Alles eine Frage der Zeit Kritik

ALLES EINE FRAGE DER ZEIT“ von Richard Curtis (B + R; GB 2012; K: John Guleserian; M: Nick Laird-Clowes; 123 Minuten; Start D: 17.10.2013); der am 8. November 1956 im neuseeländischen Wellington geborene RICHARD CURTIS wuchs auf den Philippinen, in Schweden und Großbritannien auf. Seit über 35 Jahren lebt er in London. Er begann seine Karriere als Comedy-Autor, nachdem er 1978 sein Studium an der Oxford-Universität beendet hatte. Mit Rowan Atkinson entwickelte er Episoden zu dessen Erfolgserie „Mr. Bean“. Für die britischen Komödienhits „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ (1994/“Oscar“-Nominierungen für das Originaldrehbuch und in der Kategorie „Bester Film“/Regie: Mike Newell), „Bean“: Der ultimative Katastrophenfilm“ (1997) sowie „Notting Hill“ (1999), verfasste er die Drehbücher. Seit 2003 ist Richard Curtis auch als Regisseur tätig und begeisterte mit seinen Komödien „Tatsächlich…Liebe“ und zuletzt „Radio Rock Revolution“ (2009).

Sein dritter eigener Streich als Drehbuch-Autor und Regisseur weist hübsche Logiklöcher und das Fehlen seines (inzwischen 52jährigen) Lieblingsschauspielers HUGH GRANT auf; der die typischen Curtis-Dialoge einst so vortrefflich zu betonen wusste („In der Tat“). Und mit denen sich nun der 29jährige Brendan Gleeson-Sohn DOMHNALL GLEESON zu befassen hat. Der irische Schauspieler (2009 neben Jeff Bridges + Matt Damon in „True Grit“; im letzten, zweiteiligen Abenteuer „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ war er der Bill Weasley/2010, 2011) schlüpft in die Rolle des Tim Lake, einem angehenden Rechtsanwalt und schüchternen Frauenliebhaber, der an seinem 21. Geburtstag über seinen „flotten“ Vater von einem „seltsamen Familienbrauch“ erfährt: Alle männlichen Mitglieder der Familie vermögen nämlich ab 21 innerhalb der eigenen Lebenszeit hin- und herzudüsen, um Erlebtes nochmal „und vielleicht angenehmer“ zu gestalten. Ohne dass die Mitmenschen davon etwas je erfahren. Mitbekommen. Dazu bzw. dafür muss man sich nur in einen Schrank begeben, die Fäuste ballen und an DAS denken, was man neu „durchzuführen“ gedenkt. Wie gesagt – es geht ausschließlich um die eigene Lebenszeit; etwa „die schöne Helena zu vögeln“ oder „Adolf Hitler aus der Geschichte zu löschen“, ist leider nicht möglich. Wie der Vater, ein pensionierter Uni-Professor mit viel amüsantem Ironie-Geschmack (BILL NIGHY), süffisant dem Sohn auf den Weg „der neuen Erkenntnis“ mitgibt. Fortan kann Tim, der nach London zu einem ebenso kauzigen wie ständig unwirschen Künstler-Onkel umzieht, sein neugieriges Jung-Sein ziemlich „beweglich“, also exzentrisch, beleben. Gestalten. Zumal er Mary begegnet (RACHEL McADAMS), um die sich künftig vor allem sein emotionaler Trubel richtet.

Der ewige Menschheitswunsch – in die eigene Vergangenheit zurückreisen zu können, um „notwendige Korrekturen“ vornehmen zu können. Mittels einer zum Schmunzeln verwertbaren Slapstick-Revue. Dabei in alle – komischen wie traurigen – Richtungen treibend. Richard Curtis bewegt sich am netten Rande des Blödsinns. Um die Absurditäten des Alltags. Und leider auch familiären Ausuferungen (die labile Schwester), die den Handlungsspaßfluss eher anhalten denn pointiert fortführen. Nur um dann zu belegen, dass es sich eigentlich überhaupt nicht lohnt, mit diesem (männlichen) Zeitgagtrick zu hantieren, schließlich ist alles so okay, wie es kommt und ist, das einzig wahre, richtige Da-Sein.

Also, das Hokuspokus-Fazit: Das Leben mit seinem vielen komischen oder tragischen Drum und Dran so anzunehmen wie es kommt. Sich zeigt. Wenn man, wie Tim, in solch einer „würzigen“ britischen Gut-Familie und mit einem „solchen Charme-Weibe“ gesegnet ist. Richard Curtis hat eine freundliche Zauber-Komödie geschaffen. Über Sinn und Blödsinn von „Leben“. Mit britischem Pointen-Humor der mittelprächtigen Art, Sentimentalität und Kitsch fein ausweichend, doch ohne diese „erheblichen Nachwirkungen“. Wie bei seinen ersten beiden Leinwandstreichen. Wo die filmischen Erinnerungen heute immer noch „blühen“.

„About Time“, Originaltitel, ist eine augenzwinkernde Schmunzelfreude – auch, weil es immer wieder herrlich ist, diesen Schlacks BILL NIGHY, 62, zu erleben. Wenn auch hier leider viel zu kurz. Durch ihn sind die darstellerischen Überzeugungskräfte etwas „unglücklich“ verteilt, denn sowohl Domhnall Gleeson wie auch (die 34jährige) Rachel McAdams können neben ihm „atmosphärisch“ nicht anstinken; seine Ausstrahlung ist solo um Ironie-Klassen besser. Sie halten höchstens „ganz gut mit“. Alles klar? (= 3 PÖNIs).