STORM UND DER VERBOTENE BRIEF

„STORM UND DER VERBOTENE BRIEF“ von Dennis Bots (Niederlande 2016; B: Karen van Holst Pellekaan; K: Rolf Dekens; M: André Dziezuk; 105 Minuten); wir schreiben das Jubiläums-Luther-Jahr, folgerichtig befasst sich dieser spannende Abenteuer-Historien-Kinderkrimi mit fiktiven Geschehnissen von vor 500 Jahren. Als Martin Luther mit seinen Reform-Thesen zu Wittenberg Obrigkeit und Kirche gegen sich aufbrachte. Weil seine reformistischen Ideen beim „Volk“ begeistert  diskutiert werden. So dass die machtgeile Herrschaftsclique um ihre diktatorischen Pfründe bangt. Und brutal „dagegen hält“.

In diesen mittelalterlichen Zeiten, im Jahr 1521, lernen wir den aufgeweckten 12jährigen Storm (DAVY GOMEZ) aus Antwerpen kennen, Sohn des liberalen Drucker-Handwerkers Klaas und der religiös-fundamentalistischen Mutter Cecilia. Storm hilft beim Papa eifrig mit und stellt sich selber bereits (meistens) geschickt an, wenn es um das Erlernen von Papas Handwerk geht. Als dieser den heimlichen Auftrag übernimmt, einen Brief von Marin Luther („Manuskript über die Kirche“) zu drucken, beginnen die Ereignisse sich zu überschlagen. Der neue grausame Inquisitor Frans Van der Hulst (PETER VAN den BEGIN) hat das mitbekommen und will diesen Brief unbedingt haben, bevor dieser etwa in die Öffentlichkeit gelangt. Schließlich beabsichtigt er, Antwerpen zur Stadt der totalen Frömmigkeit machen und Ketzerei ein für allemal auszuschalten, damit der Macht-Klüngel von Kaiser und Kirche zementiert bleibt.

Storm  ist gefragt. Als sein Vater verhaftet wird, schnappt er sich in der Druckerei die Druckplatte und haut ab. Begegnet dem pfiffigen, unterirdisch (in den Abwasserkanälen) lebenden Waisenmädchen Marieke (JUNA DE LEEUW) und findet in ihr eine clevere Unterstützerin. Vermag im Gegenzug ihr, der Analphabetin,  Lesen näher zu bringen. Als beide erfahren, dass sein Vater öffentlich auf dem Scheiterhaufen hingerichtet werden soll, bündeln sie alle Kräfte, um das Unmögliche zu wagen.

Ein Kinderfilm, in dem es gedanklich um viel geht: ein gut geöltes Sich-Bereichern-System, Ausbeutung der Massen, das bewusste Dumm-Halten des unterdrückten Volkes, mutiges, couragiertes Aufbegehren, Freundschaft, Solidarität als spannendes Abenteuer. Mit Gier und Verrat. Dies ist die eigentliche Überraschung: „Storm: Letters van Vuur“, so der Originaltitel, ist wie ein Blockbuster aufwändig angerichtet, innen wie außen. In bzw. mit einer faszinierenden visuellen Atmosphäre, mit vielen spannenden, knisternden Jagd-Motiven, mit einer  bestechenden Ausstattung in Kostümen und Bauten. Nie hat man den Eindruck, „Storm und der verbotene Brief“ ist ja „nur“ ein („geringerer“) Kinderfilm, ganz im Gegenteil: Der in der ersten Reihe mit zwei wirklich überzeugenden kraftvollen jungen Schauspielern besetzte Film ist ebenso aufregend wie empfindsam-geglückt. Kindgerecht und zugleich erwachsen. Man kann viel Spaß haben und spielerisch lernen. Begreifen. Regisseur DENNIS BOTS, zuvor mit Filmen wie „Starke Mädchen weinen nicht“ (2012), „Das große Geheimnis“ (2014) und „Geheimcode M“ (2015) sich mit Themen um Heranwachsende beschäftigend, hat mit „STORM UND DER VERLORENE BRIEF“ einen großartigen, sehr unterhaltsamen Prädikats-Spannungsfilm geschaffen (= 4 1/2  PÖNIs).

 

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