Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil Kritik


AUF DER JAGD NACH DEM JUWEL VOM NIL“ von Lewis Teague (USA 1985, 106 Minuten, Start D: 13.03.1986).

Seit sich 1907 die ersten Filmpioniere vom südkalifornischen Klima und von der in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen unterschiedlichen Pracht-Landschaft (wie Schneegebirge und glühende Wüste) angezogen fühlten und mit ihrer Arbeit dort begannen, ist Hollywood, seit 1910 Stadtteil der Großstadt Los Angeles, nicht nur das Zentrum der amerikanischen Filmindustrie, sondern auch weltweites Markenzeichen für den Begriff KINO-Unterhaltung. Unterhaltung, die im besten Falle durch Professionalität, Tempo, dramatischen Realismus, linearen, simplen Erzählrhythmus und, im allgemeinen, durch das Mitwirken von Stars gekennzeichnet ist. Den vorerst letzten großen Schub interessanter, qualitätsvoller Hollywood-Unterhaltung verursachten seit Mitte der siebziger Jahre George Lucas (“Krieg der Sterne“) und Steven Spielberg (“E.T.“), die dabei nicht nur das tricktechnische Know How perfekt modernisierten, sondern zugleich ihre Filme auch wieder auf den Standard von ‘Movies‘ brachten. Und das waren bekanntlich Kinostücke, mit denen man zu jeder Zeit die Massen der Besucher für rund zwei Stunden aus ihrem, wenn schon nicht tristen, dann doch oftmals eintönigen Alltag heraushob und ihnen zu spektakulären Abenteuern “verhalf“, die sie niemals selbst erleben würden. Und die mit den dafür typischen Attributen ausgestattet waren, mit guten und bösen Charakteren, mit flotten, teils witzigen Dialogen, tödlichen Gefahren und spannenden Jagden nach legendären Schätzen oder außerirdischen Wesen. Und darin verpackt waren auch immer Liebesgeschichten, ohne die KINO, früher wie heute, nicht funktioniert.

Im Gefolge dieser neuen Alt-Unterhaltung kamen natürlich auch wieder viele Nachahmer ins Geschäft, mehr schlechte als rechte, aber immerhin auch einige, die Spaß machten, exzellentes Genre-Spiel bedeuteten und viel Anklang beim Publikum fanden, Ein solches Beispiel war 1984: “Romancing The Stone“ von Robert Zemeckis, der hierzulande mit “Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ betitelt wurde, und in dem eine erfolgreiche, phantasievolle Autorin von Trivialromanen plötzlich “wirkliche“ Abenteuer in Südamerika erlebt und dabei auf einen draufgängerischen, schnoddrigen Schelm stößt, der dem von ihr erfundenen Dauer-Helden ihrer Romane verdammt ähnelt und in den sie sich natürlich verliebt. Die Folge: mit über 65 Millionen Dollar Kino-Brutto in der 15. amerikanischen Einsatzwoche reihte sich diese Zehn-Millionen-Dollar-Produktion in die Hitliste der 84er Erfolgsfilme ein.
Was folglich eine Neuauflage und Fortsetzung provozierte.

Also rufen wir sie uns nochmal ins Gedächtnis zurück. Da ist die attraktive Joan Wilder (KATHLEEN TURNER), und da ist der sympathische Hallodri Jack Colton
(MICHAEL DOUGLAS). Beide glauben, die Aufregungen endgültig hinter sich gelassen zu haben und segeln nun erst einmal durch die Weltmeere, um zu relaxen. Während Jack vorerst so weitermachen und nur faulenzen möchte, ist Joan nach nunmehr sieben Monaten Dauerurlaub für neue schriftstellerische Taten bereit. Bevor der erste Hauskrach angesagt ist, taucht Omar auf. Nein, nicht Sharif, obwohl der vor Jahren auch mal so schön aussah und so gepflegt blenden konnte (jetzt ist es ein Darsteller namens Spiros Focas), sondern einfach nur Omar. Er ist ein Wüsten-Fürst, der durch Joans beeindruckendes Schreibtalent auf die Idee kam, seine Biographie
durch sie verfassen zu lassen. Für fürstlichen Lohn, versteht sich. Sie wittert sogleich die Chance ihres Lebens und tapert prompt in die Falle.
Aber Jack, der die emanzipatorischen Bestrebungen seiner Geliebten nicht gerade verzückt zur Kenntnis nahm, bleibt ihr auf den Fersen und gerät natürlich prompt mit hinein in das gefährliche Abenteuerschlamassel. Schließlich entpuppt sich Omar als übler arabischer Diktator, der durch einen großangelegten Schurkenstreich die Macht im Staate an sich reißen will. Das Spiel kann beginnen und es macht den Dreien natürlich trotz der vielen Hindernisse und Widrigkeiten wieder einigen Spaß. Den Dreien? Klar, denn dieser schleunige Gauner-Anhang, dieser ewige Verlierer Ralph, dem Jack seinerzeit den grünen Diamanten wegschnappte und der trotzdem nicht unterzukriegen ist (DANNY DEVITO), ist natürlich auch wieder mit seinen dummen Sprüchen und falschen Ratschlägen nervend dabei. Ein Trio, das für Fortsetzungen immer gut ist.

Aber wird es eine solche überhaupt geben? Folge zwei dieser “Jagd-Filme“ ist nämlich schon bedenklich in die Nähe der Karl-May-Schinken früherer deutsch-jugoslawischer Prägung und Machart gerückt. Keine Phantasie wird hier mehr ausgespielt und ausgereizt, keine spannenden Träume werden wahr, sondern nur mehr mechanische Gags, Tricks und Stunts aneinandergereiht. Joan und Jack sind schon nach einem Film ausgepowert und müssen sich auf die lauten Überzeugungskünste von Pyrotechnik und Krach verlassen. Sie sind nur noch laue Vermittler zwischen den einzelnen, aufwendigen Nummern, mit denen hier Regisseur Lewis Teague, ein Fernsehmann, der im Kino bisher mit der Stephen King-Verfilmung „Cujo“ und dem Schocker “Der Horror-Alligator“ für wenig überdurchschnittliche Unterhaltungsinspiration sorgte, hausieren geht. Disco in der Wüste, statt Autojagd diesmal eine Verfolgung zwischen Jet, Kamelen und Jeeps durch die Stadt, Jogging durch den heißen Sand, das oft zitierte Duell auf dem Dach eines fahrenden Zuges, die bombastische Lichtshow eines fanatischen Bösewichts, das ist diesmal der Stoff, der aus den Träumen bzw. aus den Federn von Mark Rosenthal und Lawrence Konner stammt.

Und das hatten wir doch schon alles einmal, wenn natürlich auch viel primitiver, beim ollen Harald Reinl oder Alfred Vohrer-Karl May: ein Strahlemann von Held, der alles ziemlich unberührt übersteht (Lex Barker sah auch ganz gut aus), eine dufte Braut mit der emanzipatorischen Selbständigkeit der Achtziger, eine ewig nörgelnde, Kasperle-Randfigur (da war Ralf Wolter in so manchen May-Spektakeln wirklich überzeugender ulkig) und die Gegner ganz in schwarz, damit man sie in der Menge auch immer gleich ausmacht, und einem nur immer herumfuchtelnden, schreienden Anführer. Das hatten wir doch alles schon mal, wenn gleich, zugegebenermaßen, weitaus primitiver. So liegt denn ein bisschen Wehmut über dieses nette, aber triste Zweitabenteuer, weil doch das Original noch so angenehm in Erinnerung ist. “Wir sind das perfekte Paar, wenn jemand auf uns schießt“, kündigt Joan, fast entschuldigend, dennoch neuerliche Leinwand-Taten abschließend an. Denn geschossen wird im Kino weiterhin sehr viel werden (= 2 PÖNIs).