DER PREIS DER GEFÜHLE

DER PREIS DER GEFÜHLE“ von Leonard Nimoy (USA 1988; 103 Minuten; Start D: 18.05.1989).

In Amerika toben derzeit die Geschlechterkämpfe wie noch nie. Angesichts einer immer noch sehr puritanischen Gesinnung ist es für die Frau immer noch viel schwerer als für den Mann, für sich selbst ein eigenständiges, lustvolles Leben zu ermöglichen. Hollywood liefert dazu – wie üblich – viele Beispiele, von denen einige jetzt zu sehen sind. Immer wieder dabei das Grundthema: Die Frau als zu selbständiges Wesen, als Rabenmutter, in der öffentlichen Kritik. “Ein Schrei in der Dunkelheit“, “Ein Leben voller Leidenschaft“ und jetzt “Der Preis der Gefühle“, heißen die ersten Vorboten dieses aktuellen Gesellschaftsthemas und -spiels. Der Film ist die Verfilmung eines Romans von Sue Miller: “The Good Mother“, “Die gute Mutter“, jetzt auch hierzulande erschienen.

Eine Frau um die Vierzig ist geschieden und lebt mit ihrer kleinen, 6jährigen Tochter zusammen. Ihr Verhältnis zu ihrem Ex-Ehemann ist fast freundschaftlich, man hat sich arrangiert. Als sie einen neuen Mann kennen- und liebenlernt, beginnt das Dilemma. Eine Kleinigkeit. Die Tochter hat den Liebhaber einmal nackt gesehen, Fragen gestellt und ihn angefasst. Schließlich ist sie schon früh von ihrer Mutter aufgeklärt worden. Nichts dabei. Nichts dabei? Der Ex-Gatte rastet aus, als er von dieser ‚Schweinerei‘ hört. Es kommt zur gerichtlichen Auseinandersetzung. Der Mutter wird das Sorgerecht entzogen. Und um überhaupt hin und wieder ihre Tochter sehen zu dürfen, muss sie sogar ihre neue Beziehung lösen. Da sie kein Kämpfertyp ist, frisst Anna Dunlap die Sorgen, Nöte und seelischen Belastungen in sich rein. Am Ende zieht sie verhärmt und einsam die trübe Lebens-Bilanz.

“Der Preis der Gefühle“ ist ein zwiespältiger Film. Einerseits schildert er die völlig blödsinnigen Anfeindungen, der sich eine Frau ausgesetzt sieht, andererseits scheint die Wertung des Films nicht eindeutig auf ihrer Seite zu sein. Es hat manchmal den Anschein, als würden die vielen Qualen der Frau nicht ungern erzählt und vorgeführt werden. Als hätte das Thema sie als Sowieso-Verliererin vorgesehen. Wie gesagt, so klar und deutlich wird das alles nicht. Deshalb liegen die Qualitäten dieses Films auch mehr in der darstellerischen Kraft und Fähigkeit der Diane Keaton. Ihr zuzuhören, mit ihr mitzuleiden, macht betroffen und neugierig. Sie ist der Motor dieses ansonsten merkwürdig diffusen- Beziehungs- und Gesellschaftsfilms (= 2 ½ PÖNIs).