SEELENVÖGEL

SEELENVÖGEL“ von Thomas Riedelsheimer (D 2005-2009; 91 Minuten; Start D: 05.11.2009); der heute 46jährige hat an der Hochschule für Film und Fernsehen in München studiert, ist seit 1986 als Filmemacher, Kameramann und Cutter im In- und Ausland tätig. Zu seinen bekanntesten Dokumentarfilmen zählen „Rivers and Tides“ (2001/“Deutscher Filmpreis“ für „Bester Dokumentarfilm“ + „Beste Kamera“) und „Touch the Sound“ (2004/„Deutscher Filmpreis“ für „Beste Tongestaltung“).

Der Untertitel seines neuen Dokumentarfilms weist den thematischen Weg: „DER WICHTIGSTE MOMENT IST IMMER DER AUGENBLICK“. Das jedenfalls gilt für die 15jährige PAULINE, den 10jährigen RICHARD und den 6jährigen LENNI. Denn sie sind an Leukämie erkrankt und müssen sich mit dem Sterben, mit dem Tod auseinandersetzen. Über einen Zeitraum von fast drei Jahren hat Thomas Riedelsheimer die Kinder und ihre Familien begleitet. Ist mit ihnen durch Höhen und Tiefen, durch Zweifel und Hoffnung gegangen. Pauline möchte Schauspielerin werden und schreibt Gedichte („Heute bin ich zu meiner Seele gegangen“). Richard ist passionierter Fußball- und Schachspieler und weiß alles über seine Krankheit. Der kleine Lenni füllt mit seinem Propper-Charme den ganzen Raum, während seine Werte einen erstaunlichen Verlauf nehmen, seit er mitbekommen hat, daß seine Mama wieder ein Kind erwartet. Und „das“ will er offensichtlich unbedingt noch erleben.

Mit seinem neuen Dokumentarwerk „Seelenvögel“ gelingt Thomas Riedelsheimer etwas ganz Besonderes: Die behutsame filmische wie persönliche Annäherung an eine „nicht zu akzeptierende Situation“, in der nicht die Krankheit im Mittelpunkt „der Recherche“ steht, sondern die Suche nach der Kraft und Energie des Da-Seins. Des Lebens. Dabei ist ein zutiefst humaner, berührender, bewegender, mitunter poetischer und sehr „naher“ und dennoch völlig unaufdringlicher Menschen-Film entstanden. Als eine Art „Geschenk“ zum Mit-Fühlen und Mit- bzw. Nach-Denken.

Am vergangenen Wochenende wurde „Seelenvögel“ auf dem Biberacher Filmfest mit dem Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet. Die Jury-Begründung trifft den Kern dieses wunderbaren Films.
„In diesem Film wird von der größten Bedrohung erzählt, die einer Familie widerfahren kann: Dem Verlust eines Kindes. Trotz der beständigen Präsenz des Todes ist dies ein Film über die Schönheit des Augenblicks und die Kraft der Hoffnung; ein Plädoyer fürs Leben. Er nimmt Teil an intimen familiären Momenten, ohne dabei je zum Voyeur zu werden. Hier gelingt dem Regisseur die schwierig zu bewahrende Balance zwischen Nähe und Distanz. Der Film berührt, wird aber nie zum Rührstück. Mit Würde und Respekt hat sich Thomas Riedelsheimer den Familien genähert und dabei eine große Vertrautheit mit ihnen entwickelt. Ihm gelingen unvergeßliche Bilder voller Kraft und Poesie, denen sich der Zuschauer nicht entziehen kann“. (=4 Pönis)