JIM KNOPF UND LUKAS, DER LOKOMOTIVFÜHRER

„JIM KNOPF UND LUKAS, DER LOKOMOTIVFÜHRER“ von Dennis Gansel (D 2016/2017; B: Dirk Ahner; Andrew Birkin; Sebastian Niemann; nach dem gleichn. Roman von Michael Ende/1960; Co-Creative-Producer: Michael „Bully“ Herbig; K: Torsten Breuer; M: Ralf Wengenmayr; 110 Minuten); Der deutsche Schriftsteller MICHAEL ENDE (12.11.1929 – 28.8.1995) zählt zu den erfolgreichsten Jugendbuch-Autoren hierzulande. Seine Romane wie „Die unendliche Geschichte“; „Momo“ und „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“, der 1960 mit dem „Deutschen Jugendbuchpreis“ ausgezeichnet wurde, waren auch internationale Erfolge und wurden vielfach für Film, Bühne und Fernsehen adaptiert. Michael Ende, ein phantastischer „Bruder Grimm“ des 20. Jahrhunderts.

DENNIS GANSEL, geboren am 4. Oktober 1973 in Hannover. Erster Großerfolg: 1999 mit dem TV-Polit-Thriller „Das Phantom“ (mit Jürgen Vogel als RAF-Fahnder), der mit 3 „Adolf-Grimme-Preisen“, den TV-„Oscars“, bedacht wurde. Sein Kino-Debüt gab Dennis Gansel 2001 mit „Mädchen, Mädchen“. Aufsehen erregte der Autoren-Regisseur 2008 mit seinem Film „Die Welle“ (s. Kino-KRITIK). 2010 erreichte sein Berlin Vampir-Movie „Wir sind die Nacht“ (s. Kino-KRITIK) die Lichtspielhäuser. Danach verdaddelte er – um es höflich zu formulieren – seine erste internationale Produktion „The Mechanic 2 – Resurrection“ mit Jason Statham in der Hauptrolle  (s. Kino-KRITIK/0 PÖNIs). Mit der kostspieligen, aufwändigen Produktion des Michael Ende-Hits, von einem 25 Millionen Euro teuren Budget ist die Rede, gelangt der Regisseur wieder in die Spaß- und sicherlich Erfolgsspur zurück.

Für mich verbinden sich mit dem Michael Ende-Thema die schwarz-weißen TV-Aufführungen durch die „Augsburger Puppenkiste“ Anfang der 1960er Jahre sowie die farblichen Neuverfilmungen von 1976/1977. Gansel und seine drei Drehbuch-Autoren, darunter Andrew Birkin („Das Parfüm“), sowie sein kreativer Co-Produzent im Hintergrund, Michael „Bully“ Herbig, halten sich eng an die originale wie alterslose Vorlage. Auf der winzigen Insel Lummerland leben nur vier Menschen: Regent Alfons dem Viertel-vor-Zwölften (UWE OCHSENKNECHT); sein treuer und mit dem König stets kooperierender Untertan Herr Ärmel (CHRISTOPH MARIA HERBST) ; Frau Waas (ANNETTE FRIER), die einen Kaufladen führt, sowie natürlich Lokomotivführer Lukas (HENNING BAUM), der mit seiner Lok Emma für den korrekten Eisenbahnverkehr sorgt und mit seiner ständig „anwesenden“ Pfeife für gutmütigen Dampf sorgt. Eines Tages aber kommt personeller neuer Schwung auf das Eiland: im Paket, das der Postbote bringt, liegt ein schwarzes Baby. Um das sich fortan Frau Waas herzhaft kümmert, während Lukas den Jungen JIM tauft. „Weil er genauso aussieht“. Jim (SOLOMON GORDON) wird -liebevoll aufgezogen – älter, was den König auf den Plan ruft. Der sorgt sich. Wenn Jim eines Tages „reif“ ist und eine Gattin wählt, dann wird es – nach Ansicht von Majestät – „überbevölkert“ auf dem Insel-Winzling. Also soll der Bahnbetrieb eingestellt und „Emma“ verschrottet werden. Lukas ist entsetzt und beschließt, Lummerland heimlich mit Emma zu verlassen. Natürlich schließt sich Lukas den Beiden an. Die eigentliche Phantasie-Geschichte beziehungsweise: der Abenteuer-Film kann starten.

Mit dem eigentlich wichtigen Geschehen, an vielen exotischen Orten und mit kuriosen Beteiligten. Sprich: der urigen Riesenwelle; dem Land der tausend Vulkane; Winzling Ping Pong („Käse? Ist das nicht verschimmelte Milch?“); dem Halbdrachen Nepomuk (Stimme: „Bully“ Herbig), dessen Mama bekanntlich ein Nilpferd war; dem Scheinriesen Tur Tur (köstlich: MILAN PESCHEL) sowie: der dämonischen Frau Drachin Mahlzahn (Originalstimme:  Shirley MacLaine; deutsch, ebenso ironisch-prächtig: Judy Winter). Denn die hat ja gerade Prinzessin Li Si aus dem chinesischen Kaiserreich Mandala in ihrem Besitz, und Jim, Lukas & Emma machen sich natürlich daran, sie zu befreien. Weitere Details: Zum Selber-Sehen vorgesehen.

Allerdings: der Film besitzt – schade – zwei unterschiedliche Seiten. Erstens, Schwachstelle: Das menschliche Personal; es ist eher distanziert, also langatmig in Bewegung unterwegs und konturenlos zu identifizieren: der wie ein gemütlicher Bud Spencer aussehende gebürtige Essener Henning Baum-Lukas (bekannt aus der TV-Serie „Der letzte Bulle“) wirkt etwas zu stocksteif, und auch der junge dunkelhäutige Solomon Gordon-Jim ist viel zu nur-freundlich und naiv-lieb anstatt mehr kecker und rebellischer. Und auch Herrn Ärmel in der dramaturgischen Wiederholungs-Stillstandsschleife zu erleben, ist wenig einfallsreich. Doch dann, zweitens, wenn die Positionen klar sind und die Show bunte Fahrt aufnimmt, wird visuell fantastisch-phantasiereich geklotzt. Die Optik ist der Film. Die Schau-Werte sind enorm. Was sich das Team hierfür an Spiel, Spaß und Tricks und Bilder-Motiven, auf dem Wasser, aus der Wüste, hat einfallen lassen, ist gelungen und füttert gehörig die Sinne. Und, auch liebevoll-spannend: Es gilt ja dabei noch, das geheimnisvolle Rätsel um die Herkunft von Jim zu lösen.

Fazit: Diese „Jim Knopf“-Verfilmung becirct mehr den Bauch und nicht gleichrangig den Kopf (= 3 1/2 PÖNIs).