Affengeil Kritik

AFFENGEIL“ von Rosa von Praunheim (Co-B, D+R; D 1990; 87 Minuten; Start D: 20.12.1990)

„…das ist eine wunderbare Videokamera… wie ich lache, wie ich tanze… wie ich bin.“ sagt Lotti Huber zu Rosa von Praunheim. Rosa von Praunheim ist Filmemacher. Und eigentlich ist er von der Idee nicht so überzeugt. Lotti Huber, 75 Jahre, ist Selbstdarstellungskünstlerin. Sie ist ein extravagantes Energiebündel, ist laut und schnodderig und trägt ihre Seele auf der Zunge. Lotti Huber ist anders als Frauen in ihrem Alter. Sie sitzt nicht mit Omas beim Kaffeekränzchen und sie strickt auch nicht braune Socken. Lotti Huber ist frech, grell, in sich selbst verliebt und provokativ. Wenn’s sein muss,hält sie auch mal den nackten Hintern vor die Kamera. Schließlich hat Lotti den Filmemacher und Freund überredet. Er dreht einen Film über sie, Titel: „Affengeil“. Denn affengeil findet Lotti Huber das Leben und das besingt sie in vielen Liedern.“Affengeil“ ist ein Film übers Filmemachen. Dadurch, dass der Film seine eigene Entstehungsgeschichte dokumentiert, beantwortet er Fragen wie: Wie finde ich Ideen für einen Film? Wie setze ich die Ideen um? Wie wird aus vielen Teil-Aspekten eine große, runde Sache?

“Affengeil“ ist auch ein Film über die Beziehung zwischen Rosa von Praunheim und Lotti Huber. Ein Film in Dialogform. Die Gespräche der beiden sind witzig, kokett, ausgefallen. Schließlich und vor allem ist “Affengeil“ ein Film über Lotti Huber. Ein Film über ihre Karriere, ihre Männer, ihr ungewöhnliches Leben. Eine Mischung aus Mitschnitten von ihren Auftritten, szenischen Darstellungen und Interviews. Dabei wird der Film im Verlauf mehr und mehr zu ihrem Film. Denn Lotti Huber ist an allen Entscheidungen beteiligt. Manchmal fährt sie Rosa von Praunheim dabei eiskalt über den Mund: “Ach Schätzchen lass mal, aber davon hast Du keine Ahnung!“ “Affengeil“ ist gebündelte Energie, das ist Nabelschau und Show und Selbstdarstellungstrieb. Trotzdem handelt der Film auch von ehrlichen Gefühlen, von Verletzbarkeit und den Grenzen, an die jemand stößt, der sich selbst auf dem Tablett serviert.

Ein ungestümer, facettenreicher Film. Ein Film wie Lotti Hubers Leben (= 4 PÖNIs).