Alles auf Zucker! Kritik

ALLES AUF ZUCKER“ von Dani Levy (Co-B+R; D 2004; 95 Minuten; Start D: 06.01.2005). Dani Levy setzt in dem Film auf einen im deutschen Unterhaltungskino eher ungewöhnlichen Spaß-Faktor: Den feinen, verschmitzten JÜDISCHEN HUMOR.

Er heißt Jakob Zuckermann und nennt sich Jaecki Zucker. Früher, in der DDR, da war Jaecki als Sportreporter eine große Nummer. Jetzt, nach der Wende, steht ihm das Wasser bis zum Hals: Seine Frau droht ihm mit der Scheidung und der Gerichtsvollzieher mit dem Knast. Seine beiden erwachsenen Kinder, Tochter und Sohn, haben sich längst von ihrem Billard- und Glücksspieler-Vater losgesagt; und, als Buchhalter eines halbseidenen Etablissements in Berlin-Mitte hat sich der Typ auch verkalkuliert. Kurzum: Wenn Jaecki jetzt nicht das
Preisgeld von 1.00.000 EURO bei einem in internationalen Billard-Turnier gewinnt, kann er die Segel streichen. Doch dann stirbt auch noch seine Mutter.

Seit 30 Jahren lebte die jüdische Familie getrennt: Jaecki in Ost-Berlin, der strenggläubige
Bruder Samuel mit der Familie in Frankfurt am Main. In all‘ den Jahren hatte man sich nie
etwas zu sagen.

Doch nun besteht die Mama, über ihr Testament, auf die familiäre Zusammenführung.

Um an das beträchtliche Erbe heranzukommen, sollen sich die zerstrittenen Geschwister vor
Zeugen aussprechen und endlich versöhnen.

Zugleich ist natürlich auch für eine Woche in Jaeckis Haushalt “jüdisches Leben“ verlangt:

Während Stehaufmännchen Jaecki große Mühe hat sämtliche Innen- und Außen-Termine unter einen Hut zu bringen, sieht Ehefrau Marlene Hoffnungsschimmer am Horizont. Und ist für alle „Neuerungen“ gern zu haben.

Die nächsten Stunden und Tage bringen für Jakob-Jaecki viel Stress. Denn wie lautet sein augenzwinkerndes Überlebensmotto: „Ich stecke bis zum Hals in der Scheiße, aber der Ausblick ist gut!“

„ALLES AUF ZUCKER“ heißt eine liebenswerte kleine Kino-Komödie aus Deutschland. Mitgeschrieben und inszeniert hat sie der in Berlin lebende 47jährige Schweizer DANI LEVY. Der hatte mit Spontan-Filmen wie „Du Mich Auch“ und „RobbyKallePaul“ in den 80ern einen guten Start, bevor er zuletzt mit Streifen wie „Väter“ und. „Meschugge“ kaum auffiel. Hier aber ist ihm ein pointierter Wurf gelungen: „ALLES AUF ZUCKER“ besitzt durchtriebenen Charme, ein enormes komödiantisches Tempo und viel frechen,
selbstironischen Spaß. Kurzum: Dani Levy und eben dieser spezielle, prächtige und dabei sehr unterhaltsame JÜDISCHE HUMOR.

Den glänzend aufgelegten Schauspielern jedenfalls hat es anscheinend auch sehr viel Freude gemacht hier mitzuwirken: HENRY HÜBCHEN als Schlitzohr Jaecki Zucker windet sich herrlich zwischen unverbesserlichem Hektikern und verschmitztem Chaot. HANNELORE ELSNER ist eine richtig tolle berlinerische Hausfrauen-Pflanze; und UDO SAMEL als orthodoxer Bruder Samuel, blitzt wunderbar-hintergründig auf. Überhaupt und insgesamt: Ein prächtiges ENSEMBLE ist hier zu bestaunen (= 4 PÖNIs).