Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt Kritik

AUF DER SUCHE NACH EINEM FREUND FÜRS ENDE DER WELT“ von Lorene Scafaria (B+R; USA 2011; 101 Minuten; Start D: 20.09.2012); anfangs habe ich den Abschied-von-der-Welt-Film nicht ernst genommen. Irgendwie eine absurde Satire. Dachte ich. Oder – da kommt bald die große Pointe. Doch nix da, dieser Debütfilm der 33jährigen US-Drehbuch-Autorin Lorene Scafaria (die auch als Dramatikerin, Schauspielerin + Sängerin arbeitet) signalisiert erst „irre“ Endzeitstimmung und entwickelt sich dann zu einer verirrten, verwirrten romantischen Komödie mit Verfallsdatum. Denn: Der Planet Erde ist dem Zerfall ausgesetzt. Ohne Wenn und Aber. Grund: Der Asteroid Mathilda düst unaufhaltsam wie ungebremst auf unsere Kugel zu, wird diese bald treffen und mit Karacho zerstören.

Was macht MAN bzw. Mann in solch einer völlig aussichtslosen Situation?: Der „graue“, rundum verzagte Versicherungsangestellte Dodge (STEVE CARELL) benötigt erst einmal eine Denk-Pause. Aha. Die Welt geht also unter. Bald. Aha. Was kann ich denn noch tun? Erst einmal – wie gehabt – ins Büro gehen. Wo die Kollegen längst „die Orgie“ ausgerufen haben. Die volle Hemmungslosigkeit zum Abschied. Aha. Eine Möglichkeit. Kommt aber für ihn, den Pechvogel, nicht infrage. Hat ihn doch soeben seine Ehefrau verlassen, weil sie die letzten Tage nicht mehr mit ihm verbringen will. Was Dodge traurig stimmt. Erst die Frau weg, und jetzt wird auch noch gleich der gesamte Erdball ausgelöscht. Werden. Nachbarin Penny (KEIA KNIGHTLEY) taucht auf. Eine schräge Chaos-Braut. Die einen an ihn gerichteten Brief von einer „Ehemaligen“ verschlampt hat. Von Olivia. Was soll’s, wo alles sowieso demnächst den Bach ´runtergeht, warum nicht zuletzt mal hin. Zu Olivia. Penny schließt sich ihm lärmend an. Sie möchte nochmal ihre Family sehen. Besuchen. In England. Sie hat ein Auto, er will ihr ein Flugzeug besorgen. Von seinem Dad (Kurzauftritt: Martin Sheen). Man tut sich zusammen. Durchschnitt trifft auf Exzentrik. Erst ist aggressive Weltuntergangsstimmung angesagt, dann emotionale „Happy Last Hour“ annonciert. DIE Lösung angesichts der bevorstehenden Katastrophe: Wahre Liebe. Aha.

Ein ziemlicher Kauderwelsch von verunglücktem Entertainment. Als weder Fisch- noch Fleisch-Komödie. Mit einigem Pseudo-Geschmack. Und wenig inspirierenden Akteuren. Der 49jährige Steve Carell (2008 der Agent „Maxwell Smart“ in „Get Smart“) mimt matt auf Gaga-Melancholiker; die 26jährige Britin Keira Knightley („Kick It Like Beckham“; die Piratenbraut Elizabeth Swann in den ersten drei „Fluch der Karibik“-Hits) wirkt mit und in ihrer flippigen Penny-Hysterie fürchterlich daneben. Geradezu unpässlich. Der „unkonzentrierte“ Weltschmerz „funktioniert“ lediglich musikalisch, wenn Klassiker der 60er und 70er Jahre von den Walker Brothers („The sun ain’t gonna shine anymore“), den Beach Boys („Wouldn’t it be nice if we were older?“), von Lou Reed, John Cale und Herb Alpert & The Tijuana Brass („This Guy’s in Love With You“/1968) aufgelegt werden. Ein schöner Soundtrack zu einem belanglosen Magenbitter (= 2 PÖNIs).