EWIGE JUGEND

EWIGE JUGEND von Paolo Sorrentino (B + R; It/Fr/Schweiz/GB 2014; K: Luca Bigazzi; M: David Lang; 118 Minuten; Start D: 26.11.2015); ich kann dem Triumphzug in hiesigen Feuilletons gar nicht folgen. Ganz im Gegenteil: „Youth“, so der Originaltitel, ist hübsch anzuschauende, kunstvoll gepflegte Lange Weile. Aber ich denke, der italienische „Oscar“-Preisträger PAOLO SORRENTINO („La Grande Bellezza – Die große Schönheit“ von 2012; s. Kino-KRITIK), der 2009 auch hierzulande mit seinem politischen Mafia-Film „Il Divo“ bekannt wurde (s. Kino-KRITIK), steht unter „künstlerischem Artenschutz“. Jedenfalls präsentiert er hier etwas, was man auch als „bourgeoise Dekadenz“ bezeichnen und bewerten kann.

SIE sind prominent, reich und – alt. Die beiden Freunde Fred Ballinger (MICHAEL CAINE, 82), seines Zeichens ein erfolgreicher Komponist und Dirigent, und Mick Boyle (HARVEY KEITEL, 76), Filmregisseur. Sie haben sich in ein luxuriöses wie elegantes wie versnobtes Wellness-Hotel in den Schweizer Alpen zurückgezogen, um über das Altern, das Alt-Werden und-Sein, zu palavern. Während Ballinger sich komplett aus dem Musik-Geschäft zurückgezogen hat, und – obwohl ein Abgesandter Ihrer britischen Majestät ihn zu einem Auftritt überreden will – streng beim Nein bleibt, plant Boyle sein nächstes Filmprojekt. Hat einige Hanseln von Autoren um sich versammelt, um hier, in der komfortablen Abgeschiedenheit, ein gescheites Drehbuch für den geplanten Film mit dem Titel „Life’s Last Day“ zu entwerfen. Natürlich wehen Melancholie-Wolken durch die mondäne Szenerie, in denen man sich daran erinnert, zu viel „Leben“ vergeudet zu haben. Die Kinder zu viel vernachlässigt zu haben. Anstatt dem privilegierten Da-Sein zu frönen, wird ritualisiert gejammert, was das emotionale Trauerzeugs hergibt. Motto: Ach mit d e r Frau hätte ich gerne geschlafen; dies & das habe ich versäumt, nicht fertiggebracht, das ganze erinnerungsmüde Alters- wie Alten-Programm. Nur eben in ganz feinem Teuer-Rahmen.

Dann taucht die Tochter und Agentin von Ballinger (RACHEL WEISZ) auf, die gerade von ihrem Ehemann verlassen wurde, weil „die Neue“ im Bett „besser“ sei. Familien-Herz-Schmerz fügt sich. Dann trifft die Muse von Boyle auf, die Schauspielerin Brenda Morel (JANE FONDA), und erklärt dem staunenden Mick, dass fortan Schluss ist mit lustig. Weiter Filme machen. Sie hat Angebote für bessere finanzielle (TV-Serien-)Fleischtöpfe. Fassungslosigkeit forever. Bei ihm. Aber natürlich: schicklich. In diesem schmucken Ambiente. Wo die Abenddämmerung des Alters schmerzt. Irgendwann tritt die prächtig-attraktive aktuelle Miss Universum (MADALINA GHENEA) nackt auf, und dabei kriegen die Phantasien der begüterten alten Alphas dann das endgültige wehmütige Staunen.

Ist mir zu belanglos. Zwar mit außerordentlichem visuellem Geschmack atmosphärisch fein ausgestattet und schönen künstlerischen (Musik-)Einlagen versehen, mit zwei Ausnahme-Schauspielern hauptrollen-besetzt, denen ich eigentlich immer gerne zusehe, aber immer auch mit dem Was soll das-Charme begleitet. Wieso jammern diese alten Zausel-Heros, wieso seit ihr nicht in der Lage zu genießen und die Oldie-Existenz so hinzukriegen wie es sich euch anbietet: reich, rundum verwöhnt, mit vollem schmucken Verwöhn-Aroma? Nein, auf hohem Niveau wird gejault, ist lahme Intellektuellen-Trauer angesagt.

Herrschaft sakra noch einmal, ihr alten Säcke, warum trieft ihr so lächerlich herum? Man kann in jedem Alter was Lebens-spaßiges machen, das müsstet ihr, aus der gesellschaftlichen Oberen-Fraktion, eigentlich wissen. Eure Müdigkeit, euer Selbstmitleid ist zynisch-fade, entnehme ich dem ungeilen Alten-Film (= 2 ½ PÖNIs).