Anleitung zum Glücklichsein Kritik


ANLEITUNG ZUM UNGLÜCKLICHSEIN“ von Sherry Hormann (B+R; D 2011; 87 Minuten; Start D: 29.11.2012); basiert auf Motiven des gleichnamigen, 1983 veröffentlichten parodistischen Ratgeber-Bestsellers des österreichischen Psychologen PAUL WATZLAWICK. Und gibt sich zahm und doof wie altes deutsches Komödien-Brot. Aus den Fünfzigern. DAS, was geschieht, ist dümmlich, vorhersehbar, völlig unwitzig. DAS, was dabei gesagt wird, ist jene typisch deutsche Nonsens-Komödienfilmsprache, die weder stimmig noch stimmungsvoll ist. Sondern verkrampf und völlig „theoretisch“: Man müht sich von trockenem Papier-Wort zur simplen Geistes-Träne. Nix wird hier „veranstaltet“, was sich Sehen und Hören lohnt. Alle Beteiligten sind überdick sperrig, linkisch, verpennt. Auf lausige verbale Aha-Pointen getrimmt. Ohne Aha. Mit Sprüchen in Glückskeksen wie „Wenn ich auf mein Unglück trete, stehe ich höher!“ Saukomisch.? Nö.

Ach so ja, wer sind die bemitleidenswerten Mitwirkenden hier in dieser deutschen Anstrengung von und um „triste Beziehungen“: 1.) Tiffany Blechschmid. Typ nettes, abergläubisches Doofchen. Teilt mit Papagei Richard die häusliche Single-Gemeinschaft. Möchte gerne „Mann“ haben, bekommen, gibt sich aber neurotisch „geknallt“. Als „Pessi“(mistin). Weil doch bestimmt bald „weitere Verschlechterungen“ auf sie zukommen. Denkt und zeigt sie. Tiffany mag geblümte Kleider, klobige Turnschuhe und vermag nicht zu Lächeln in ihrem putzigen Feinkostladen. Im angesagten Berlin-Kreuzberg. Dem „Wurstladen“ für besserwisserische Ratschläge. In dem weiteres, ebenfalls reichlich verstörtes befreundetes Personal mit-herumwuselt. Während von draußen“ sich zwei Kerle der unsicheren Tiffany nähern – mit dem schnauzbärtigen Macker-Polizisten Frank (BENJAMIN SADLER) und ihrem früheren, jetzt noch mehr vergeistigten Klavierlehrer Hans Luboschinski (der hier arg unterforderte schwäbische „Tatort“-Hauptkommissar RICHY MÜLLER). Der aber setzt traumatische Erinnerungen frei. Bei ihr. Wozu dann auch ihre tote aufdringliche Mutter (IRIS BERBEN) auftaucht. Unangenehm vorlaut mitmischt. In diesem staubtrockenen bemühten Blödsinn. Von einem total altbackenen, döseligen Emotionsdesaster. Bei dem JOHANNA WOKALEK als bezirkliche Berliner „Amelie“ auch mit ihren hübschen Rehaugen nichts auszurichten vermag außer dieser ewigen nervtötenden Face-Fragezeichen-„Belästigung“. Während MICHAEL GWISDEK als ihr väterlicher Freund Paul gerne abgestandene Lebensempfehlungen aus dem Off beisteuert. Zu dieser dann auch schon mal banalen Klamauk-Plärre (Hund frisst Torte; Klavier saust beim Hochtragen auf die Straße, Polizist säubert Waffe und erschießt sich dabei). Einfach unwitzig.

Sherry Hormann, Dozentin an der Filmschule Köln, die zuletzt den bewegenden, preisgekrönten Film „Wüstenblume“ (2009) gemacht hat, gibt im Titel den Tenor ihres neuen Schaffens unbeabsichtigt vor: Ihr kino-untauglicher Film ist das reinste Unglück (= 1 PÖNI, für den verfressenen Hund).