VENGEANCE

ER ist einer der GROSSEN Rock´n Roller Frankreichs. Unter dem bürgerlichen Namen Jean-Philippe Smet wurde er am 15. Juni 1943 in Paris geboren: JOHNNY HALLYDAY. DER „nebenbei“ auch als Schauspieler in Kinofilmen auftritt („Fahrt zur Hölle, ihr Halunken“ von Sergio Corbucci/1969; „Die Entführer lassen grüßen“ von Claude Lelouch/1972 oder in „Detective“ von Jean-Luc Godard/1984). In dem vorzüglichen Psychokrimi-Kammerspiel „DAS ZWEITE LEBEN DES MONSIEUR MANESQUIER“ von Patrice Leconte (s. KINO-KRITIK) mimte er 2002 einen anonymen Edel-Gangster, der in einem französischen Dorf „einbricht“. Auf dem Venedig-Filmfestival gewann der Film 2002 den Publikumspreis. Der großartige Mitspieler JEAN ROCHEFORT bekam den Publikumspreis als „bester Schauspieler“ zugesprochen. Johnny Hallyday erhielt für seinen Part den „Jean-Gabin-Preis“.
Ende 2008/Anfang 2009 kostümierte er sich erneut als gealterter Killer. In dem Film

VENGEANCE“ von Johnnie To (Fr/Hongkong 2008/2009; B: Wai Ka Fui; K: Cheng Sin Keung; M: Lo Tayu; 104 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 27.08.2010); übersetzt „Rache/Vergeltung“.

Sein Name: Francis Costello. COSTELLO?: Jeff Costello hieß der schweigsame Profikiller Alain Delon in dem Jean Pierre Melville-Klassiker „DER EISKALTE ENGEL“ aus dem Jahr 1967. Der Costello hier WAR mal in diesem Milieu-Gewerbe. Bis vor 20 Jahren. Heute besitzt er ein Restaurant in Paris und ist als Koch erfolgreich. Als jedoch die Familie seiner Tochter in Macau überfallen und fast ausgelöscht wird, kehrt er nochmal „in den Ring“ zurück. Begibt sich nach Asien, um herauszufinden, WER „das“ „veranstaltet“ hat und warum und WER dafür verantwortlich ist. Verbündet sich vor Ort mit drei ortsansässigen Profis, weil er sich dort nicht auskennt und zudem unter einem „Handicap“ leidet: Eine Kugel steckt bei ihm im Kopf und sorgt dafür, dass er nach und nach sein Gedächtnis verliert, verlieren wird. Also ist Eile geboten. Der Weg führt nach Hongkong. Wo das Quartett bald „fündig“ wird.
„Vengeance“ hatte seine Welturaufführung im Wettbewerb beim 62.Cannes-Festival im Vorjahr.

Der 55jährige Hongkong-Regisseur und Produzent JOHNNIE TO wurde mit seinen Komödien und Action-Filmen weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und geschätzt (2008 wurde er in die Wettbewerbsjury der 65. Filmfestspiele von Venedig – unter dem Vorsitz von Wim Wenders – berufen). In den letzten Jahren waren viele seiner Werke bei den bekanntesten internationalen Filmfestivals vertreten. Genrestreifen wie „All About Ah Long“ (1989, mit Chow Yun-Fat); “The Mission” (1999); “Fulltime Killer” (2001), “Election” (2005; 2006 die Fortsetzung) sowie „Exiled“ (2006); “Mad Detective” (2007) und “The Sparrow” (2008) zählen zu seinem Erfolgsrepertoire.

Hier nun inszeniert To exzellente Tiefgang-Spannung. Keinen blutrünstigen Rache-Weg von blindwütigen 08/15-Killern, sondern eine durchdachte, intelligente wie ästhetisch prächtig eingefangene Gangster-Choreographie. Mit Akteuren voller Stolz, Würde und „Anstand“. Die ihren Job ebenso „selbstverständlich“ wie kaltschnäuzig, routiniert und absolut „bewusst“ ausführen. Wie Bäcker Brötchen backen, Maurer mauern oder Tänzer tanzen. Nichts kann sie davon abhalten, abbringen. Sie bewegen sich wie moderne Samurais. 150%ige „Handwerker“. Treu und folgsam ihrem Auftraggeber bis in den Tod. Der jetzt Costello heißt und zunehmend auch mit seinen „Orientierungsschwierigkeiten“ zu kämpfen hat. Deshalb die vielen Fotos, die er ständig bei sich trägt. Und die ihn „motivieren“. Beim Showdown ist es wie auf einem dieser riesigen freien Felder von Akira Kurosawa, wenn sich die kriegerischen Kontrahenten gegenüberstehen bzw. „annähern“. Sagenhaft in der Bewegung, mitreißend in der begeisternden Fotografie. In dieser packenden Ohne Gnade-Es-ist-eben-So-Duell-Atmosphäre. Mit diesem hitzigen, coolen Jean-Pierre Melville & Sergio Leone Asien-Klima-Charme.

Johnnie To hat eine prächtige Noir-Thriller-Western-Ballade inszeniert. Mit viel schwarzironischer Stimmung. Inmitten beeindruckender Bilder und Motive (genial: Eine Schießübung mit einem „beweglichen“ Fahrrad). Und „süffisanter“ Typen. Allen voran: Johnny Hallyday. Als melancholischer, gebrochener Rächer. Der als „behinderter“ Lonesome Cowboy sehr viel („Buddah“-)Energie, Charisma und „Sensibilität“ verströmt. Um ihn herum gruppieren sich mit Anthony Wong Chau-Sang, Ka Tung Lam und Suet Lam (als „eingekaufte“ Auftragsmörder) Klasse einheimische Akteure: Ein brillantes Ensemble in einer furiosen, blutharten Gangster-Oper.

„Vengeance“ ist ein filmischer Leckerbissen für Spannungs-Ästheten; für –Experten; für –Liebhaber; für –Cineasten, also für „spezielle“ Spannungs-Süchtige. Deutsche Erstaufführung jetzt auf DVD.

Anbieter: „Koch Media“.