Mistress America Kritik

MISTRESS AMERICA“ von Noah Baumbach (Co-B + R; USA 2014; Co-B: Greta Gerwig; K: Sam Levy; M: Dean Wareham, Britta Phillips; 84 Minuten; Start D: 10.12.2015); der „Hollywood Reporter“ bezeichnete sie als „Indie Star“. Der Kollege A. O. Scott pries sie in „The New York Times“ als mögliche „maßgebliche Leinwandheldin ihrer Generation“. Im Januar 2013 war sie in der Campus-Komödie „Algebra in Love“ von Whit Stillman (s. Heimkino-KRITIK) zu bestaunen; im August 2013 faszinierte sie als verhuschte New Yorker Stadtneurotikerin in „Frances Ha“ von Noah Baumbach (s. Kino-KRITIK).

GRETA GERWIG, geboren am 4. August 1983 im kalifornischen Sacramento, eine weibliche Woody Allen-Film-Figur und neurotische Flamme: Köstlich überdreht, herrlich spleenig, wunderbar eigenwillig. Auffallend pointiert „plappernd“. Von der ersten Minute an Leinwand-präsent; in den Augen-Bann ziehend. Mit ihrem Lebensgefährten NOAH BAUMBACH, mit dem sie bereits „Greenberg“ drehte, der im Berlinale-Wettbewerb von 2010 lief, hat sie hier – nach zuletzt „Frances Ha“ – wieder einen „typischen“ Greta Gerwig-Streich als Mit-Autorin und Hauptdarstellerin entwickelt. Generations-Motto: Wir sind jung, wir sind so frei, über uns selbst frei entscheiden zu können. Und wollen. Natürlich: New York. Wo sonst auch. Kann man so prickelnd gescheit wie „unordentlich“ blühen. Dabei zunächst im Blickpunkt: Tracy (LOLA KIRKE). Schwierige 18. Der Studien-Beginn ist entmutigend.

Alles ist so spröde. Die Mitstreiter an der Uni ebenso wie die „lahmen“ Vorlesungen. Das, was sie will, als passionierte Schreiberin Geschichten zu formulieren, klappt nicht, und ein Boy-Friend bandelt lieber in der weiblichen Nachbarschaft an. Wo bleibt der Sauerstoff für die Verwirklichung? Brooke heißt der. Also SIE (Greta Gerwig). Ihre zukünftige Stiefschwester. Eine typische „Gebieterin Amerikas“: „Ich bin Autodidaktin. Das Wort habe ich mir selbst beigebracht!“. Lebendige 30, unabhängig, exzentrisch, taff, oberflächlich-reizend, charmant, begehrt. Mit vollem Denk-Stoff. Also prall gefülltem Ideen-Kopf. Zu „Mehr“ bestimmt, wie sie sich selbst ständig fordert. Ob als Nachhilfe-Lehrerin, Aerobic-Trainerin oder Teilzeit-Innenarchitektin; mit vagen Plänen für ein Bistro mit gleichzeitigem Friseursalon und einer Kunstgalerie. Flausen pur.

Zwei Energie-Seelen, die mal von- und mit- , mal gegeneinander profitieren. Jedem sein Ziel. Allerdings, so turbulent wie es sich in der intellektuellen wie traum-haften Brooklyn-Welt anlässt, so ernüchternd beginnt auch die kreative Power zu schwächeln. Wenn Alltag sich plötzlich „anders“ darstellt. Wendet. Stichwort: Realität. Wo die individuelle Fassade von Brooke zu bröckeln beginnt. Was auch mit einer Ex-Freundin zu tun hat, die ihr d e n Kerl weggeschnappt hat, plus ihrer Katze und einer profitablen T-Shirt-Design-Idee. Gute Gründe, ab sofort farcig zu werden. Wenigstens die Katze muss zurück.

Noah Baumbach & Greta Gerwig bewegen sich hin zu viel Screwball-Komödien-Geschmack. Mit listigen Wortspielen, virtuoser Stummfilm-Slapstick, witziger Lockerheit. Und einem clever-appetitlichen (häuslichen) Boulevard-Spaß-Rhythmus im atmosphärischen Woody Allen-Licht: gesprächs-fein, durchtrieben, hintergründig. Blitzgescheit pointiert. Marke, klar doch: Sein übertrumpft immer Schein.

GRETA GERWIG, der Schmuck des klugen Kinos. Im Händeln wie im Bewegen wie im Ganzkörper-Ausdruck. Ihr zuzuschauen ist pures Gemütsvergnügen. Partnerin LOLA KIRKE wirkt spannend unverbraucht. „Mistress America“ ist genau das richtige filmische Alternativ-Allheilmittel für das bevorstehende „Star Wars“-Gebrüll: Mit garantiertem Sinn-Wohlfühlen. Für Leib und Seele (= 4 PÖNIs).