Akte X Kritik

AKTE X – JENSEITS DER WAHRHEIT“ von Chris Carter (Co-B,R+Co-Pr.; USA 2007/2008; 104 Minuten; Start D: 24.07.2008); einem kalifornischen Produzenten und Drehbuch-Autoren, der einst die amerikanische TV-Serie “Akte X“ erfunden und produziert hat sowie auch ein Drittel aller Drehbücher dafür schrieb, Außerdem inszenierte er Insgesamt 10 Episoden von “Akte X“. Der Kinofilm bedeutet sein Debüt als Spielfilmregisseur.

“Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI“ (Originaltitel: “The X-Files“) war eine TV-Serie, die in der Zeit von 1993 (Erstausstrahlung am 10. September 1993 beim US- Fernsehsender FOX/deutsche TV-Premiere war am 5. September 1994 auf “Pro 7“) bis 2002 produziert und gesendet wurde. Im Stile einer Krimiserie wurden Science-Fiction-, Fantasy-, Horror- und Mystery-Elemente miteinander verbunden. Die Serie wurde durch die vermutete Existenz geheimer X-Akten beim FBI inspiriert und beschäftigte sich mit einer Ermittlergruppe, die diese Fälle bearbeitete. Fälle, die mit paranormalen, übernatürlichen und meist unerklärbaren Dingen zu tun hatten. Im Zentrum dabei standen die FBl-Agenten Dena Katherine SCULLY und Fox William MULDER. Ein roter dramaturgischer Faden bildete dabei eine Verschwörung zwischen mächtigen irdischen Politikern und UFO-Außerirdischen. 1998 entstand, in amerikanisch-kanadischer Co-Produktion, der Kinospielfilm “AKTE X – DER FILM“. Chris Carter war als Co-Drehbuchautor und als Co-Produzent beteiligt, der Serien-Regisseur Rob Bowman inszenierte den Film mit den beiden Serien-Stars DAVID DUCHOVNY und GILLIAN ANDERSON als Scully & Mulder wie eine Art aufgeblähte TV-Serienfolge. (In meiner Rezension von damals heißt es abschließend: “Ein aufgeblasenes Möchtegern-Krimi-Nichts!“). Jetzt nun, 6 Jahre nach Serien-Ende und 10 Jahre nach dem ersten “Akte X“-Kinofilm, befinden wir uns in “The X-Files: I Want to Believe“, so der Originaltitel, in der “Echtzeit“ heute.

Dieses zweite “Akte X“-Movie hat nichts mehr mit damaligen Serien-Themen zu tun, ist sozusagen ein losgelöster Fall, der also auch von “Einsteigern“ angenommen werden kann und somit neue Zuschauerkreise erschließen soll. Die beiden Hauptakteure sind aber natürlich wieder Mulder & Scully. ER, der emotionale Semi-Esoteriker, hat sich in die Einöde zurückgezogen, hat sich einen Vollbart zugelegt und verbringt offensichtlich die trüben Tage damit, UFO-Artikel aus Zeitungen auszuschneiden und zu sammeln. Er wirkt desillusioniert, müde, ausgelaugt. SIE arbeitet als Kinderärztin, wirkt im Gegensatz zur früheren Power-Frau nunmehr “weicher“, wenngleich nicht minder wach. Aus der dominahaften Wissenschaftlerin von damals ist jetzt eine Art “strenge Gouvernante“ geworden. Die sich immer noch mehr auf ihren “guten
Menschenverstand“ beruft als etwa seinen Visionen zu glauben. Also fetzen sie sich wieder viel verbal. Denn: SIE sind “zurückgerufen“ worden: Eine FBl-Agentin ist spurlos verschwunden, wenig später wird eine weitere Frau vermisst, ein abgeschnittener Männerarm taucht auf, und dann gibt es noch die wirren, hellseherischen wie nützlichen Visionen eines pädophilen Ex-Priesters, der Blut weint (BILLY CONNOLLY). Die FBl-Ermittler sind ratlos und bitten die “Experten von einst/die Meister des Anormalen“ um Rat und Hilfe.

Ein düsterer Krimi. Der viel im Schnee von Virginia spielt. Mit nächtlichem Schneetreiben und dem gespenstischen Kunstlicht von Sozialwohnungen und Operationssälen. Dabei geht es nicht mehr um bedrohliche Aliens, sondern um grausame Russen-Forscher. Die betreiben mafiösen Organhandel, experimentieren an Menschen in dubiosen Labors herum, besitzen makabere Frankenstein-Fantasien. Es wird viel gebabbelt so nach dem Motto 20 Minuten Sinn-Suche, Reden über Gott und die “verdammte“ Welt und den Glauben an Dieses oder Jenes, dann maI 5 bis 7 Minuten Action, dann wieder Dauergerede, dann wieder …; gemixt mit einer Prise Hin-und- Wieder-Ekel und viel Dunkel-Szenerie. Und nix mehr mit Übersinnlichem. Ein routinierter Spannungsfilm. Wie so viele andere auch. Mit zwei routinierten, aber wenig “aufregenden“ Hauptdarstellern. Die vor allem der Serien-Titel “AKTE X“ ziemlich “schützt“. Denn: im Leinwand- Alleingang haben weder GILLIAN ANDERSON noch DAVID DUCHOVNY bisher viel “gerissen“ bzw. große darstellerische Funken ausgelöst.

Also kommen sie mal wieder in ihren (TV-)Standard-Rollen daher, ohne allerdings groß zu glänzen oder für sonderliche Aufreger zu sorgen, im Gegenteil: ER wirkt bzw. kommt rüber wie ein dauerhaft geprügelter Straßenhund mit Trauerkloßmine, der eigentlich nur nach einer gemütlichen Heim-Couch sucht, und SIE verstrahlt den Charme einer aufgeweckten Büro-Kollegin mit stets “alarmierten
Gesichtsausdruck“. Zwischen DENEN prickelt es erotisch-unterschwellig nicht mehr. Wenn sie sich wie ein altes Ehepaar streiten, ist es wie bei einer hängengebliebenen Schallplatte aus der Oldie-(Serien-)Zeit. Was auch die Frage beantwortet, ob sie denn nun ein Paar sind oder (doch wieder) nicht.

Also: Sowohl der Kriminalfall wie auch die beiden Schnüffler bleiben im lauen Mittelmaß von Reiz, Spannung, (Un-)Logik und Atmosphäre stecken. Der 2. “Akte X“-Kinofilm ist ein Nur-Durchschnitts-Hokuspokus-GruselKrimi. Mit übrigens einer NEUEN deutschen Stimme für IHN: Weil man sich mit dem “regulären“ Synchronsprecher von David Duchovny, BENJAMIN VÖLZ, gagenmäßig nicht mehr einigen konnte, wurde der preiswertere Johannes Baasner verpflichtet, der sich auch Johannes Berenz nennt (= 2 PÖNIs).