DIE VERLOBUNG DES MONSIEUR HIRE

DIE VERLOBUNG DES MONSIEUR HIRE“ von Patrice Leconte (B+R; Fr 1988; 81 Minuten; Start D: 28.09.1989).

In „Die Verlobung des Monsieur Hire“ ist jedes Bild ein Stillleben, die Dialoge sind stark und auf ein Minimum beschränkt.
Zwischen dieser konstruierten, genau ausgeklügelten Atmosphäre stehen sich zwei Personen gegenüber. Ein bleichgesichtiger Mann im schwarzen Anzug, Monsieur Hire. Ein vergrämter‚ vereinsamter Mensch der dem Leben keine Freuden abgewinnen kann. Bis eines Tages Alice in die Wohnung gegenüber einzieht. Alice, die eine so aufgeschlossene und natürliche Ausstrahlung hat und die ein furchtbares Geheimnis hütet.
Ein Geheimnis, das Monsieur Hire kennt, denn er beobachtet sie Tag und Nacht.
Monsieur Hire‚ dessen Hoffnungslosigkeit und Weltverlorenheit Michel Blanc mit fast beängstigender Überzeugungskraft verkörpert, ist von einer eisigen Welt aus weiß -grauen Bildern umgeben. Sandrine Bonneire hingegen, die die Gegensätze der Kindfrau Alice in eine Symphonie der Wärme und Offenheit verwandelt, bewegt sich in einer Welt der ebenso warmen Farbtöne.

Der Regisseur Patrice Leconte über den Einsatz der Farben in „Die Verlobung des Monsieur Hire“:
„Ich wollte eine Farbe finden die den Gefühlen von Monsieur Hire genau entspricht. Er hat all diese Gefühle in sich, die er aber nicht zeigt. Er ist so ein ruhiger Romantiker. Deshalb sind die Farben auch so gedämpft, also so wie seine Gefühle, die er nicht ausdrückt. Wir haben überlegt, ob wir den Film in schwarz-weiß drehen sollen, aber das fanden wir übertrieben. Dann haben wir überlegt, ob wir sehr starke Farben einsetzen sollen, aber das hätte nicht zu der Stimmung des Filmes gepaßt. Und dann haben wir uns geeinigt auf die gedämpften zurückgenommenen Töne“.

Als Alice eines Nachts ihres Beobachters gewahr wird, kehrt sie die Situation um. Sie schafft eine Begegnung herbei, nimmt Kontakt auf zu Monsieur Hire. Was zuerst reine Berechnung war, entwickelt sich im Laufe des Filmes zu ernsthafter Zuneigung und Liebe.
Vor dem Zuschauer entfaltet sich eine Studie über die Abgründe und Labyrinthe menschlicher Gefühle: Markenzeichen für die Texte von George Simenon, nach dessen Roman „Die Verlobung des Monsieur Hire“ Patrice Leconte seinen gleichnamigen Film drehte.

Besteht für den Regisseur ein großer Unterschied in der Arbeitsweise mit einem Originaldrehbuch oder der Arbeit mit einer literarischen Vorlage?

„Es besteht kein Unterschied, auch wenn sich das paradox anhören mag. Dies ist mein erster Film nach einer Vorlage. aber dennoch mein persönlichster Film.
Wenn man ein Buch liest, findet man sich darin wieder. So war es bei mir, ansonsten hätte ich das Buch nicht verfilmen wollen. In dem Moment wo ich das Buch interpretieren will, muss ich es ohne Vorbehalte und ohne solchen Respekt vor dem Autor betrachten. Wenn ich genauso filmen würde, wie es im Buch steht, wäre das Zeichentrickfilm. Man muss einen ganz eigenen Film daraus machen, darin liegt das persönliche. Auch wenn es eine Adaption ist ‚bringe ich doch all meine Gefühle in den Film ein.

Der Film „Die Verlobung des Monsieur Hire“ ist ein Hochgenuss. Der Regisseur schafft es trotz völlig stilisierter Bilder, und trotzdem jedes Detail auch ein wenig die Last der Konstruktion in sich trägt, dem Zuschauer ein Gefühl von der Harmonie der Gegensätze zu vermitteln.
„Die Verlobung des Monsieur Hire“ ist bereits die sechste Zusammenarbeit des Regisseurs mit Michel Blanc. „Wenn man einen Schauspieler gut kennt, hat man auch Lust ihn in immer weiterzutreiben, damit er neue Dinge ausprobiert, um seine Fähigkeiten zu steigern. Wenn man gerne mit jemandem zusammengearbeitet hat, dann können all die Freuden und das Vergnügen nicht in diesen zwei Monaten erschöpft sein. Man hat Lust diesen Spaß bei der Arbeit wieder zu erleben.

Mit Sandrine Bonnaire war es auch sehr schön, ich würde gerne noch einmal mit ihr arbeiten. Einerseits ist es diese ‚Wie weit kann ich mit diesem Schauspieler gehen?’‚ dann die gemeinsame Freude beim Arbeiten. Und dann ist dieses Vertrauen, die Freundschaft auch sehr stark. Wenn Michel Blanc allerdings mein Szenarium nicht gefallen würde, darauf würde ich nicht achten, obgleich ich mit ihm befreundet bin“ (= 4 PÖNIs).

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