Selbst ist die Braut Kritik

SELBST IST DIE BRAUT“ von Anne Fletcher (USA 2008; 108 Minuten; Start D: 30.07.2009); die viele Jahre als Tänzerin, Schauspielerin und führende Choreographin in der Branche erfolgreich arbeitete und seit 2006 auch ihre eigenen Filme dreht (Debüt, der Tanzfilm „Step Up“). Im Vorjahr folgte der – hysterische – Blondinen-Hit „27 Dresses“ (mit Katherine Heigl). Nun aber hat die am 1. Mai 1966 in Detroit geborene Anne Fletcher ihren ersten Komödien-Hit geschaffen.

DER erinnert zunächst an Meryl Streep. In ihrer Rolle als diktatorische Modemagazin-Chefredakteurin Miranda Priestley in „Der Teufel trägt Prada“ (2006). Genauso ein mächtiges Aas ist die New Yorker Verlagslektorin Margaret Tate. Die ist ebenso attraktiv wie launig und vor allem herrisch. Behandelt gerne ihre Umgebung, cool-lächelnd, „von oben herab“ und ist deshalb so beliebt wie eine Zitrone. Entläßt Untergebene schon mal, mir-nichts-dir-nichts, im Vorübergehen. Wenn es warn-mailend im Kollegenkreis heißt, daß „die Hexe auf ihren Besen gestiegen“ sei, bedeutet das büroliche Alarmstimmung: Madame Tyrannin bzw. das Miststück ist im Anmarsch. Und: Margaret hält sich einen „Leibeigenen“. Als ebenso persönlicher wie duldsamen Assi-Sekretär. DER heißt Andrew Paxton und erträgt die Launen seiner Chefin mit stoischer Gelassenheit und stiller, freundlich unterdrückter Wut. Nickt das ab, was sie befiehlt, sagt Ja und Amen zu allem, was sie ausstößt. Andrew wäre sicherlich nicht weiter aufgefallen, wenn es da nicht eine kuriose Wandlung plötzlich gäbe: Margaret ist Kanadierin und hat schlicht und ergreifend vergessen, ihre Aufenthaltsgenehmigung für die USA verlängern zu lassen. Was soviel bedeutet wie – Demnächst-Ausweisung. Die gesetzlichen Regeln sind nun mal so. Für Jedermann oder –Frau. Doch Miss Tate ist ja clever. Gerissen. Erklärt kurzerhand ihren netten Sekretär zu ihrem Verlobten, den sie bald zu heiraten gedenkt. Damit wäre das inneramerikanische Aufenthaltsproblem eigentlich gelöst. Doch dann lernen wir Andrew kennen. Und mögen. Denn DER sieht nun seine Chance gekommen, endlich DEN Roman verlegen zu können, den er immer wieder vergeblich empfohlen hat. Außerdem hat er noch so eins, zwei, drei „kleine“ weitere zwischenmenschliche wie karrierefördernde Bedingungen, wenn er hier freundlich mitspielen soll. SIE willigt notgedrungen ein. Und fährt mit ihm am Wochenende erstmal mit zu seiner Family. Zum 90. Geburtstag der Oma. Was aber zum Kulturschock ausartet. Für Margaret.

Denn: Die Paxtons wohnen in dem kleinen Nord-Alaska-Ort Sitka, und das macht „die Sache“ für eine autoritäre, modebewußte, erfolgsorientierte New Yorker Workaholic-Oberzicke nicht einfach. Schon alleine „äußerlich“. Zudem: Andrew, der „kleine Zulieferer“ an ihrer Seite, stammt aus „erheblich“ wohlhabendem Haus, wie sich herausstellt.. Und: Er ist keineswegs weiterhin „so folgsam“ wie bisher. Im Gegenteil: „Aufmüpfig“ lautet fortan sein zweiter Nachname. Es kann also losgehen, dieses schöne, pointierte Scharmützel von Zwei, die sich mehr oder weniger notgedrungen zusammenraufen (daran denken: die fidele OMA wird auch noch 90!!!), um dann festzustellen….. Ach so ja: Ein garstiger Typisch-Beamter von der Einwanderungsbehörde mischt hier auch so richtig stinkig mit. Denn ihm sei noch niemals „etwas Illegales“ entgangen, behauptet er drohend; noch so ein unangenehmer Ehrgeizling.

Irrungen und Wirrungen, mit Anklängen an – natürlich – „Der Teufel trägt Prada“ sowie „Green Card“ (damals mit Gerard Depardieu und Andie McDowell) und mit Shakespeare-Charme a la „Der Widerspenstigen Zähmung“. Das Überraschende und Großartige dabei: ES FUNKTIONIERT. Drehbuch-Autor PETER CHIARELLI setzt auf blitzbank-feine, stimmungsvolle und höchst komische Pointen. Die wirken nicht übertrieben und doof, sondern präzise auf den Schmunzel- und Lach-Punkt gebracht und herrlich unterhaltsam. Obwohl natürlich vorhersehbar, will man gerne dranbleiben und wissen, WIE DIE das hier vergnüglich vorantreiben und schließlich lösen.

Daß diese Vergnügungs-Chose aber dann TATSÄCHLICH zum ulkigen Laufen kommt, liegt natürlich zuallererst an den phantastischen Akteuren. Die heute 45jährige SANDRA BULLOCK hatte man eigentlich nicht mehr so recht „auf der Rechnung“. Nach hervorragenden Anfangsfilmen wie „Speed“ (1994/mit Keanu Reeves) und „Während du schliefst“ (1995) lief sie noch als „Miss Undercover“ im Jahr 2000 nett auf, bevor es dann ziemlich „ruhig“ um sie wurde. Hier nun erweist/zeigt sie sich als erstklassige Komödiantin, die angenehm selbstironisch und dabei körpersprachlich exzellent die pointierten Spaß-Funken fliegen läßt. WUNDERBAR. Dabei an ihrer guten wie ebenso gutaussehenden Stichwortseite: Der 32jährige Kanadier RYAN REYNOLDS (seit 2008 mit Scarlett Johansson verlobt), neulich beim neuen „X-Men Origins: Wolverine“-Abenteuer mitmischend. Beide spielen sich die tückisch-doppelbödigen Stimmungsbälle schön-pikig zu, bewegen sich dabei überhaupt nicht ungelenk, albern oder glatt-übertrieben, sondern angenehm durchtrieben, locker, witzig, charmant bis heftig-deftig-amüsant. Entstauben dabei die bekannten Situationskomik-Muster und füllen sie lebendig und neu-stimmig mit prickelndem Emotionspulver. Es bereitet viel Spaß, ihnen zuzusehen, zuzuhören. Während „die Anderen“ sich offensichtlich DAVON haben anstecken lassen: Allen voran die TV-Ikone BETTY WHITE, eine der „Golden Girls“, als kecke, resolute Oma (mit „Fruchtbarkeitsdecke“ im Schlepptau). „Oscar“-Preisträgerin MARY STEENBURGEN („Melvin und Howard“), der Fast 2 Meter-Typ CRAIG T. NELSON („Die Familie Stone – Verloben verboten!“/2005) sowie Oscar Nunez als unerotischster Stripper der Filmgeschichte und DENIS O´HARE („Michael Clayton“) als Paragraphenquäler von der Behördenfront, sie alle mischen in diesem komischen Romantik-Trubel pfiffig mit.
„Selbst ist die Braut“, ein toller Sommerfilm-Kinospaß (= 4 PÖNIs).