Somewhere Kritik

SOMEWHERE“ von Sofia Coppola (B+R; USA 2010; 98 Minuten; Start D: 11.11.2010); wurde beim diesjährigen Festival von Venedig mit dem Hauptpreis, dem „Goldenen Löwen“, ausgezeichnet. Was einmal mehr den Wettbewerb von Internationalen Filmfestivals auf seine „Normalität“ zurückstuft. Denn „Somewhere“ ist kein sonderlich herausragender Stoff und Film. Was die 39jährige Tochter des großen Francis Ford Coppola („Der Pate“; „Apocalypse Now“) erzählt, ist eher „intern“ und reichlich Oberflächen-Gekratze. Aus ihrer Umgebung.

Hollywood-Star Johnny Marco (STEPHEN DORFF) hat Erfolg, viel Money, wird hofiert, fühlt sich aber leer. Ausgebrannt. Weiß nichts rechtes mit seiner Freizeit anzustellen. Lümmelt sich in einer Suite im legendären L.A.-Hotel „Chateau Marmont“ (am Sunset Boulevard) herum. Lässt schon mal gut gewachsene Brünett-Schwestern an der Stange im Schlafzimmer für sich erotisch tanzen (mehr ulkig, circensisch), fährt mit seinem Ferrari hin und wieder ein bisschen in der Gegend herum, bewegt sich ansonsten ziemlich schwerfällig, sagt fast gar nichts. Lässt den ermatteten Körper sprechen. Vögelt wohl ab und zu „routiniert“. Die Sinnkrise in schon jungen Jahren. Ach Gott, wie geht es mir gut-schlecht. Affären wohl noch und nöcher, aber nix „Ernstes“. Meldet jedenfalls das (SMS-)Handy ab und an. Johnny wirkt wie ein Einsam-Verlorener, allerdings auf (sehr) hohem Existenz-Niveau. Dann unterbricht der Besuch seiner 11jährigen Tochter Cleo (sympathisch-frisch: ELLE FANNING) aus seiner geschiedenen Ehe seine Lethargie. Und Melancholie. Aber wird SIE ihn umpolen können? Kommt Johnny nun endlich mal wieder „in die Puschen“ und sein Dasein in den „vernünftigen“ Griff???

Ehrlich – wen interessiert DAS? Wen soll das interessieren? Und warum? Da ist so ein Star-Typ in der Krise. Aha. Beziehungsweise: Na und? Meine Güte, der lebt so lala-feudal vor sich hin. Weiß nichts mit sich anzufangen. Hat offensichtlich genügend Kohle, Anerkennung, Zuspruch, findet daran aber kein Vergnügen. Ist hochgradig deprimiert. Ohne dabei groß anzuecken. Rumhängen lautet das Tages- wie Nacht-Motto. Bis seine Tochter auftaucht. Mit ihr wird es, im Allgemeinen, und er, im Speziellen, wieder etwas lebendiger. Nochmal gefragt: UND? Wen kümmert DAS bzw. warum soll(te) es DAS???

Keine Nähe möglich. Der nach „The Virgin Suicides“ (1999), „Lost in Translation“ (2003/„Oscar“ für „Bestes Originaldrehbuch“) und der Kostüm-Schmonzette „Marie Antoinette“ (2006) vierte eigene Film von Sofia Coppola handelt erneut von ihren menschlichen Lieblingsthemen innere Leere, Sinn- wie Identitätssuche, Einsamkeit. Hier: In einem abgeschotteten Filmstar-Universum. Nur: Die Neugier, hier ´reinzuschauen, ist und bleibt begrenzt. Dieser Johnny wirkt als XYZ-Typ …wurscht. Austauschbar. Beliebig. Unwichtig. Nicht reizvoll, wenig unterhaltsam.

STEPHEN DORFF, noch in (sehr) guter Erinnerung als 5. Beatle Stuart Sutcliffe in „Backbeat“ von Iain Softley (1994), ist dabei keineswegs unsympathisch. Ganz im Gegenteil. Ein kumpliger Jeans-Typ auf Rumhänge-Tour. Okay. Ein in sich gekehrter Durchschnitts-Softy. Wenn man sich ihn „so“ anschaut. Der leider nicht einmal mehr zum Ausrasten in der Lage ist. Der steht da oder liegt oder fährt Auto, und das ist es, war es. Bis die niedliche Tochter auftaucht: ELLE FANNING, die kindliche Cate Blanchett aus „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ (2008), bringt als Cleo wenigstens etwas Sinn-Schwung in dieses ansonsten viel zu betuliche und ziemlich oberflächliche Trägheits-Movie marke: Ja ja, das Leben ist schon ganz schön schwer, wenn man ausgesorgt hat (= 2 ½ PÖNIs).