THE PURGE: ANARCHY

THE PURGE: ANARCHY“ von James DeMonaco (B + R; USA 2014; K: Jacques Jouffret; M: Nathan Whitehead; 103 Minuten; Start D: 31.07.2014); das mit einem vergleichsweisen Mini-Budget von drei Millionen Dollar hergestellte Original – „The Purge – Die Säuberung“ – war im vorigen Kino-Sommer d i e Sensation. Spielte im Jahr 2022 und zielte auf schlimme fiktive gesellschaftliche Auswüchse in den „wieder auferstandenen“ USA. Motto: Einmal in jedem Jahr ist dort für eine Nacht die totale Rechtlosigkeit geduldet.

In diesen 12 Stunden darf der amerikanische Bürger „machen“, was er will. Plündern, morden, ganz wie er es mag. Durch diesen Erlass hat die Regierung, auch „Die Erneuerer“ genannt, es geschafft, Gewalt und soziale Unruhen im „Rest des Jahres“ auf ein Minimum zu beschränken. Seitdem sind Vollbeschäftigung, 1% Arbeitslosigkeit und eine Armutsrate unter 5 Prozent die gern gesehene gesellschaftliche Folge. Dass sich in dieser alljährlichen März-Nacht vor allem Arme, Schwarze und alte Menschen unter den Opfern befinden, wird billigend in Kauf genommen. Ist wahrscheinlich sogar gewollt. Um das große Land wieder stabil „in Form“ zu bringen. Amtlicher Horror als humaner Wahnsinn.

Ein Jahr danach. 2023. Wieder naht diese „spezielle“ Nacht. Die Bestie Mensch kratzt wieder gierig in den Startlöchern. Der perverse Wahnsinn geht in die Schleife. Inzwischen auch schon „kapitalistisch“ angenommen: So verkauft sich ein alter Mann für 100.000 Dollar an eine reiche Sippe, damit die ihn legal wie „lustvoll“ massakrieren können. Das „Honorar“ bekommen Tochter und Enkelin. Spielte die erste Story sich hauptsächlich innerhalb eines doch eigentlich geschützten Haus-Raumes ab, sind wir jetzt „draußen“. Auf den Straßen. In Downtown Los Angeles. Wo „DIE am Rande“ hausen. Vor allem Farbige. Eingewanderte. Hispanics. Wo der Mob tobt. Und sich die Wege von fünf Menschen kreuzen, die zumeist versehentlich dort strandeten. Und nun bemüht sind, irgendwie während der nächsten Dunkel-Stunden zu überleben.

Als Anführer entpuppt sich ein Einzelgänger, Sergeant Leo Barnes von der Polizei. Er ist auf der Straße, um Rache an d e m Mann auszuüben, der vor einiger Zeit alkoholisiert seinen Sohn mit dem Auto überfahren und getötet hat. Jetzt ist die Zeit gekommen, um ungestraft als Richter und Henker aufzutreten. Leo (FRANK GRILLO) will natürlich alleine bleiben, aber dann tauchen „die Anderen“ auf. Die um ihr Leben fürchten. Ihn um Hilfe und Schutz anflehen. Gemeinsam sehen sie sich von den „normalen Schlächtern“ attackiert, also von Freizeit-Psychopathen und terroristischen Gerne-Scharfschützen. Denen Töten wüstes Vergnügen bereitet. Dann aber tauchen auch maskierte Legionäre auf, die nicht „einzuordnen“ sind. Zugleich bekommt es die kleine „Zivil“-Gruppe schließlich auch mit den hemmungslosen Attacken einer anonymen Söldnertruppe zu tun. Die nach Menschen sucht, um diese dann zu einem Theater zu transportieren, wo eine skrupellose Geld-Oberschicht auf spielerisches Menschen-Wett-„Futter“ für diese Alles-Gestattet-Nacht wartet. Auch die Fünf landen schließlich dort.

Was für irre Gedanken. Was für teuflische Action. Was für eine grausame Fiktion. Mit auch wieder denselben schrecklichen Gedanken: Was wäre eigentlich, wenn…DAS HIER…irgendwann einmal…vielleicht sogar überschaubar bald….Wirklichkeit werden könnte. Würde. Verrückt, ich weiß. Aber Hollywood war gegenüber den „Möglichkeiten“ bisweilen nur ein Jahrzehnt voraus. Und warum sollten die kapitalistischen Auswüchse wie die hemmungslose Weiter-Gier der Ober-Banker und Spekulanten nicht auch eines schlimmen Tages dazu führen, dass…; nein, Quatsch. Oder? Ach Blödsinn. Oder?: Eventuell doch nicht?

Das zweite „Purge“-, also „Säuberungs-Movie zehrt erneut an den Nerven. Allerdings weniger mit seinem erzählerischen Fleisch, da geht es bekannt rüde und „ruppig“ in Sachen Ballereien zu. Und auch das Personal-hier (aus der zweiten Darsteller-Reihe Hollywoods) ist kaum Anlass für übergroße Neugier, denn da wurden die üblichen Typen-Verdächtigen ziemlich lieblos-klischeehaft zusammengepackt: Ein desillusionierter Cowboy in der amoralischen Großstadt; allzu naiv an das Doch-Gute glaubende Mutter & Tochter; das weiße unschlüssig-nette Pärchen aus der Mittelschicht. Doch sie sind im Grunde sowieso nur Bedienungsakteure, die sich der stoischen Action unterzuordnen haben. Es geht halt laut wie heftig-deftig zu. Pikt aber dennoch an der oberen Spannungsgrenze, weil die räumlichen Ein- wie szenischen Überfälle aufregend funktionieren (zum Beispiel im Untergrund). Und weil eben IMMER dieser politische Bezug eine immense wie furchtbare Denk-Rolle spielt.

„The Purge 2“ kratzt als Tiefgang-Thriller wieder ganz schön am amerikanischen Lack (= 4 PÖNIs).