Angélique Kritik

ANGÉLIQUE“ von Ariel Zeitoun (Co-B + R; Fr/Belgien/Ö 2012/2013; Co-B: Nadia Golon, Philippe Blasband; K: Peter Zeitlinger; M: Nathaniel Méchaly; 113 Minuten; Start D: 12.06.2014); jetzt darf man es ja zugeben, damals, anno 1964, in der auslaufenden Pubertät, war es diese vollbusige rothaarige Barock-Schönheit, MICHÉLE MERCIER, die in dem ersten „Angélique“-Film frivol becircte. Unvergesslich. Also SIE, nicht unbedingt der Film. (Und auch nicht die dann späteren). Jetzt wurden die Motive der ersten vier Bände dieser Bestseller-Reihe (Start: 1956; mit dann weltweit über 150 Millionen verkauften Exemplaren) der inzwischen 92jährigen französischen Schriftstellerin Anne Golon wieder für die Leinwand adaptiert. Und zwar als Zweiteiler. (Ohne dies im deutschen Titel anzukündigen).

„Angélique 1“ ist diesmal hauptrollenbesetzt mit der schönen NORA ARNEZEDER („Der Dieb der Worte“; „Safe House“), 1989 als Tochter eines Österreichers und einer Ägypterin in Paris geboren. Sie füllt weitaus emanzipierter als ihre Vorgängerin- damals die Rolle der Angélique aus. Als Tochter einer verarmten Adelsfamilie im Frankreich von 1656, die gegen ihren Willen mit einem reichen Grafen aus Toulouse verheiratet wird, dann aber ihren Gatten schätzen und lieben lernt. Doch ihr Familyglück währt nicht lange. Weil Angélique als Kind ungewollt Zeugin eines Komplotts gegen den König war, wird sie von den einstigen Verschwörern attackiert. Als sie durch ihren einflussreichen Mann vor deren Rache geschützt wird, werden nun am Hofe des Sonnenkönigs, Ludwig XIV. (DAVID KROSS), Intrigen gegen ihren Grafen in Gang gesetzt, die den schließlich in die Bastille befördern. Nun ist SIE voll gefordert. Die Ehre und Gerechtigkeit gegenüber ihrem Gatten und für ihre Sippe wieder herzustellen. Und das Mädel ist geschickt. Und vermag gut auszuteilen.

Ein Schmöker. Wie er im Buche steht. Vom Werner Herzog-Kameramann PETER ZEITLINGER („Die Höhle der vergessenen Träume“) „innen“ intim- stilecht mit Kerzenlicht eingefangen, währenddessen die opulenten Duelle „draußen“ über die Massenszenen seltsam uninspiriert bleiben. Irgendwie überlebt. Egal, wir schwelgen sowieso im Pomp, mit den allseits beliebten Mantel- und Degenmotiven, den opulenten Kostümen, den bekannten intriganten höfischen Verrenkungen. Mit diesen feudalen Perücken, der vielen Schminke, den heftigen Gift-Attacken, also mit diesem ganzen fiesen, schmucken, historischen Machtgetue des Adels. Und seiner höfischen Höflinge. Und obenauf: der imponierend-ausdrucksstarke 23jährigen David Kross („Der Vorleser“) als sonniger Ludwig-König. Der das „schmutzige Volk“ zu attackieren beginnt. Mittendrin: Angélique de Sancé. Beziehungsweise die zauberhafte Nora Arnezeder. Die keine Ruhe gibt. Ganz im Gegenteil. Fortsetzung garantiert.

Natürlich ist das alles eine bunte Bühne von vor-vor-gestern, vielfach gestelzt annonciert, dabei nett gespielt, erkennbar vorhersehbar, mit nicht so dollen Spannungsbögen. Temperamentvoll vorangetrieben, mit solidem Figuren-Schmäh aufwartend sowie zeitweise historisch- funkelnder Spektakel-Glut. Motto: Damals war’s, im schönen ollen Frankreich-Elend.

„Angélique“-heute ist nett-triviales Pomp-Kino, das später im Fernsehen als Mehrteiler sicherlich triefender unterhält (= 2 ½ PÖNIs).