Allen geht‘s gut Kritik

Mit „Cinema Paradiso“ erreichte der heute 30jährige Italiener Giuseppe Tornatore vor einiger Zeit viel Auf- und Ansehen. Diese wunderschöne Liebeserklärung an das Kino ging wie eine melancholische Hymne um die Welt, bekam zahlreiche Preise und schließlich auch den Auslands-“Oscar“.

ALLEN GEHT‘S GUT“ von Giuseppe Tornatore (It/Fr/USA 1990; 118 Minuten; Start D: 10.01.1991). Im Mittelpunkt: Marcello Mastroianni und die stimmungsvollen Klänge eines Ennio Morricone.

Signore Mateo ist Witwer. Lebt allein in der Provinz und beschließt eines schönen Tages, seine 5 Kinder unangemeldet zu besuchen. Sie leben verstreut in den Großstädten des Landes, was Mateo aber nicht stört. Gut gelaunt macht er sich auf die beschwerliche Reise. Die noch beschwerlicher wird, weil der Mann zeit seines Lebens ein Träumer und Verdränger war. Der sich und seine Familie immer als etwas “Besseres“ betrachtet hat und seine Kinder für ausnahmslose Erfolgsmenschen hält. Dabei sind sie alles andere als das, es sind Kinder, Erwachsene, Menschen wie du und ich. Mit Höhen und Tiefen und voller Durchschnittlichkeit, mit Macken, Schwächen und sowohl beruflichen wie privaten Misserfolgen. Der alte Mann lernt die Wahrheit zu erkennen und muss schmerzliche Erfahrungen machen.

“Allen geht’s gut“ ist ein liebenswerter Film, ist ein sympathisches Eintauchen in die italienische Seele, ist aber auch eine bittere Betrachtung realistischer Lebensum- und zustände heute. Der mit einer dicken Hornbrille verkleidete Marcello Mastroianni ist wie Philippe Noiret in “Cinema Paradiso“ das Trumpf-As des Tornatore-Films. Wie ein guter, alter Märchenonkel zieht er durch die Gegend, immer auf das Gute setzend und das Schlechte dabei nicht wahrnehmend. Mateo ist ein lebender Anachronist, der einfach nicht mitbekommen will, dass sich Menschen und Gefühle nicht eindimensional, sondern vielschichtig und oft widersprüchlich entwickeln. Trotzdem begegnet man dem Alten mit Respekt und zärtlichem Humor.

Der Film ist wieder einmal d e r Auftritt eines großen, wunderbaren Schauspielers, dessen Darstellung berührt, mitreißt und Spaß macht. Nach der Hymne auf das Kino nun die Hymne auf Italien: “Allen geht’s gut“ von Giuseppe Tornatore mit dem tollen Marcello Mastroianni (= 4 PÖNIs).