SICARIO 2

„SICARIO 2“ von Stefano Sollima (USA 2016/2017; B: Taylor Sheridan; K: Dariusz Wolski; M: Hildur Gudnadóttir; 122 Minuten); „SICARIO“ stammt aus dem Spanischen und bedeutet: AUFTRAGSKILLER.

Wir erinnern uns: am 1. Oktober 2015 kam mit „Sicario“ (s. Kino-KRITIK) ein US-Polit-Action-Thriller in die Kinos, der zu den besten Jahresfilmen zählte. Jetzt wurde er fortgesetzt. Thema: Der zermürbende und mehr und mehr legal nicht mehr „zu gewinnende“ Kampf von US-Sondereinheiten gegen die mächtigen südamerikanische Drogen-Kartelle. Drehbuch-Autor der Fortführung ist erneut TAYLOR SHERIDAN, der schon für sein erstes Skript hochgelobt wurde und 2016 für das Drehbuch zum Best-Movie „Hell or High Water“ eine „Oscar“-Nominierung bekam und kürzlich mit seinem ersten Regie-Film – „Wind River -, der im Vorjahr beim Festival von Cannes prämiert wurde, für positives Aufsehen sorgte. Für Denis Villeneuve, dem Spielleiter des ersten „Sicario“-Films, der aus Zeitmangel aus der Nachfolge-Produktion ausstieg, wurde der italienische Spezialist STEFANO SOLLIMA engagiert; Regisseur der hochgelobten wie knallharten italienische Mafia-Serie „Gomorrah“ (ab 2014) und des Kinofilms „Suburra“ (2015). Das Ergebnis: Wieder haben wir es mit einem brisanten, außerordentlich durchschüttelnden harten Werk zu tun, in dem ein gnadenloser Krieg zwischen „zwei erbarmungslosen Seiten“ geführt wird. An der Grenze zwischen den USA und Mexiko.

Wo schon längst „Normalität“ außer Kraft gesetzt ist. Motto jetzt: Neben dem Drogenschmuggel nun auch vermehrt der lukrative Handel mit Menschen-Schmuggeln. Mit verzweifelten Wirtschaftsmigranten. Die sich von einem Leben in den USA etwas Zivilisation versprechen. Aber; es befinden sich unter diesen „Einreisenden“ inzwischen auch Terroristen, die sich in den USA umgehend „genüsslich“ in die Luft jagen und viele Unschuldige „mitnehmen“. Unruhe stiften, lautet das Motto der mexikanischen Auftraggeber. Das Nachbar-System attackieren. Permanent „beschäftigen“. Damit die eigenen Geschäfte möglichst „reibungslos“ weiterhin vonstatten gehen können. Mit Drogen, Terrorismus,  Menschenschmuggel viele Millionen Tonnen Geld machen; die destruktiven Kräfte des Bösen bündeln sich. Immer mehr. Werden immer reicher. Mächtiger. Stärker. Unbesiegbarer?

Die amerikanische Führungsseite, vertreten durch einen äußerst schmierigen Verteidigungsminister (MATTHEW MODINE), sieht keine Möglichkeit, diesen schlimmen Verhältnissen mit herkömmlichen – demokratischen – Polizei- und Justiz-Mitteln zu begegnen. Also wird ein geheimes Kommando beauftragt. Anführer ist der für „solche Fälle“ „prädestinierte“ = erfahrene, schon des Öfteren herangezogene CIA-Söldner Matt Graver (JOSH BROLIN), gerade „erfolgreich“ von einem Irak-Einsatz zurück, den wir aus dem ersten Teil ebenso bereits kennen wie seinen Kumpel Alejandro Gillick (BENICIO DEL TORO), den Ex-Anwalt, der zum erbarmungslosen Killer mutierte und für jede Skrupellosigkeit „zu haben“ ist. Seitdem man einst seine Familie umbrachte. Man stellt ein professionelles Team zusammen und macht sich an die heikle Aufgabe: Einen Krieg ZWISCHEN DEN KARTELLEN im Grenzgebiet auszulösen. Die explosive Atmosphäre in der Region nun für sich listig ausnutzen. „Amtliche“ Beobachterin für die US-Regierung ist im Hintergrund CIA-Agentin Cynthia Foards (CATHERINE KEENER), eine Art moralisch-politische Instanz. Der Plan: Die Tochter eines mexikanischen Kartell-Bosses soll entführt werden. Wird auch entführt. Mit ihr, Isabella Reyes (ISABELA MONER), soll „getrickst“ werden. Um d a s Chaos zu stiften, das dann die „amerikanischen Vorteile“ wieder herstellt. Präziser: Die „amerikanische Überlegenheit“. Auf dass sich Kartelle verfeinden und gegeneinander auslöschen. Zum Wohle einer Art von Gerechtigkeit.

Natürlich geht vieles schief. Läuft vieles aus dem Ruder. Und der Einsatz, der Auftrag, wird von der US-Chef-Etage gestoppt. Zurückgenommen. Man hat plötzlich Schiss, dass zuviel von dem illegalen Eingreifen auf fremdem Territorium herauskommt. Aufhören und zurückkehren, lauten die neuen Befehle. Doch der brutale, blutige Einsatz hat sich längst verselbständigt. Der Krieg ist in vollem Gange. Und die Front-Kämpfer stecken in einem tiefem Dilemma.

Spannend, hintergründig, grausam-brutal: Auch „Sicario 2“ ist ein Kino der möglichen Annäherung. An wirkliche Szenarien. Jedenfalls ist das Unbehagen weiterhin umfangreich. Zu empfinden. „Sicario – Day of the Soldato“, so der Originaltitel, erzählt parallel auch vom Nachwuchs. Vom Teenager Miguel (ELIJAH RODRIGUEZ), der keine keine Lust auf das „normale“, also apathische – elterliche – Dasein hier hat und sich zum Schlepper „ausbilden“ lässt. Wo viel Geld winkt. Wenn man „robust“ mitmacht. Und der Weg, ein Sicario zu werden, vorgegeben ist.

Diese ständig anwesende warnende, drohende Musik. Ungemein präsent. Die Isländerin HILDUR GUDNADÓTTIR, die ihren verstorbenen Landsmann Jóhann Jóhannsson abgelöst hat, der die Musik für das Original einst komponierte und arrangierte, setzt auf suggestiv-starke Signalklänge, die an die einstigen wuchtigen John Carpenter-Spannungstöne („Assault – Anschlag bei Nacht“; „Die Klapperschlange“) aus den Siebzigern/Achtzigern erinnern. JOSH BROLIN als harter, kompromissloser Hund, den nichts mehr aus der Spur bringt, und „Oscar“-Mime BENICIO DEL TORO („Traffic – Die Macht des Kartells“), der mit seinen Skrupeln tanzt, sind phänomenale menschliche Maschinen, die immer mehr „Metall“ anstatt luftigen Sauerstoff ausatmen. Auch „SICARIO 2“ kann sich sehen lassen; erreicht viel starke emotionale wie üble gedankliche Wirkung (= 4 PÖNIs).