen “Oscar” für die “Beste Kamera”. Danach entstanden die Filme „Jarhead – Willkommen im Dreck“ (2005) und zuletzt „ZEITEN DES AUFRUHRS“ (2007) mit seiner Ehefrau Kate Winslet („Golden Globe“) und Leonardo DiCaprio, der mit 3 „Oscar“-Nominierungen bedacht wurde. Wer also „so weit oben“ filmisch angefangen hat, darf sich auch mal einer Art „Fingerübung“ zwischendurch leisten.

„Away We Go“, Debüt-Drehbuch von Dave Eggers & Vendela Vida, ist eine Art Atempause, mit kleinem Budget und mit unbekannten Schauspielern realisiert. Dabei im Blickpunkt: Das unorthodoxe Paar Burt und Verona. Die leben zusammen in einer Waldhütte in Colorado, sind Freiberufler und angehende Eltern. Wollen deshalb ihr Vagabundendasein aufgeben, wollen Orientierung, Halt und vor allem gute Nachbarn/Freunde finden. Generalstabsmäßig wird alles vorbereitet: Burt und Verona machen sich auf, um herauszufinden, wo sie künftig mit Kind und Kegel am besten leben können und wollen. Eltern, Verwandte und Bekannte werden auf ihrer Reise durch Nordamerika auf ihre Freundschafts- und Verständigungs“tauglichkeit“ getestet. Phoenix/Arizona, Wisconsin, Montreal und Florida sind die Stationen für „skurriles Personal“, für absurde, ungewöhnliche, exzentrische, neurotische Begegnungen, bis schließlich – unerwartet – feststeht, wo sich das Paar niederlassen wird.

Das „komische“, gelegentliche melancholische Beziehungsleben in all seinen „exotischen“ Varianten, lautet das Motto für dieses neue Sam Mendes-Kleinwerk. In dem die lose aneinandergefügten Episoden etwas gleichförmig ablaufen: Erst sind die Beiden an jedem neuen Ort euphorisch, dann folgen die frustrierenden Erfahrungen, die zur Weiterreise bewegen. Dabei hätte etwas mehr Schärfe und vor allem „dramaturgisches Fleisch“ der seelischen Identitäts- und -Ortssuche gut getan. Gedankliche Klischee-Tupfer lassen hin und wieder ein wenig „die Luft“ ausgehen. Andererseits imponiert es mächtig, endlich einmal vergleichsweise „normalen Menschen“ folgen zu dürfen. Sam Mendes hat einen soliden Selbstfindungs-Trip gedreht. Er besitzt leisen Humor, hat stellenweise schön-spröden Charme und Esprit und besitzt mit den beiden Newcomern MAYA RUDOLPH und JOHN KRASINSKI, die bisher nur in Leinwand-Nebenrollen auftraten, interessant-unangestrengte Hauptakteure („Ich würde sagen, wir ziehen es einfach durch“/Burt). Ihnen nimmt man das ständige Auf und Ab der Emotionen ab, angesiedelt zwischen der „richtigen Nest-Suche“ und diversen Zukunftsängsten „jetzt mit dem Kind“. Wenngleich insgesamt die sonst so gewaltige bissige Ironie und die atmosphärische Raffinesse bei einem Sam Mendes-Film ´runtergefahren wirkt, dürfte der kleine, leise Film „für neugierige Paar-Individualisten“ durchaus gut „riechen“. Sozusagen – er hat durchaus „was“ …..unterhaltsam Kribbliges…..(= 3 PÖNIs).