TRAINER!

In München haben sie ihn kürzlich wie einen neuen Messias willkommen geheißen: Den 42jährigen spanischen Fußballtrainer Jose „Pep“ Guardiola, der die Mannschaft des FC Bayern München in der kommenden Bundesliga-Saison 2013/2014 (und darüber hinaus) trainiert. Da passt es filmisch gut, dass sich gerade ein neuer, interessanter Dokumentarfilm mit diesem Beruf und Personenkreis näher befasst. In Gestalt der Dauerbeobachtung von drei Chef-Coachs aus dem deutschen Profi-Fußball während der vergangenen Spielzeit 2012/2013:

TRAINER!“ von Aljoscha Pause (B+R; D 2012/2013; K: Sebastian Uthoff; Originalmusik: Roland Meyer De Voltaure; in der Director’s Cut-Version von 138 Minuten; Heimkino-Veröffentlichung: 28.06.2013).

Im „Duden“ heißt es über Trainer: „Jemand, der Sportler systematisch auf Wettkämpfe vorbereitet“. Bei „Wikipedia“ liest sich das so: ‚Trainer‘ (engl. to train, „ausbilden“, „dressieren“) ist im Sport eine Person, die Einzelsportler oder eine Mannschaft strategisch (taktisch) technisch und konditionell anleitet. Entsprechende deutsche Begriffe sind (je nach Kontext) Übungsleiter, Ausbilder oder Betreuer„.

FUSSBALL ist ein wichtiger Teil seines Berufslebens: ALJOSCHA PAUSE, geboren am 24. Januar 1972 in Bonn, Studikus der Fächer Rechtswissenschaften, Französisch und Italienisch. Ehemaliger freier und fester Mitarbeiter beim TV-Sender DSF (heute: „Sport 1“), früherer Hesteller von Imagefilmen für diverse TV-Sender und Unternehmen sowie Kino- und Werbespots. Danach startete er als Sport-Filmemacher voll durch. Die filmischen Arbeiten von Aljoscha Pause befassen sich seit 2001 sehr häufig mit „Gesellschaft“ und Sport. Beispielsweise: Homosexualität im Fußball (und die Phobie dagegen/2008/2009; „Adolph-Grimme-Preis“ 2010 dafür). Beispielsweise mit der Blindenfußballbundesliga, mit Alkohol im Profifußball, Hooligans sowie mit Porträts im Fußball. Über acht Jahre lang hat Aljoscha Pause eine Langzeitdokumentation über den ehemaligen Fußballbundesliga-Profi Thomas Broich gedreht; herausgekommen ist ein zweistündiger Kinofilm, der unter dem Titel „Tom meets Zizou – Kein Sommermärchen“ am 25. März 2011 als Eröffnungsfilm auf dem 8. Internationalen Fußballfilmfestival „11mm“ in Berlin lief. Der bundesweite Kinostart dieses Films, der von der staatlichen „Deutschen Film- und Medienbewertung“ (vormals „Filmbewertungsstelle Wiesbaden“) das Prädikat „Besonders Wertvoll“ zugesprochen bekam, war am 28. Juli 2011.

Am 11. Juli 2012 begann Aljoscha Pause mit seinem Team an einer weiteren Langzeitbeobachtung. Bekanntermaßen sind wir in Deutschland alle TRAINER. Soweit wir Fußballfans sind. Als Sofa-Companeros. Wir alle wissen mindestens genauso viel wenn nicht mehr, warum weshalb was im Fußball alles so passiert. Haben eine „richtige“ Meinung. Nur DER, der als tatsächlicher Trainer fungiert, hat keine Ahnung. Wenn der Erfolg ausbleibt. Der Trainer ist nur dann d e r definitive Strahlemann, wenn „ER“ – möglichst oft, möglichst viel – gewonnen hat. In der Saison. Aber wer sind „solche Typen“, die ständig im Beurteilungsfokus der fußballverrückten Massen und im Epizentrum der modernen Medienmaschinerie stehen? Innerhalb dieses inzwischen völlig irrationalen Fußball-Business? Mit dieser oftmals oberflächlichen, tendenziösen, aber halt „richtungsweisenden“ Boulevard-Berichterstattungskultur? Die permanent mit einem enormen Druck auskommen wollen? Müssen? Leben können? Einem ziemlich viehischen Druck, der bis ans Eingemachte, Private, Seelische längst reicht? Wie funktioniert dies ALLES? Das System Fußball aus Trainer-Sicht? In Sachen Ausbildung, Amtsantritt, Amtsausübung, Zerreißproben zwischen Zuspruch und Ablehnung? Und in dem „öffentlichen Anspruch“, auch ständig ein gut geölter „Entertainer“ sein zu müssen? Weil sie doch mit „so viel Geld“ ausgestattet werden? Und demzufolge „öffentlich zu funktionieren“ haben???

Der Film begleitet über eine Saison nicht drei Star-Trainer aus der Ersten Liga, sondern zwei aus der Zweiten und einen aus der Dritten:

1.) FRANK SCHMIDT (38), in der bereits 6. Saison hintereinander Chefcoach beim Drittligisten 1. FC Heidenheim. Hat den Verein von der Landesliga „nach oben“ gebracht und wird als Mitfavorit für den Aufstieg in die Zweite Fußballbundesliga gehandelt.
2.) ANDRÉ SCHUBERT, geboren am 24. Juli 1971 in Kassel, im zweiten Jahr Trainer beim Hamburger Kiez- und Kult-Club FC St. Pauli.
3.) STEPHAN SCHMIDT, geboren am 19. August 1976 in Berlin, „bin in den Käfigen Berlins groß geworden“, arbeitete im Nachwuchsbereich bei Hertha BSC, ist im ersten Jahr im Profi-Business tätig, hat eine Anstellung beim Zweitligisten SC Paderborn bekommen.

Die Spiele sind eröffnet: Wer sind SIE? Mit welcher fachlichen Kompetenz und (zwischen-)menschlichen „Philosophie“ treten sie an? Um den so herbeigesehnten Erfolg hinzubekommen? Wie „läuft“ dieser werktägliche Job überhaupt? Ab? Aljoscha Pause bleibt mit seiner Crew nah dran am spielerischen wie „inneren“ Geschehen. Ist beim Training, bei Kabinenansagen ebenso mit dabei wie bei Bürogesprächen. Oder in ruhigen Einzelinterviews. Oder an der Seitenline. Wo die Emotionen toben. Zeigt „die Autoritäten“ in ihrem Berufsalltag, der im Grunde ein Rundum-Job ist. Bedeutet. Dem alles andere untergeordnet wird. Werden muss. Etwa Familie. Soziale Kontakte. Privatsein. Du bist täglich permanent zuständig für einen „Haufen wilder Hunde“ und musst aus denen ein stimmiges Erfolgsteam formen. Das nach Möglichkeit haufenweise Gewinne einfährt. Dann stimmt die Chose. Wehe aber, wenn sich Niederlagen „mehrfach“ ergeben. Dann beginnt das wahre, nervenaufreibende Rechthabe- und Jobüberlebensspiel. Dazu werden sowohl hochrangige Vereinsvertreter wie Spieler direkt, aber auch der DFB-Chefausbilder FRANK WORMUTH befragt. Eingebunden. Der oberste Fußball-Lehrer des Verbandes. Der „DIE“ ausbildet. Ausgebildet hat. Den „amtlichen“ Jobgrundstein gelegt hat. Für den „Schein“ gesorgt hat, mit dem MANN nach monatelangem Lehrgang (in Honnef) die Berechtigung zum Trainer bekommen hat. Und „damit“ nun praktisch loslegen kann. Um sich und anderen zu beweisen, dass MANN das KANN:

„Trainer-Sein ist das Geilste überhaupt“, stellt André Schubert einmal fest. Und ist der Erste, der nach dem 7. Spieltag bereits „fliegt“. Entlassen wird. Zu wenig Pluspunkte auf dem Tabellenkonto. Meinen die Vereinsoberen. Der St. Pauli Ex-Spieler Thomas Meggle, der gerade seinen Trainerscheinlehrgang bestreitet, wird Interimscoach. Während André Werner nach 10jähriger ununterbrochener Arbeit als Trainer später positiv festhält, „dadurch“ „als Mensch mal zur Ruhe gekommen“ zu sein. Stephan Schmidt ereilt dieses Kündigungsschicksal dagegen erst am 7. Mai 2013, zwei Spieltage vor Saison-Ende. Als die Chefetage vom SC Paderborn „einvernehmlich“ „die Reißleine“ zieht. Um einer möglichen Abstiegsgefahr zu entgehen. Währenddessen kämpfen die Mannen um Frank Schmidt vom 1. FC Heidenheim bis zum letzten Spieltag um die Chance zum Aufstieg in die Zweite Liga.

Ein informativer, launiger, spannender Themafilm. Um den Business-Sport FUSSBALL. Heute. Und seine sonst kaum einsehbaren Probleme. In Existenz und Seele. „Wenn sie psychische Probleme bekommen, dann hilft ihnen das Geld auch nicht“, meint Trainer Armin Veh (vom Erstligisten Eintracht Frankfurt) einmal. Veh kommentiert mit prominenten Kollegen wie dem zweifachen (klugen, bedachten) Dortmunder Meistertrainer Jürgen Klopp, Werder Bremens legendärem Ex-Coach Thomas Schaaf, dem listigen „Ostgrantler“ Hans Meyer oder dem kultgeruchigen Peter Neururer sowie dem sensiblen Michael Oenning aus dem Hintergrund das aufreibende aktuelle Geschehen. Im „nervösen“ Gewinn- und Verlustgetöse des modernen Millionen-Geschäfts Fußball. Milieu – Sport.

Plus auch auch einem witzigen Bonus-Leckerli – dem Kurzfilm „MESUT, 17“ von Aljoscha Pause. Entstanden im Januar 2006 beim „Junior Cup“ in Sindelfingen. Mit dem damaligen Schalker „Hauptdarsteller“ (und heutigem Weltfußballer) MESUT ÖZIL (von Real Madrid).
Dieser professionelle Doku-Film „TRAINER!“ ist eine runde Info- wie Unterhaltungssache. Jetzt „komplett“ im Heimkino.
Die nächste Saison kann beginnen!

Anbieter: „mindjazz pictures“