AMERICAN ANIMALS

„AMERICAN ANIMALS“ von Bart Layton (B + R; GB/USA 2017; K: Ole Bratt Birkeland; M: Anne Nikitin; 116 Minuten; deutscher Heimkino-Start: 18.01.2019); das ist das überaus Schätzenswerte an hiesigen Heimkino-Angeboten – unter den vielen neuen, bei uns nie im Kino gelaufenen Filmen findet sich immer wieder eine (Independent-)Perle, die – wie hier – vor einem Jahr im Programm vom renommierten „Sundance Festival“ auffiel, dort viel Lob bekam, dann beim letztjährigen „Fantasy Festival“ hierzulande entdeckt wurde, um jetzt als Heimkino-Angebot im Handel aufzutauchen.

Bartholomew Nicholas Layton, der sich BART LAYTON nennt, ist ein englischer Dokumentarfilmer des Jahrgangs 1975, dessen Debütfilm „The Imposter“ hieß und bei uns am 4. Juli 2013 im Heim-Kino unter dem Titel „Der Blender“ herauskam. Ein spannendes Doku-Drama über den französischen Menschen-Fopper und Manipulator Frédéric Bourdin, der viele Identitäten annahm und als „Das Chamäleon“ bekannt wurde. Ein großartiger Streifen um Fakten und Fakes, der ebenfalls erst in „Sundance“ startete, um danach die Cineasten-Welt „erheblich“ zu beeindrucken.

Auch sein zweites Werk funktioniert prächtig: Ein Spielfilm mit Einwirkungen des authentischen Personals in die Geschichte, über die es eingangs heißt, sie basiert nicht auf einer wahren Begebenheit, sondern sie ist = wahre Begebenheit. Die 2003 in Lexington, im amerikanischen Bundesstaat Kentucky, Schlagzeilen machte. Einerseits wird diese spielfilmhaft (brillant) nachgestellt, andererseits tauchen auch immer wieder die einstigen authentischen Figuren kommentierend auf, um ihre Sicht der geschehenen Dinge zu erläutern. Oder auch: um in der Filmhandlung kurz „mitzumachen“. So dass sich auch die Wahrnehmungen für uns immer wieder reizvoll verändern.

Mit wem aber haben wir es überhaupt zu tun und warum sollten uns DIE überhaupt interessieren? Vier Studenten. Langweilen sich. Ihnen fehlt der „Spirit“ in ihrem Leben. Irgendwas „Aufregendes“. So wie es in filmischen Heist-Klassikern „vorkommt“. Bei Tarantino oder „Ocean’s Eleven“ & Co. „So etwas“ wollen sie auch „machen“. Das Kino des Kitzels wollen sie für ihr – wie sie meinen – „trübes“ Dasein übertragen. Zumal sie gerade entdeckt haben, dass sich in ihrer Uni-Bibliothek wertvolle Bücher befinden, die kaum ge-/beschützt werden. Und für die man Millionen von Dollar bekommen würde. Beim Verscherbeln. Die Planung für den Raub ist schnell entwickelt, der Tag des Einbruchs ist gekommen. Doch dann stellt sich heraus, dass offensichtlich zwischen „Kino“ und „Realität“ erhebliche Unterschiede bestehen. So dass dieses „Experiment“, bei dem man endlich etwas „Wirkliches“ als unbedingte Erfahrung „fürs Leben“ zu erkunden beabsichtigt, natürlich aus dem Ruder läuft. Und wie!

Wenn Überkandidelte, Gesättigte, sich eine Art Spinner-Hunger zulegen. Sich in eine Art Fantasy-Blase begeben, um mal was „auszuprobieren“. Von wegen „die rote Linie“ überschreiten. Weil es, also das Leben, so langweilig ist. Und es „so“ vielleicht auf immer und ewig auch bleibt. Wenn man nicht rechtzeitig eingreift. Sie nennen es „experimentieren“ und kriegen erst bei der Tat (schlimme) Folgen und („lästige“) Wirklichkeit mit. Von wegen Prima-Nervenkitzel… man zeigt sich – verdaddert. Überrascht. Perplex. Und: entsetzt.

Die Inszenierung ist erfrischend, voller prickelnder Twists; die jungen Darsteller spielen exzellent (EVAN PETERS/Warren; BARRY KEOGHAN/Spencer; BLAKE JENNER/Chas und JARED ABRAHAMSON/Eric); der Soundtrack von balladenhaft („Hurdy Gurdy Man“/Donovan) bis schmissig  (Rodriguez). Und der Titel „American Animals“? Stammt aus den Memoiren von Eric (Borsuk), der ihn einer Passage aus einem der gestohlenen Bücher – „On the Origin of Species“ – entnommen hat, wo Tiere in Höhlensystemen leben.

Eine konsequent-spezielle unterhaltsame Heimkino-Entdeckung (= 4 PÖNIs).

Anbieter: „Ascot Elite Entertainment“.