Sandmännchen-Abenteuer im Traumland Kritik

DAS SANDMÄNNCHEN – ABENTEUER IM TRAUMLAND“ von Sinem Sakaoglu, Jesper Moller und Helmut Fischer/Realfilm (D/Fr 2009/2010; 83 Minuten; Start D: 30.09.2010); eine türkische Animationsfilmemacherin, ein dänischer Animationsfilmer + ein deutscher Filmemacher haben mit einem Team von über 300 Mitarbeitern an diesem „auch handgemachten“ (Stop-Motion-)Puppen-Menschen-Animations-Kinderfilm um einen Figuren-Klassiker aus dem Fernsehen gewerkelt. 7,1 Millionen EURO betrug dabei das Budget, um den allerersten SANDMÄNNCHEN-Kinofilm herzustellen. Vor über 50 Jahren begann der abendliche TV-„Wettbewerb“ zwischen dem Sandmann-Ost und dem Sandmann-West. Der Sieger heißt: Sandmann-OST. Nach der Wiedervereinigung gibt es allein VON IHM die täglichen Gute-Nacht-Short-Stories in ganz Deutschland. Und: Seit 1999 ist neben der reinen Puppentrick-Arbeit auch die digitale Animation technisch hinzugekommen. Wie hier auch, bei seinem 1. Leinwand-Auftritt.

In dem geht es um den bösen Wirbelsturm Habumar, der im Traumland den guten Sand geklaut hat, um ihn in einen Alptraumsand zu verwandeln, damit die Kinder Alpträume kriegen. Hilfe soll ein etwas einfach strukturiertes, sich selbst ständig überschätzendes Chaos-Schlafschaf namens Nepomuk bringen. Doch das bringt anstatt eines furchtlosen Kapitäns aus dem Menschenland dessen ängstlichen 6jährigen Enkel Miko ins Traumland. Nun soll ausgerechnet DER mithelfen, die Sand-Katastrophe zu verhindern.

Oh je, was für ein filmischer Krimskrams-Langweiler! „Thema verfehlt“, würde unter einem „solchen Aufsatz“ in der Schule stehen, in dem die Nebenfiguren wichtiger sind als der Titelheld. Sowohl der kleine, arg dümmliche Naiv-Junge wie auch der Bösewicht haben hier viel mehr Auftritte als der doch eigentliche Star, das SANDMÄNNCHEN. Doch mehr als Süßholzraspeln (von VOLKER LECHTENBRINK) haben die Macher aus dem Figuren-Klassiker nicht herausgeholt. Ein Winke-Winke-Kerlchen, wie gehabt. Wie im Fernsehen. Die Handlung wird nicht gezeigt, sondern erklärt. Die Real-Szenen um den grantigen Papa und seinem verängstigten Sohn wirkt „dünn“ und fade. Die emotionale Zuneigung, die kreative Phantasie, der Spaß, die Spannung, die schöne visuelle Show…sucht man hier vergebens. Zäh zieht sich „der Spaß“ langweilig hin; Kraft, Charme und Atmosphäre welken vor sich hin.

Zudem: Der Ton ist schrecklich, ganz hohl und unterschiedlich laut und leise, manchmal nicht zu verstehen. Tonmischung und Sprachmixer haben katastrophale Arbeit geleistet. Natürlich, das Schaf Nepomuk, das so ein bißchen an den Shrek-Esel erinnert, sorgt hin und wieder für einen kleinen Gag-Schmunzler, ansonsten aber ist dieses Sandmann-Kinodebüt plump, platt und tüttlig. Während ANKE ENGELKE auf dem Abspann das Liedchen „Dein Traum ist wahr“ trällert.
SO ETWAS Unterhaltungs-Lahmes haben Kino-Kinder von heute (und ihre erwachsenen Begleiter) einfach nicht verdient (= 2 PÖNIs).