A Long Way Down Kritik

A LONG WAY DOWN“ von Pascal Chaumeil (GB/D 2013; B: Jack Thorne, nach dem gleichnamigen Roman von Nick Hornby; K: Ben Davis; M: Dario Marianelli; 96 Minuten; Start D: 03.04.2014); der französische Regisseur, der einst bei Luc Besson („Das fünfte Element“ / „Leon – Der Profi“) assistierte und zwischen 1997 und 2005 hunderte Werbespots schuf, realisierte 2010 mit der französischen Komödie „Der Auftragslover“ (mit Vanessa Paradis) seinen ersten eigenen abendfüllenden Spielfilm. 2012 folgte die Komödien-Turbulenz „Der Nächste, bitte!“ (mit Diane Kruger + Danny Boon). Für seinen dritten Spaß adaptierte er den gleichnamigen, 2005 erschienenen Roman des kultigen britischen Pop-Autoren NICK HORNBY (56). Zu dessen bekanntesten und auch verfilmten Werken „Fever Pitch“, „High Fidelity“ und „About A Boy“ zählen. 2010 wurde sein Drehbuch für die Beziehungskomödie „An Education“ für den „Oscar“ nominiert. Nick Hornby ist prächtig zu lesen und auch gut „anzuschauen“. Weil er sich nicht scheut, mittels seines skurrilen gesellschaftlichen „Durchschnittspersonals“ Betrachtungen über Fußball wie auch über Depressionen und den Suizid anzugehen. Allerdings nicht „depressiv“, sondern lakonisch britisch. Aus dem eher humorvollen Blickwinkel. Alltägliches im Leben von „Alltäglichen“ auszubreiten, kitzelt ihn. Sein Motto für diesen Roman steht dort vorneweg: „Das Beste gegen Unglücklichsein ist Glücklichsein, und es ist mir egal, was die anderen sagen“.

Sie heißen Maureen, Martin, J.J., Jess und Linda. Sie kennen sich nicht und begegnen sich erstmals in der Silvesternacht. Auf dem Dach eines Hochhauses. Alle mit dem gleichen Vorsatz, von dort oben unverzüglich nach unten „zu gelangen“. Ein Absprung und das war’s dann. Also. Doch mit soviel „Publikum“ hatte keiner gerechnet. Man kommt ins Gespräch und schließt bei Sonnenaufgang einen Pakt: Neuer Selbstmordtermin ist Valentinstag. Sechs weitere Lebenswochen, die noch „zu überstehen“ sind. Und dann auch noch mehr und mehr – gemeinsam. Dabei geht es von amüsant bis melancholisch zu. Zwischen Offenherzigkeit und Verletzungen. Die Seelen puckern ganz schön. Vernehmlich. Zwar wird dabei schon mal der Mantel einer Klamotte angezogen, doch die vier „launigen“ Mitwirkenden entschädigen für so manchen inhaltlichen Leerlauf. Wobei eindeutig die Mädels die kompetente Oberhand besitzen: Die einmal mehr genial-wandlungsfähige TONI COLLETTE („About A Boy“) als Maureen trägt ihr sensibles Naiv-Herz auf der Zunge und ist göttlich. Shooting-Star IMOGEN POOTS („Jane Eyre“) als widerspenstiges Rock-Girl und manisch depressive Diplomatentochter Jess (den Papa mimt ein „edler“ SAM NEILL) hält radaumäßig prima mit. Ihre männlichen „Begleiter“ sind Ex-007 PIERCE BROSNAN als gar nicht so coole alte Socke Martin sowie AARON PAUL (der Drogendealer Jesse Pinkman aus dem TV-Serienkracher „Breaking Bad“) als angeblich krebskranker Pizzaboy und ewiger Angsthase.

„A Long Way Down“ ist lächelndes, schelmisches Farce-Kino, dessen Streukitsch zwischendurch kaum schadet. Dieser Film wird im künftigen November-Fernsehen garantiert ein Renner (= 3 PÖNIs).