ANT-MAN AND THE WASP (Gastkritik)

„ANT-MAN AND THE WASP“ von Peyton Reed (USA 2018; B: Chris McKenna, Erik Sommers, Andrew Barrer, Gabriel Ferrari & Paul Rudd; K: Dante Spinotti; M: Christophe Beck; ca. 118 Minuten.)

Mit AVENGERS: INFINITY WAR (s. Kino-Gast-KRITIK) gelang MARVEL zuletzt weltweit ein Riesenerfolg an den Kinokassen. Nun versuchen sie dem etwas ganz „Kleines“ entgegenzusetzen. Einen Superhelden in Ameisenformat (s. Kino-KRITIK), der mit seinem zweiten Solo-Abenteuer ANT-MAN AND THE WASP die Wartezeit auf das große AVENGERS-Finale verkürzen soll. Umso verwirrender ist es daher, dass seine Geschichte vor der INFINITY-Stein-Zeit von Thanos spielt. Als spätes Intermezzo, das nach einem Pausenclown schreit, der im Comic-Zirkus die Leute so lange bei der Stange hält, bis die große Nummer wieder zurück ins Rampenlicht tritt. Die Ablenkungstaktik: viele Lacher für zwischendurch.

Weniger zu lachen hat allerdings Protagonist Scott Lang (PAUL RUDD). Eben noch als Ameisenheld aktiv im Team von Captain America im CIVIL WAR (s. Kino-Gast-KRITIK) unterwegs, sitzt er nun recht passiv seinen vom FBI aufgebrummten Hausarrest ab. Vor allem aber ist ihm der Umgang mit seinem Mentor und Schrumpfanzug-Designer Dr. Henry Pym (MICHAEL DOUGLAS) untersagt. Dieser doktert aktuell daran rum, seine verschollene Frau Janet (MICHELLE PFEIFFER) aus der subatomaren Quantenebene zu befreien. Eine Dimension, die ihr seit 30 Jahren als Gefängnis dient. Gemeinsam mit seiner Wespentaillen-Tochter Hope (EVANGELINE LILLY) erbittet er deswegen Scotts Hilfe und es kommt wie es kommen muss: das neue Krabbeltier-Kampf-Duo ist geboren.

Damit deren Faustschläge jedoch nicht ins Leere gehen, bastelt die Story noch zwei Antagonisten hinzu, die einzig und allein als Boxsäcke dienen. Der geldgierige Anzugträger Mr. Burch (gespielt von WALTON GOGGINS) fällt dabei überhaupt nicht ins erzählerische Gewicht, und alle guten Charakteransätze der energetischen Zwischenwelt-Lady Ghost, die Schauspielerin HANNAH JOHN-KAMEN durchaus anbietet, werden gnadenlos verschenkt. Ein großes Problem, gerade weil an der weiblichen Action-Gut-Front EVANGELINE LILLY so eine starke Performance als Wespe abliefert. Sogar Titelgeber ANT-MAN kann bei diesem fliegenden Superweib kaum mithalten und rückt damit eher in den Hintergrund.

Zwar ist die Handschrift von PEYTON REED, ebenfalls Regisseur des ersten Teils, noch deutlich zu erkennen, jedoch entwickelt er seine Figuren nicht weiter. Es herrscht immer noch eine hohe Gag-Dichte und kreative Action-Sequenzen sorgen durch die Größenwechsel ordentlich für Spaß – eine tiefe Intensität wie zuletzt bei INFINITY WAR wird allerdings nicht erreicht. Das wirkt störend, weil viele Fragen – zum Beispiel über die Quantenebene – nicht beantwortet werden und somit große Sinnlücken entstehen. Diese bleiben genauso unausgefüllt wie Scotts Beziehung zu seiner Tochter, die dem übermächtigen Humor das nötige Gegengewicht geben würde.

Der bunte MARVEL-Zirkus präsentiert in seiner aktuellen Showeinlage ANT-MAN AND THE WASP also eine bestechende Flugakrobatin an der Seite eines Spaßvogels, der durchaus mehr sein könnte… als leichtes Popcorn-Kino aber trotzdem gut unterhält.  (= 3 PÖNIS; …der Rest bleibt wohl eine Frage der Perspektive.)