Alle Anderen Kritik

ALLE ANDEREN“ von Maren Ade (B+R; D 2008; 119 Minuten; Start D: 18.06.2009); die 1976 in Karlsruhe geborene Filmemacherin studierte von 1998 bis 2004 an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film die Fächer Produktion + Medienwirtschaft sowie Film- und Fernsehregie. Ihr erster Kinofilm hieß 2003 „Der Wald vor lauter Bäumen“ und war gleichzeitig ihr Abschlußfilm. Ihr jüngster zweiter Film war im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale und wurde mit dem „Großen Preis der Jury“ ausgezeichnet, während die Hauptdarstellerin BIRGIT MINICHMAYR mit dem „Silbernen Darstellerinnen-Bären“ prämiert wurde. Eine deutsche Beziehungsgeschichte, ein Beziehungs-Drama. Oder:

Die Toskana-Fraktion zieht nach Sardinien. Chris (LARS EIDINGER) + Gitti, beide Anfang 30. Ein Pärchen aus dem guten Bürger-Hause. Er Architekt, Sie PR-Beraterin. Man macht gemeinsamen Urlaub im Ferienhaus der Eltern von Chris. DER ist stinkig, weil es wohl mit einem Auftrag nicht geklappt hat, er das aber nicht zugeben möchte/will. Er ist schwächlich, unentschlossen, wirkt antriebslos. Ein schlaksiger Langweiler, in Bewegung, Sprache und Aussehen. 1. Gedanke: Kaum vorstellbar, daß DER ein Kreativling/Architekt sein soll, DER ist doch nur ein Irgendwie-NICHTS. „Kommt nicht in die Puschen“. Faselt, lamentiert, oder redet auch gar nicht. Ödet sich und SIE an. 2. Gedanke: Die Gitti. Wirkt wie Jemand, der gerne FAZ lesen möchte, aber dann doch die BRAVO vorzieht. Jedenfalls benimmt sie sich so. Er verletzt sie pausenlos, sie läßt sich das gefallen. Mal mehr, mal weniger. Hündisch ergeben. Krampf-Stimmung. Verbale Kampf-Laune: Mit faulen Zähnen. Angesagte Schein-Konflikte zuhauf. Eine banale Sache. Es passiert nichts, außer daß man sich beinahe 2 Stunden lang „oben“, auf der Leinwand anödet. Abwechslung soll dann die Begegnung mit einem alten Studienkollegen von Chris nebst dessen schwangerer Freundin bringen, mit Hans + Sana.

Ach herjeh: Nun wird aufeinander eingepikst, denn selbiger Hans hat sich gerade als Architekt bei der „Documenta“-Kunstmesse ausgetobt. Die Aha-Chose: Chris, der Loser, Hans der Winner. Beruflich UND privat (= hat schließlich ein Kind gezeugt!!!, lautet die unüberhörbare, unübersehbare Ausrufungszeichen-Botschaft). Gar nicht originell. Und überhaupt nicht witzig. Man sagt Vorhersehbares, benimmt sich so wie es am gedanklichen Reißbrett geplant wurde. Hier der Lahmarsch, mit Anonyma-Geliebter am Tisch, dort der potente Aktivist, mit nettem Doofchen an der Paar-Seite. Emotionales Düsterzeugs. Das zur Berlinale stark „hofiert“ wurde: „Eine Studie der Gewöhnlichkeit“ annoncierte die Berliner Zeitung“, als wenn das Kino dazu da ist, lahme Studiengänge vorzuführen und breitzutreten. Von einer „schmerzhaften Beziehungsstudie“ sprach „Der Tagesspiegel“, doch diese vermeintlichen Schmerzen sind nur doof, anmaßend, blöd, theoretisch, läppisch. „Junges Paar im Ausnahmezustand“ zeigte sich nochmal die „Berliner Zeitung“ alarmiert und verwechselte Spannung mit fadem Getue und viel Pseudo-Gequatsche. Wie man sich hier linkisch bewegt, was man hier aufsagt, wie man hier trübe denkt und fühlt und vor allem handelt: Das ist nur VOLL-TROCKEN; Theorie-Gedöns; ein ewiger emotionaler Trauer- und Dämmerzustand, ein Blöd-Seminar in Sachen DEUTSCHE Beziehungskummerkiste. Nicht auf der Volkshochschule oder beim Psycho-Klempner, sondern im großen Kino. Auf der unterforderten Leinwand. Wenn DAS ein Kerl gedreht hätte, würde DEM viel Frauen-Power entgegenschwingen, bekäme DER viele emanzipatorische Prügel. Eine Frau aber darf zeigen, wie Mann Frau ab und an genüßlich plattquält und sie dies zuläßt. „Ich liebe dich“, dröselt sie dann lieber friedensfördernd-bekloppt nach dem Akt herum. Anstatt ihm kräftig eins auf/in die Weicheier zu geben, Koffer zu packen und zu verschwinden. Ein öder Intellektuellen-Spießrutenlauf nach dem Motto: Kuck´ mal, wie Schön-Scheiße Beziehungen sein können.

Ja, ja, unser Kino: Keine Unterhaltung möglich, kein Humor gedacht, dafür mit viel BOTSCHAFTS-Krimskrams-Getue um infantile, gelangweilte Bürgersleute im Sardinien-Panorama-Programm. Fahren wir ins Schön-Land, machen wir Förder-Urlaub, drehen wir einen Trocken-Scheiß von Beziehungsfilm; macht sich immer gut. Mario Barth, wo bist Du oder: Das ist zynischer Spott, gewiß, doch: Kuck´ mal, wer da spricht oder Langeweile-pur ist dauer-garantiert. Wer sagte mal, du darfst im Kino ALLES probieren, nur mich dabei nicht langweilen? „Alle Anderen“ ist der Film der totalen Langeweile. In jeder Hin-Sicht. Im übrigen: Ihn etwa in Zusammenhang mit dem Ingmar-Bergman-Beziehungsklassiker „Szenen einer Ehe“ (von1973; mit Liv Ullmann und Erland Josephson) auch nur ansatzweise gedanklich, erzählerisch, darstellerisch oder gar seelisch in Verbindung zu bringen, beleidigt die Filmgeschichte auf das Gröbste und Dümmste (= 1 PÖNI).