American Dreamz Kritik

AMERICAN DREAMZ – Alles nur Show“ (USA 2006; 107 Minuten; Start D: 15.06.2006) von Paul Weitz, einem 40jährigen gebürtigen New Yorker, der seit Ende der 90er Jahre im Hollywood-Business als Autor, Produzent und Regisseur arbeitet. Und der sich, gemeinsam mit seinem Bruder Chris Weitz (= ebenfalls Autor/ Produzent/Regisseur), aus den Niederungen der (sehr) erfolgreichen Klamotte („American Pie“) über das erfolgreiche wie herrlich- pointierte Hugh-Grant-Vergnügen („About A Boy“) und die intelligent-hintergründige Gesellschafts- Komödie („Reine Chefsache“) nun zur augenzwinkernd-herben amerikanischen Gesellschaftskritik hochgehievt hat. Jetzt auf dem vorzüglichen Programm: Politik als Entertainment.

Die Mitwirkenden-dabei: Ein debiler US-Präsident namens Staton (DENNIS QUAID), der sich nach seiner Wiederwahl in Depressionen flüchtet und beschließt, erst einmal einige Zeit im Bett zu bleiben, „um Zeitungen zu lesen“. Sein engster Berater/sein Stabschef (WILLEM DAFOE), ein gewitzt-schleimiges Dick-Cheney-Imitat, der den Präsidenten wie ein Schoßhündchen „an der Leine“ führt/lenkt. Der seinem Boss gerne schon mal Glückspillen und den „Dauer- Knopf im Ohr“ verordnet. Der zynisch-selbstgefällige, anzügliche TV-Moderator Martin Tweed (HUGH GRANT in der Dieter-Bohlen-Rolle), der die erfolgreichste Fernsehshow der USA leitet/lenkt und vor nichts zurückschreckt: „American Dreamz“ = Eine Art „Deutschland sucht den Superstar“-„Talent“schmiede“. Um die Quoten voranzutreiben, beschließt er, ein karrieregeiles, aber skrupellos-schlaues White-Trash-Blondchen aus dem Mittelwesten (Mandy Moore) gegen einen Juden und einen musicalverrückten Araber antreten zu lassen. Der aber, Omer (Sam Golzari), ist ein Terroristen-Schläfer, der nun in der finalen Show den Präsidenten der Vereinigten Staaten in die Luft jagen soll. Denn der wiederum wurde von seiner Umgebung, die wegen seinem zunehmend negativen Image in der Öffentlichkeit besorgt ist, dazu auserkoren, hier als Jury-Mitglied öffentlich aufzutreten. Drumherum-Begleiter: Der konsequent-verliebte Freund des Britney-Spears-Klon (Chris Klein); die dämlich-nett-besorgte Ehefrau des Präsidenten (Marcia Gay Harden).

Daraus macht Paul Weitz eine unterhaltsam-durchtriebene (Real-)Satire auf Politik und TV-Verdummung. Mal mit Sparflammen-Humor, mal mit hintergründig-fein-bösartig-funktionierenden Seitenhieben auf aktuelles Geschehen. Sozusagen: Wenn „WAG THE DOG“ auf „NETWORK“ trifft. „American Dreamz“ ist eine, mit vielen frechen Gags durchsetzte irre Nummernrevue über die (inzwischen weltweit) verbreitete „Kultur der Oberflächlichkeit“ und erstaunlich mutig: Denn wann-schon erleben wir in einem Hollywoodfilm den kritischen Eigen-Blick auf einen „merkwürdigen“ Präsidenten und auf das zynisch-verlogene Entertainment des „Opium“-Fernsehens. Zugleich erscheint hier die amerikanische Gesellschaft weitgehend unterbelichtet-resigniert, marionettenhaft sowie einfältig-gelähmt/verblödet/egoistisch/heuchlerisch. Seinen Landsleuten hält der Film einen erstaunlich „unüblichen“ Leinwand-Spiegel vor’s Gesicht oder: George W. wird an dieser Hollywood-Show keine große Freude gehabt haben (= 3 PÖNIs).