DUNKIRK

„DUNKIRK“ von Christopher Nolan (B, Co-Prod. + R; GB/USA/Fr/Niederlande 2016; K: Hoyte van Hoytema; M: Hans Zimmer; 107 Minuten); Dunkirk ist der englische Name der nordfranzösischen Küstenstadt DÜNKIRCHEN. Dort waren zwischen dem 26. Mai und dem 4. Juni 1940 fast 400.000 alliierte Soldaten von Nazi-Deutschlands Heer eingeschlossen. Eine gigantische wie chaotische Rettungsaktion beginnt, „Operation Dynamo“; dabei werden insgesamt 338.226 alliierte Soldaten evakuiert. Dank tatkräftiger Hilfe von britischen Zivilisten, die mit kleinen Fischerbooten, Jachten und Ausflugsdampfern bei schlechten Wetterbedingungen die Fahrt über den Ärmelkanal auf sich nahmen, um die Soldaten zu retten, bevor Hitlers Wehrmacht vorrückte. Diese „monumentale“ Rettungsaktion zu Wasser und in der Luft ist Thema dieses Kriegs-Films. Der auch im 70mm- sowie im IMAX-Format daherkommt. Nicht aber in 3 D.

Diese zynische Ergänzung weist hin zu meiner Kritik. Zunächst aber zum Drehbuch-Autoren, Co-Produzenten und Regisseur CHRISTOPHER NOLAN: Wer näheres über ihn erfahren möchte, den verweise ich auf ausführliche Biographien innerhalb der Kritik-Texte zu seinen überragenden Filmen „Interstellar“ (s. Kino-KRITIK/2014); „The Dark Knight“ (s. Kino-KRITIK/2008) sowie „The Dark Knight Rises“ (s. Kino-KRITIK /2012); „Inception“ (s. Kino-KRITIK/2010) und „Prestige – Die Meister der Magie“ (s. Kino-KRITIK/2006) sowie „Batman Begins“ (s. Kino-KRITIK/2005).

Sein 10. Spielfilm bringt das Thema Krieg zur Kino-Unterhaltung: „Bei meinem Film haben wir versucht, Spannung zu schaffen. Wir zeigen nichts Blutiges, nichts, was einen dazu verleitet, von der Leinwand wegzuschauen. Das ist die Sprache der Spannung, eine der populärsten in der Filmgeschichte“. Und: „Normalerweise sage ich zu den Leuten, genießen Sie den Film. Aber das fühlt sich nicht richtig an. Deshalb: Erleben Sie den Film. Denn es geht eher ums Erlebnis als ums Vergnügen. Trotzdem fällt das alles in die Kategorie Unterhaltung“ (Christopher Nolan im DPA-Interview). Im Online-Trailer heißt es zudem von ihm: „Diesen Realismus wollten wir dem Publikum vermitteln, damit sie sich mitten im Geschehen fühlen“. Womit also haben wir es zu tun:

1.) Mit Krieg. „Historischem Krieg“. Als Abenteuer. Ausgang weitgehend bekannt. Also verhältnismäßig: spannungslos. Zudem: Ich sehe, „erlebe“, empfinde seit dem 11. September 2001 andauernd intensiven „Krieg“. Auf unserem Planeten. In täglichen ausführlichen TV-Bildern; in Aufnahmen innerhalb der sozialen Medien. Über Magazine und Zeitungen. Bin also „mit Krieg“ aber so etwas von gesättigt. Beim Thema Krieg als filmischer Feierabend-Fakt, als „spannende Spiel-Sache“, ist – bei mir – der KINO-Unterhaltungsfaktor, das KINO-Unterhaltungsbedürfnis, eher begrenzt.

2.) Es gibt mächtige Einstellungen. Zu sehen. Bildergewaltige Aufnahmen zu annoncieren. Professionell wird das „Handwerk Krieg“ und „das Leid Krieg“ hervorragend demonstriert. Beobachtet. Geschildert. Handwerklich ist „Dunkirk“ geradezu brillant; als „Unterhaltungswerk“ dagegen steril. Die einzelnen „herausgenommenen“ Soldaten und Privatpersonen beziehungsweise die wenigen namhaften Leinwand-Stars (MARK RYLANCE als Mr. Dawson; KENNETH BRANAGH als Commander Bolton; TOM HARDY als Flieger Farrier) sind anonym bleibende Figuren des Krieges, ohne nähere Charakter-Tiefe. Zu puren „Marionetten“ des furchtbaren Krieges degradiert. Was mir „Spaß“ bereiten soll. Oder so etwas Ähnliches.

3.) Bin wütend, weil ganz offensichtlich Christopher Nolan-selbst seinen phänomenalen, aber offensichtlich noch zu langweiligen Bildern nicht traut. Und sie deshalb ununterbrochen akustisch „schmückt“ mit einem grauenvoll-dröhnendem, bombastischem Hans Zimmer-Sound. „Dunkirk“, die gigantische Kriegs-Oper: Wie dämlich ist = wirkt das denn? Diese „auf bedeutsamen“ Klang gebrachte „Beethoven“-Tonspur-Dramatik frisst Sinn auf und mindert Absicht. Total. Nervt von entsetzlich bis eklig-heroisch. Motto: Das in letzter Zeit des Öfteren im Kino festzustellende Missverhältnis (= Missverständnis) zwischen Bild und Klangvolumen ufert hier aus.

4.) Fazit: Die ewigen Sesamstraßen-Fragen seien spöttisch erlaubt: Der die das? Wer wie was? Wieso weshalb warum? Mensch, was ist DUNKIRK, der Film – Budget: 150 Millionen Dollar – nur für eine Blockbuster-Fragwürdigkeit? ! (= 2 1/2 PÖNIs).