TÖDLICHE VERSPRECHEN

TÖDLICHE VERSPRECHEN“ von DAVID CRONENBERG (USA/GB/Kanada 2007; 100 Minuten; Start D: 27.12.2007). Der 64jährige Kanadier gilt als einer der spannendsten, „pikantesten“ Genre-Cineasten überhaupt. Hat sich mit Filmen wie „A History Of Violence“ (2005), „eXistenZ“ (1999), „Naked Lunch“ (1991), „Die Fliege“ (1986) und „Videodrome“ (1983) einen immerwährenden „neugierigen Namen“ geschaffen. Sein neuer Psycho-Thriller entstand in London, als Co-Produktion GB/Kanada/USA, und handelt von Macht, Schicksal und Erlösung. Erzählt von einer Art naiver Hebammen-„Aschenputtel“. Sie heißt Anna, ist halbrussischer Abstammung, und arbeitet in einem Londoner Krankenhaus.

Alles beginnt mit dem Tod einer schwangeren Frau. Diese hinterlässt neben ihrem in einer Not-OP gerettetem Kind auch ein Tagebuch. In russischer Sprache. Auf der Suche nach den Verwandten stößt Anna, ohne es zunächst „direkt“ zu merken/zu begreifen, auf die traditionelle russische Mafia. Die nach eigenen Regeln lebt, herrscht, tötet. In dieser Welt sind Ehrenmorde, Unterdrückung und Demütigung an der Tagesordnung. Anna bekommt es mit Nikolai zu tun, einem cleveren wie intelligenten wie zumeist stillen „Handlanger“ des Restaurantbesitzers Semyon. Der äußerlich stets als „gütiger Opa“ auftretende Pate will an das Tagebuch und Anna und das Kind loswerden. Dabei kommt ihm allerdings sein eigener, unkontrolliert-aggressiver Sohn Kirill ebenso in die Quere wie sein „Leibeigener“ Nikolai. Der sein ganz „eigenes Spiel“ hier spielt.

Ein spannendes, faszinierendes Puzzle. Mit viel atmosphärisch-dichter Krimi-Spannung um eine britische „Alice im Wunderland“ inmitten eines fein- fiesen, brutalen Gangster-Mikrokosmos/einer schmutzigen, übel-gewalttätigen Parallelgesellschaft von heute. Dramaturgisch wie stilistisch außerordentlich packend entwickelt, mit einem hervorragenden Darsteller-Ensemble dargeboten: „Herr der Ringe“-Hero VIGGO MORTENSEN mit einer glänzenden Charakter-Studie als kalter, berechnender Melancholie-Zyniker Nikolai; ARMIN MUELLER-STAHL als gewandt-übler Charmebolzen + „Pate-Moralist“; VINCENT CASSEL („Die purpurnen Flüsse“; „Ocean´s 12 + 13“) als dauer-aggressiver Chef-Sohn mit Zeitbomben-Geschmack sowie NAOMI WATTS („King Kong“/2005; „Mulholland Drive“ von David Lynch) als immer mehr bös´-staunende Cinderella, sie spielen und sind SÄMTLICHST exzellent.

„Eastern Promises“, so der Originaltitel, ist eine Art SHAKESPEARE-Psycho-Thriller, spielt „am Hofe des schurkischen Königs“, handelt von den vielen Morden/Intrigen/Machtspielchen/Bedrohungen. David Cronenberg gilt nicht zu Unrecht als „kluger Meister der Beunruhigung“, auch hier setzt er wieder außerordentlich spannende wie hintergründige Nerven-Unterhaltungsmaßstäbe (= 4 PÖNIs).