W. – Ein missverstandenes Leben

Über d e n neuen – amerikanischen – Film, den ich heute vorstelle, wurde bereits im Vorfeld (SEHR) viel geschrieben. Er dürfte zu den „schnellsten“ Spielfilmen gehören, die jemals in den USA hergestellt wurden. Das Drehbuch von STANLEY WEISER wurde im Herbst 2007 verfaßt. Im Januar 2008 waren Geldgeber gefunden. Die Dreharbeiten erfolgten binnen 46 Tagen zwischen Mai und Juli 2008 in und um Shreveport in Louisiana statt. Das Budget betrug 30 Millionen Dollar, die überwiegend aus China stammen. Ein relativ kleiner, kostengünstiger Etat im Vergleich zu anderen Hollywood-Produktionen, der von der kanadischen Produktionsgesellschaft „Lions Gate Entertainment“ aufgebracht wurde. Klar, es handelt sich um den neuesten Film des 3fachen „Oscar“-Preisträgers OLIVER STONE (Drehbuch: „12 Uhr nachts – Midnight Express“/1978; Regie: „Platoon“/1986 + „Geboren am 4. Juli“/1989).

Titel: „W. – EIN MISSVERSTANDENES LEBEN“ von Oliver Stone (USA/Hong Kong/D/GB/Aus 2008; 129 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 20.01.2009); Er lief bei uns nicht im Kino, sondern wurde am Freitag, den 23. Januar 2009 erstmals im Fernsehen gesendet (spätabends bei „Pro 7“). Bereits 3 Tage zuvor ist er hierzulande auch auf DVD veröffentlicht worden.

Der heute 62jährige Oliver Stone ist einer der bedeutendsten Filmemacher in Hollywood. Mit Werken wie „Salvador“/1986, „The Doors“/1991; „John F. Kennedy – Tatort Dallas“/1991; „Natural Born Killers“/1994; „Nixon“ (1995) oder zuletzt „World Trade Center“ (2006) provozierte er ebenso ständig wie erfolgreich und sorgte permanent für „kreativen Polit-Kultur-Streit“ in allen Gesellschaftsschichten. Oliver Stone wurde insgesamt 11 x für den „Oscar“ nominiert; die Filme, in denen er als Drehbuch-Autor, Produzent und Regisseur mitwirkte, kommen insgesamt auf 37 „Oscar“-Nominierungen.

Es geschieht nicht gerade häufig, daß Hollywood einen Film über einen AKTUELLEN, also noch im Amt befindlichen Präsidenten dreht. Oliver Stone hat alles daran gesetzt, dies mit „W.“ noch vor der Wahl am 4. November 2008 zu schaffen (der Kinostart in den USA war am 17. Oktober 2008; und „W.“ schaffte mit starken 10,6 Mio. Dollar Einnahmen am Startwochenende einen Überraschungserfolg auf Platz 4 der Kino-Charts).

„W.“ ist ein Film über den unpopulärsten Präsidenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika, über GEORGE W. BUSH. Dessen Image sowohl in den USA wie auch in weiten Teilen der Welt schlechter nicht sein könnte. „W.“ pendelt zwischen zwei Erzählebenen hin und her: Zum Einen blickt er auf die Vorbereitungen im Weißen Haus auf den Irak-Krieg im Frühjahr 2003; andererseits schildert er den Weg des jungen Tunichtguts, Heißsporns, Luftikus und Alkoholikers aus Texas in Richtung Politik und Weißes Haus. Sein Politiker- und dann Präsidenten-Vater nimmt ihn (im Gegensatz zu seinem Bruder Jeb, der später in Florida Gouverneur werden und eine wichtige Rolle bei der umstrittenen 1. Wahl zum Präsidenten spielen soll) zwar nicht ernst, sondern beschimpft ihn ständig, hilft ihm aber dennoch immer wieder aus der Patsche, wenn der Filou mal wieder „über die Strenge“ geschlagen hat. Denn Junior hält es nie lange bei/mit einem Job aus, wird sogar aus der Nationalgarde „entfernt“ und schwängert schließlich „eine Braut“. „Für wen hältst Du Dich? Für einen Kennedy?“, tobt wutentbrannt Pappa Bush, um ihm letztlich aber dann doch wieder zu helfen. „Du enttäuschst mich, Junior, Du enttäuschst mich SEHR“. Also packt sich der trinkende Taugenichts eines schönen Tages „an die Eier“ und wird – 1986 – zum „wiedergeborenen Christen“. Der schwört, SEIN AMERIKA fortan „vom Bösen“ zu befreien. In der „nüchternen“ Politik. Gesagt, getan. Mit Hilfe eines mächtigen religiösen Fundamentalisten zieht Bush Jr. in den Kampf.

Und wie DER ausging, wissen wir alle ja inzwischen: Von 2001 bis 2009 war „W.“ der 43. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.
Der mit „heißer Nadel“ gestrickte Film ist NATÜRLICH aufwühlend, kopfschüttelnd-wahrhaftig-unglaublich, einzigartig wie FASSUNGSLOS-machend. Motto: Wie konnte SO EINER einer der mächtigsten Politiker dieser Erde werden und sein??? Dabei liefert der bekennende Bush-Gegner Stone keineswegs ein haßerfülltes Propagandawerk ab, ganz im Gegenteil, offenbart „W.“ eher als schlichte, tragikomische Marionette (der Öl-Industrie und ihres mächtigen Lobbyisten, des Präsidenten-Vize Dick Chaney), als Getriebenen („Ödi-Pappa-Pussi“), als Opfer von tückischen, religiösen Strippenziehern hinter den Kulissen. Ein starker, ein aufregender, ein nachdenklich stimmender, ein spannender, ein darstellerisch glänzender politischer Unterhaltungsfilm/unterhaltsamer Politfilm.

Mit hochkarätiger Besetzung: RICHARD DREYFUSS („Der weiße Hai“; „Mr. Holland´s Opus“) kriecht fömrlich hinterhältig-listig in diese böse, „graue Eminenz“, den Öl-Magnaten und Kriegstreiber DICK CHENEY („Aber so reden wir nicht zum amerikanischen Volk; denen sagen wir, es geht um Freiheit“). THANDIE NEWTON als Condolezza Rice; JAMES CROMWELL als Bush Senior; ELLEN BURSTYN als Barbara Bush, SCOTT GLENN als Donald Rumsfeld sowie STACY KEACH als religiöser Chef-Eiferer bilden inmitten eines vorzüglichen Ensembles die überzeugenden Erst-Player. Ganz vorne aber leistet der 30jährige JOSH BROLIN, der neulich vom „Prinz Eisenherz“-Killer Javier Bardem in „No Country For Old Men“ gejagt wurde, als „W.“ erstklassige schauspielerische „Verwandlungsarbeit“. Wie er mit dem Gott-Vertrauen Bush umspringt, ihn facettenreich zwiespältig, ekelhaft, faszinierend vorführt, ist ereignisreich und absolut sehenswert bzw. nahegehend. Ein ganz starkes Stück von brisant-spannend-aktuellem Polit-Kino.
„W.“ sei ein schneller „Rohentwurf für einen Film, der vielleicht in 10 oder 15 Jahren notwendig wäre“, meint das Fachmagazin „Variety“. Ich finde ihn gerade JETZT richtig, notwendig, mutig, diskutabel platziert. „W.“ hält DIE WUT in Gang…..

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