AGENT HAMILTON – IM INTERESSE DER NATION

PÖNIs:      (4/5)

Die Promi-Agenten-Reihenfolge lautet – unangefochten die Nr. 1 = 007 JAMES BOND; 1952 vom britischen Schriftsteller Ian Fleming erfunden, seit 1962 als Kino-Serienheld erfolgreich. Danach kann man JASON BOURNE outen; 1980 vom US-amerikanischen Autoren Robert Ludlum erfunden und seit 2002 dreimal (über Matt Damon) auf der Kino-Leinwand in erfolgreicher Aktion; zuletzt allerdings „nur noch“ in Erinnerung beim vierten „Bourne Vermächtnis“. Der neueste Dritte im Agenten-Bunde heißt bürgerlich ausufernd Carl Gustav Gilbert Graf Hamilton, genannt HAMILTON. Ein schwedischer Adliger mit linksradikaler Vergangenheit. Unter dem Pseudonym Coq Rouge auftretend. Erfunden wurde Carl Hamilton alias Coq Rouge 1986 vom schwedischen Journalisten und Roman-Autoren Jan Guillou, geboren am 17. Januar 1944 in Södertälje. Der erste Agenten-Einsatz war betitelt mit „Coq Rouge. Berättelsen om en svensk spion“, bei uns dann unter dem Titel „Coq Rouge“ erschienen. Insgesamt 13 Romane hat Jan Guillou mit diesem schwedischen Spezialagenten verfasst, zuletzt 2008. Sie erzielten Millionen-Auflagen und wurden in 15 Sprachen übersetzt. Neun von ihnen kamen auch auf Deutsch heraus.

Parallel zu seinen Abenteuern „auf Papier“ wurden die Einsätze dieses rauhen wie eiskalten Agenten und skandinavischen Elitesoldaten bis 1998 achtmal Zuhause für das Kino wie auch für das Fernsehen verfilmt. Mit den Hamilton-Darstellern Stellan Skarsgard („Mamma Mia!“, „Illuminati“; zuletzt der Schurke in der US-Adaption von „Verblendung“), Humberto López y Guerra, Peter Haber, Stefan Sauk und Peter Stormare (zuletzt der Polizisten-Schurke in dem schwedischen Thriller „Die Nacht der Jäger“ von 2011, bei uns neulich auf DVD herausgekommen und kürzlich als Montag-Spätabend-Thriller im ZDF gelaufen).

Jetzt tritt MIKAEL PERSBRANDT, 48, in die Fußstapfen dieses skandinavischen Agenten-Haudegens Hamilton. Wir kennen Mikael Persbrandt hierzulande vor allem als kantigen Polizisten-Assistenten GUNVALD LARSSON aus der schwedischen Krimi-Reihe „Kommissar Beck“ (1997 – 2009). Deren Folgen auch bei uns erfolgreich liefen und ständig wiederholt werden. Nun also hat er SEINEN heißen ungeschnittenen Solo-Auftritt in:

„AGENT HAMILTON – IM INTERESSE DER NATION“ von Kathrine Windfeld (Schweden 2011; B: Stefan Thunberg; basierend auf der Coq-Rouge-Buchreihe von Jan Guillou; K: Jonas Alarik; M: Philippe Boix-Vives, Jon Ekstrand; 105 Minuten; deutsche Heimkino-Veröffentlichung: 25.09.2012).

Die 45-jährige dänische Regisseurin Kathrine Windfeld realisierte diesen harten Stoff und Streifen im vorigen Jahr vor allem im heißen Jordanien; der schwedische Kinostart war am 13. Januar 2012, und mit über 500.000 Zuschauern erreichte dieser Streifen schwedisches Blockbuster-Niveau. Was in Großbritannien der MI5, in Israel der Mossad und in den USA die CIA ist, nennt sich in Schweden MUST (Militära underrättelse- och säkerhetstjänsten), zu Deutsch: „Militärischer Nachrichten- und Sicherheitsdienst“. Agent Hamilton ist von dort und einer der Besten. Wenn nicht der Beste. Überhaupt. In welchem Umfeld ER auftritt, wird bereits im Text vor den ersten Bildern erklärt: „Niemand im schwedischen Nachrichtendienst hat das Recht, Andere zu töten. Unter keinen Umständen. Es sei denn, es dient der Selbstverteidigung – oder es geschieht im Nationalen Interesse“. Eigentlich ist Hamilton verbraucht. Zu viel hat er gesehen, erlebt, mitgemacht. Als Offizier des Schwedischen Nachrichtendienstes ist er seit nunmehr zwanzig Jahren mit-„dabei“. „Statistisch gesehen ist meine Zeit jetzt um“, erklärt er seinem Vorgesetzten nach einem gerade beendeten, halbwegs „glimpflich“ verlaufenen Kampfeinsatz. Mit vielen Toten. Auch in den eigenen Reihen. Irgendwo in der Wüste. Dabei ging es um geschmuggeltes High-Tech-Material. DAS in den falschen Händen geparkt – und das neutrale Schweden würde plötzlich politische „Image-Probleme“ bekommen. Was die Ministerpräsidentin des Landes unbedingt zu vermeiden gedenkt. Dabei ist ihr „Wirken“ längst außer Kontrolle geraten. Durch eigene Leute. Korruptes Beamtenpack. DIE ihr eigenes profitables Kriegsspiel spielen. Im Verbund mit der einheimischen wie mit der „engagierten“ amerikanischen Waffenindustrie. Man nutzt und benutzt dabei gerne die Gier von „unterbezahlten“ Politikern für sich. Und seine kriminellen Zwecke. Jedenfalls muss Hamilton gleich wieder in den Ring zurück, um einer hochkarätig ausgerüsteten und vernetzten Privatarmee Einhalt zu gebieten. Die mit besten Kontakten bis in höchste einheimische wie internationale Regierungs- bzw. Agentenkreise ausgestattet ist und sich gerade daranmacht, für „ordentliche“ neue Kriegskonflikte zu sorgen. Bei denen dann teure Waffen dringendst benötigt werden. Zugleich bringt Hamilton in Erfahrung, dass zugleich auch ein Terroranschlag auf schwedischem Boden geplant ist. Um für eine „entsprechende, stimmungsvolle Diplomatie“ zu sorgen.

„Du stehst außerhalb des Systems, und dafür gibt es auch einen Grund: Du sollst die Nationalen Interessen vertreten, wenn es von dir gefordert wird“; mit anderen Worten: Agent Hamilton darf, soll, muss aufräumen. Kräftig. Egal wie. Doch WEM kann er überhaupt noch vertrauen? Zudem hat er sich gerade selbst, privat, versehentlich mörderisch „in die Vollen“ gesetzt. Begeben. Ist entsetzt über sich selbst. Mit depressiven Schüben. Jedenfalls ermittelt eine unbedarfte schwedische Polizeibeamtin in diesem Mordfall. Und kommt ihm, den über jeden Verdacht erhabenen Ausnahme-Bürger, reichlich nahe. Carl Hamilton wirkt von rein gar nichts mehr überzeugt. Ist verletzt wie wütend, kommt aber aus dieser Scheiße auch nicht mehr heraus.

Bond ist cool. Heute. Maschinenhaft. Unsteuerbar. Eigentlich. Auch ein Jason Bourne war oft unkontrolliert. Abgerichtet als „funktionierende“ menschliche Waffe. Bis er „aufwachte“. Und sich alles umkehrte. Agent HAMILTON ist Skandinavier. Töten ja, aber mit Skrupel. Einer Art Moral-Hinterfragung. Mitunter. Wenn wieder einmal Unschuldige mit-dran glauben mussten. Carl Hamilton besitzt Kaltschnäuzigkeit mit Seele. Die ab und an laut puckert. Hämmert. Ihn sein Gewissen spüren läßt. Ihn an seinen Zwiespalt erinnert. Ob „das hier“ alles und überhaupt Sinn macht. So in der Eigen-Art – wer bin ich, was mache ich und warum. Jedenfalls signalisiert seine Körper- und vor allem deutet seine Gesichtssprache diese Hinterfragung an. Gleichzeitig ist er Profi. Ohne Pardon und Gnade. Wenn es darum geht, diese widerlichen Widersacher auszuschalten. Ausschalten zu müssen. Im Interesse der Nation. Natürlich.

Ein cooler neuer Agenten-Kick. Und -Gig. Hart, blutig, kalt (FSK-Freigabe: ab 18). Mit dem interessanten Bemühen an einem spannenden Thriller-Puzzle. Erklärungen für „staatliche Ausraster“. Zum Schutze des Staates. Wenn Gesetze und Regeln „außer Betrieb“ gesetzt werden müssen. Geheim. Insgeheim. Um der übermächtigen Gegenseite überhaupt Paroli zu bieten. Bieten zu können. Deshalb werden Brutalo-Figuren wie „Killer“ Carl HAMILTON unbedingt gebraucht. Ausgebildet. Verwandt. Ins heimliche Kriegs-Getümmel geschmissen. Doch „Genuss“ sieht anders aus. Hamilton wird immer mehr klar, dass und WIE er „Leben“ vergeudet. Sein Leben. Dennoch macht er. Fightet er. Weiter. Eigentlich kann er ja wohl auch gar nichts anderes. Tun. Und wird wohl weitermachen. Müssen.

MIKAEL PERSBRANDT (wieder mit seiner exzellent lakonischen deutschen Stimme von Philipp Moog) erinnert in seiner faszinierenden stoischen Bewegung bisweilen, entfernt, an die „eiskalte Engel“-Figur eines Alain Delon, aus dem 67er Klassiker von Jean-Pierre Melville. Als seine soliden Stichwortgeber-Begleiter ereifern sich PERNILLA AUGUST (1999 die Shmi Skywalker, die Mutter von Anakin Skywalker, in „Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung“) und JASON FLEMYNG (gesichtsbekannte Nebenparts in Movies wie „X-Men: Erste Entscheidung“, „Wer ist Hanna?“; „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ als Dr. Jekyll & Mr. Hyde/2003).

Ein interessanter neuer Agenten-Typ. Ist jetzt auf DVD geboren. Zu entdecken. Bei uns. Nicht als und auf 08/15 filmisch hau-nur-drauf-getrimmt, sondern durchaus mit skandinavischer Charakter-Schwärze. Gerade in diesen kommenden neuen Bond-Tagen („Skyfall“ winkt ab 1. November 2012 im Kino) eine packende „andere“ Spannungselektrik. Spannungsmotorik. Beim aufgeheizten Heimkino. Mit diesem atmosphärischen Spannungsklima.

Anbieter: „Ascot Elite Home Entertainment“ (= 4 PÖNIs).

Teilen mit: