Interstellar Kritik

INTERSTELLAR“ von Christopher Nolan (Co-B + R; USA 2013; Co-B: Jonathan Nolan; K: Hoyte van Hoytema; M: Hans Zimmer; 169 Minuten; Start D: 06.11.2014); der am 30. Juli 1970 in London geborene Drehbuch-Autor, Produzent und Regisseur CHRISTOPHER NOLAN zählt seit vielen Jahren zu den spannendsten Filmemachern der Gegenwart. Leuchtende Augen und faszinierende Gedanken entstehen bei der Erinnerung an hervorragende Bauch- und Kopf-Thriller wie die „Batman“-Meisterwerke („Batman Begins“; „The Dark Knight“; vor allem „The Dark Knight Rises“ /2005, 2008, 2012; s. Kino-KRITIKEN) oder an das „Rückwärts“-Puzzle „Memento“ (2000) oder an die begeisternden Abenteuer um gezielte Hirn-Spionage mit „Inception“ (2010/s. Kino-KRITIK).

Ich weiß, wenn ich schon „so“ lobhudelig anfange, dann folgt sogleich die ABER-Ernüchterung. Genau. Denn das neueste, superteure 9. Werk des begnadeten Künstlers (man raunt von einem 165 Millionen Dollar-Budget) ist schwach. Dürftig. Und gigantisch super-langweilig. Visuell in der Tradition des EINZIGARTIGEN UNÜBERTROFFENEN Meisterwerks von Stanley Kubrick – „2001 – Odyssee im Weltraum“ (1965-1968) -, also ähnlich opulent, dabei aber komplett seelenleer und geradezu grausam spannungslos. Theoretisch behauptet und inhaltlich als physikalischer Diskurs mit sehr vielem Fach-Gesülze angelegt: Zuschauer, lass dich von uns bebrabbeln. Zuschütten mit Behauptungen. Mutmaßungen. Fachsubstantiven. Unterlegt von einem fürchterlich laut angesetzten, „bedeutungsvoll“ sakral klingenden Orgel-Getöse von Hans Zimmer.

„Interstellar“ ist ein Science Fiction-Gebräu mit emotionalen, aber leer bleibenden weinerlichen Menschen-Regungen wie Vaterliebe durch die Zeiten und Tochter-Bemühungen auf der fernen Erde, Vor-Ort-Andeutungen (zuständig, die hübsch frisierte ANNE HATHAWAY und der eifrige MATTHEW McCONAUGHEY), ein bisschen All-Thrill (mit einem völlig unsinnig platzierten Fies-„Kameraden“ MATT DAMON) und sehr vielem Bunte-Knöpfe-Drücken und wackelnde Steuerungen erklärend betätigen. „Interstellar“ sieht sich an wie eine riesig aufgepupste „Star Trek“-Folge ohne Beamen, Scotty und Captain Kirk. Oder Spock.

Was wird uns hier hülsenleer vorgemacht, vorgeführt: Der Planet Erde ist mal wieder am Ende. Diesmal ernährungstechnisch. Einige Wissenschaftler (darunter der feine MICHAEL CAINE) arbeiten insgeheim aus Ausweg: Möglichst schnell eine andere „Aufenthaltsstätte“ suchen und finden, wo die Menschheit übersiedeln und überleben kann. Der ehemalige Nasa-Pilot und jetzige Farmer und verwitwete Vater mit 13jähriger Tochter, Cooper (McConaughy), übernimmt mit einem Team (darunter die filmische Michael Caine-Tochter Anne Hathaway als Amelia) die heikle und eigentlich auch selbstzerstörerische Aufgabe. Denn es geht nicht mehr darum, irgendeinen All-Stern aufzuspüren, sondern fern über das All hinaus in die Galaxis zu fliegen, um dort nach Lebensmöglichkeiten zu forschen. Dazu steuert man durch ein Wurmloch durch Raum und Zeit(en), sich dabei bemühend, „trotzdem“ mit der Erde in Kontakt zu bleiben. Auch wenn dabei viele Jahre vergehen, also vergangen sind. Und es natürlich hier und da immer mal „turbulent“ zugeht. Verbal wie bewegungstechnisch. Beziehungsweise umgekehrt.

Wobei – Interesse und Neugier erlahmen schnell. Hierbei, hieran. Dabei dauert die pompöse lahme Show immerhin über 160 Minuten. Plus noch Nachspann. Letztlich: Was DIE warum und wie veranstalten – wurscht. Die diesbezüglichen vielen Erläuterungen und Erklärungen verhauchen ebenso schnell in den Sphären wie überhaupt diese nur bisweilen über die Großzügigkeit der landschaftlichen Optik zu ertragen sind. Ansonsten: „Technischer Krimskrams“. Mit tapferen Hollywood-Figuren.

Und wenn am Ende der Sturz aus der fünften Dimension in die Eindimensionalität inmitten von in der Tat sensationeller Trick-Architektur erfolgt, bin ich längst schon weit weg und abgekapselt von diesem wirren Stoff und spannungsarmen Blockbuster-Movie. Und will endlich ´raus. Aus diesem faulen, überkandidelten und völlig spaßlosen irdischen All-Zirkus-Zauber (= 2 PÖNIs).