13 DVD-Kritik

Vom Original habe ich erst jetzt gehört, anlässlich der DVD-Veröffentlichung des Remakes. 2005 schuf der aus Georgien stammende, in Frankreich lebende Drehbuch-Autor und Regisseur GÉLA BABLUANI seinen ersten Kinofilm. Titel: „13 TZAMETI“. Eine in Co-Produktion Frankreich / Georgien entstandene Low-Budget-Produktion, in Schwarz-Weiß gedreht, 86 Minuten kurz. Das „film noir“-Werk gewann den „World Cinema Jury Prize“ beim renommierten „Sundance Festival“ im Januar 2006 und wurde dann auch im Festival-Programm von Venedig aufgeführt. Bei uns war der Film erstmals ab 13.3.2008 in der untertitelten Originalfassung kurz im Kino zu sehen und kam dann am 22.5.2009 auch in einer Synchronfassung auf DVD heraus. Im Lexikon des Internationalen Films heißt es über den Film u.a.: „Spannender, kunstvoller, gesellschaftskritischer Schwarz-Weiß-Thriller. Zugleich eine sehr atmosphärische Reflexion über den Umgang mit Gewalt….., die nachdenklich macht und sinnstiftend nachwirkt“.
Ab November 2008 drehte Géla Babluani seinen Film nochmal, diesmal als amerikanische Produktion. Dieser hat nun hierzulande Premiere auf DVD, und zwar unter dem Titel:

13“ von Géla Babluani (Co-B+R; USA 2008/2009; 87 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 02.06.2011).

GELD ist die Antriebsfeder. GELD. Immer wieder GELD. Um das es geht. Ausschließlich. An das ALLE ´ranwollen. Manche haben DAVON sehr viel, sehr SEHR viel, und wollen es dennoch ständig vermehren, anderen haben gar keines. Wie der biedere Handwerker/Elektriker Vince. Dessen Familie in Talbot/Ohio unter ärmlichen Bedingungen lebt. Dennoch sind sie bislang noch ganz gut über die finanziellen Runden gekommen. Doch jetzt hat sein Vater einen Arbeitsunfall erlitten, muß im Krankenhaus aufwändig wie teuer behandelt werden. Doch wovon sollen die hohen Arzt-Rechnungen bezahlt werden? Als Vince in der Nachbarschaft arbeitet, hört er zufällig von einem Deal. Mit dem der dortige Besitzer praktisch über Nacht steinreich werden soll. In einem Briefumschlag stecken die Details. Als der Hausherr sich einen tödlichen „Schuss“ setzt, bemächtigt sich Vincent des Umschlags. Und befindet sich mittendrin im lebensgefährlichen Trabbel. „Du musst jetzt leider teilnehmen“, wird ihm erklärt. Als Kandidat Nummer 13. Irgendwo in einer abgelegenen Villa auf dem Land. Wo ganz reiche Typen den totalen Wett-Kick suchen. Mit einem Russisch-Roulette-Turnier. Bei dem es um hohe Dollar-Einsätze geht. Und um Menschenleben. Männer stehen in einem Kreis. Jeder hält dem Vordermann eine Pistole an den Kopf. Der dämonische Zeremonienmeister, auch „Kampfrichter“ genannt, verkündet lauthals die Anweisungen. Dann muss abgedrückt werden. Die Überlebenden „dürfen“ weitermachen. Bis schließlich der Sieger feststeht. Die Leichen stapeln sich im Keller.

Das Perverse, so betont Mickey Rourke im Bonus-Interviewmaterial: Dieser „Sport“ existiert. Natürlich nicht öffentlich, sondern im Verborgenen. Irgendwo. Jedenfalls erscheint das im Allgemeinen globalen Kapitalismus-Wahnsinn und Gier-Heute denkbar. Vorstellbar. So MICKEY ROURKE („The Wrestler“). Er ist einer der zahlreichen namhaften Akteure, die hier „aufgekratzt“ mitmischen. Als dreckiger Ex-Knacki suhlt er sich einmal mehr im tiefen, abartigen Schmutz des Lebens. Wie auch JASON STATHAM („The Mechanic“) als schmieriger Wett-Pate, der seinen eigenen Bruder aus der Psychiatrie holt, damit DER, Ronald (RAY WINSTONE), für ihn die Millionen zusammenballert.

Weitere prominente Mitwirkende: Rapper „50 Cent“ als Eskorte, Begleiter für diesen Mickey Rourke-Cowboy-Luden, BEN GAZZARA („Sie haben alle gelacht“ von Peter Bogdanovich/1981) als die deutschen Kampftugenden predigender „Herr Schlöndorff“-Wett-Opportunist sowie SAM RILEY („Control“; „Brighton Rock“) als Zufallsfighter Vince. Der ungewollt-gewollt in diese Mühle von widerwärtigem Zynismus und ekligem, menschenverachtendem Spaß-Müll der Superreichen gerät. Faszinierend aber vor allem – der Auftritt des „Spielleiters“ MICHAEL SHANNON („Zeiten des Aufruhrs“) als Henry. Der wie ein Schiedsrichter beim Tennis auf erhöhtem Stuhl lakonisch-laut die routinierten Anweisungen gibt. Unbarmherzig, grausam, suggestiv. Ein grandioser Schatten-Dämon-Widerling. Michael Shannon mit einer phantastischen körpersprachlichen Performance. Einer fein-irren Interpretation von einem Übel-Menschen.

„13“ ist ein derber, packender, ungehobelter, provozierender Terrorfilm. Beängstigend interessant. Mit viel Kälte-Garantie. Innen wie außen.

Anbieter: „Highlight Communications + Constantin Film“.