PÖNIS BLOG (353): „IN DIE SONNE SCHAUEN“; „WENN DER HERBST NAHT“; „DIE ROSENSCHLACHT“; „ENZO“; „MOON“; SHANIA TWAIN

1.)       LOB. LOB. LOB. Titel = „IN DIE SONNE SCHAUEN“ von MASCHA SCHILINSKI (Co-B + R; D 2023; Co-B: Louise Peter; K: Fabian Gamper; M: Michael Fiedler; Eike Hosenfeld; 149 Minuten; deutscher Kino-Start: 28.08.2025). Dieser Film ist für mich zwiespältig.

„Ein Film, den man nicht vergisst“, heißt es in der auf der Feuilleton-Seite  der „Süddeutschen Zeitung“  vom Mittwoch, 27. August 2025.  Dazu: „Oscar-Kandidat, Preis der Jury in Cannes: Kein deutscher Film in der vergangenen Jahren kommt mit mehr Vorabehrungen ins Kino als Mascha Schilinskis Drama ‚In die Sonne schauen‘. Ist der Hype gerechtfertigt?“ In der Kritik von Kathleen Hildebrand heißt es im dritten Absatz: „‚In die Sonne schauen'“ ist ein Kunstwerk, das weit aus der Menge dessen herausragt, was im Kino für gewöhnlich zu sehen ist, in Deutschland, in Europa und auch international. Mascha Schilinski hat ein sinnliches Mosaik aus Stimmen, Erinnerungen, Bildern geschaffen, um vier junge Frauen, die in den vergangenen 100 Jahre auf einem Vierseithof in der Altmark gelebt haben. Das hat eine gewaltige Sogwirkung und geht weit über den üblichen Historienfilm-Realismus hinaus. Ein Film, den man nicht mehr vergisst“ („Süddeutsche Zeitung“).

„Das Drama beschreibt mit diversen Zeitsprüngen einen assoziativen Erinnerungsstrom aus dem Leben von vier Mädchen über einen Zeitraum von circa 100 Jahren (vom Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart) auf einem altmärkischen Bauernhof. Im Laufe der Handlung verschwimmen die Grenzen zwischen den Figuren. Die Hauptrollen übernahmen Hanns Heckt, Lea Drinda, Lena Urzendowsky und Laeni Geiseler. Die Uraufführung des Werks fand im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Cannes im Mai 2025 statt, wo es mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde. Monate später wurde ‚In die Sonne schauen‘ als deutscher Vorschlag für die Kategorie Bester Internationaler Film der Oscarverleihung ausgewählt. Der Film folgt keiner klassischen narrativen Struktur, sondern präsentiert sich als formales, filmisches Mosaik“ (WIKIPEDIA).

‚“IN DIE SONNE SCHAUEN'“ erzählt aus den vergangenen 100 Jahren deutscher Geschichte und verortet in ihr das Leben von vier Mädchen und Frauen. Ihre Schicksale, die in völlig verschiedenen Epochen angesiedelt sind, scheinen auf rätselhafte Weise miteinander verwoben. Regisseurin Mascha Schilinski inszeniert radikal atmosphärische Filmkunst und erschafft einen Imaginationsraum der Geschichte, der im deutschen Kino seinesgleichen sucht“ (PRESSEMITTEILUNG).

„Mit dem 149 Minuten langen, vielfach verschlungenen Film wird man nicht so leicht fertig, da die vier oder fünf Erzählebenen mitunter fast unmerklich ineinander übergehen, obwohl sie ein ganzes Jahrhundert umfassen. …   Obwohl die wichtigsten Figuren aus dem Off das Geschehen kommentieren, ist es ein Film ohne viele Worte; nicht nur seine erzählerische Struktur, sondern auch mancher der Zusammenhänge geben zumindest beim ersten Sehen gelegentlich Rätsel auf. Das aber macht den großen Reiz und die Singularität dieses magischen Films aus. …   Einen großen, epochalen Film hat Mascha Schilinski geschaffen, eine Grand Tour in die feinsten Verzweigungen der Gefühlselten dieser vier Frauen. ‚In die Sonne schauen‘ zielt dabei auch auf unsere Gegenwart und unser sich akut veränderndes Erleben von Geschichte und dem Epochenwandel. Ein Film, der sich tief in unsere Wahrnehmung bohrt und die Sensation dort inszeniert, wo das Empfinden am Flüchtigsten ist: im schnell verblassenden Gefühl von Zeit“ (PRESSEMITTEILUNG). 

„Ein abgeschiedener Vierseitenhof im Norden von Sachsen-Anhalt wird von den 1910er- bis zu den 2020er-Jahren immer wieder zum Ort, an dem Mädchen ihre Kindheit und Jugend erleben. Familiär lose verbunden, aber ohne Wissen um die Vorgängerinnen, sind vier Biografien und Schicksale durch zahlreiche gemeinsame Berührungspunkte miteinander verwoben. In scheinbar alltäglichen, geradezu rhapsodischen Momentaufnahmen und Impressionen bringt das virtuos montierte Drama die Zeitebenen in einen filmischen Dialog. Ästhetisch und narrativ meisterlich durchkomponiert, ist der Film von hoher Empathie für die subjektive Wahrnehmung der Hauptfiguren geprägt und entfaltet in seiner bestechenden assoziativen Form außerordentliche Anziehungskraft“ (FILMDIENST).

Es gilt zu schauen. Nach dem Überall-LOB. In die Diskussionen zu steigen. Es macht Sinn (= zwischen 3 und 5 PÖNIs).

2.)       FRANKREICH WEIß ZU GEFALLEN. Titel = „WENN DER HERBST NAHT“ von Francois Ozon (Co-B + R + Produktion; Fr 2023; Co-B: Philippe Piazzo; K: Jérome Alméras; M: Evgueni Galperine; Sacha Galperini; 102 Minuten; deutscher Kino-Start: 28.08.2025). ER ist mit jedem seiner Filmwerke „interessant“. Zuvorletzt zum Beispiel konnte FRANCOIS OZON mit seiner charmant-kessen Komödie mit Krimi-Geschmack „MEIN FABELHAFTES VERBRECHEN“ („Mon Crime“) auch hierzulande feurig zu punkten (s. KINO-Kritik/2023/4 PÖNIs). Wie jetzt auch. Wo Michelle (HÉLÈNE VINCENT) ihren Ruhestand in einem idyllischen Dorf im Burgund verbringt, ganz in der Nähe ihrer besten, jahrzehntelangen Freundin Marie-Claude (JOSIANE BALASKO). Als Michelles Tochter Valérie vorbeikommt, gibt es wie immer Zoff. Von wegen: Streitkultur. Und dann behauptet die zänkische Tochter auch, dass sie von Mama versehentlich gerade mit giftigen Pilzen „gefüttert“ wurde. Das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen den Frauen eskaliert. Valérie (LUDIVINE SAGNIER) unterstellt ihrer Mutter Mordabsichten und untersagt ihr jeglichen Kontakt zu ihrem geliebten Enkel Lucas. Michelle stürzt in eine tiefe Depression. Doch dann wird Marie-Claudes Sohn aus dem Gefängnis entlassen und ist bereit, der besten Freundin seiner Mutter zu helfen. Zum Beispiel in deren großem Gemüsegarten.

Dinge passieren normal. Amtliches Misstrauen ebenso. Kompliziert? Nein. Wie stets entwickelt der listige, gescheite Ozon eine scheinbar „nebensächliche“ Geschichte, deren reizvolle Nebenstränge sich – anscheinend sanft – verfangen. Und möglicherweise doch anders gestrickt sind als gedacht. Francois Ozon unterstreicht einmal mehr seine dramaturgische Brillanz und überrascht und verblüfft mit einem visuell pikanten Psychospiel voller cleverer Twists.

Gute Unterhaltung, in denen sich die bestens positionierenden Darstellerinnen atmosphärisch-doppelbödig bewegen (= 4 PÖNIs).

3.)       VARIATIONEN IN EHE & Co. Titel = „DIE ROSENSCHLACHT“ von JAY ROACH (Produktion + R; USA 2024; B: Tony McNamara; nach dem gleichn. Roman von Warren Adler; K: Florian Hoffmeister; M: Theodore Shapiro; 105 Minuten; deutscher Kino-Start: 28.08.2025). Zur Erinnerung an den 22. Februar 1990, als der Ami-Humor mit „Der Rosenkrieg“ ziemlichen Dampf veranstaltete (s. KINO-KRITIK /4 PÖNIs). Von und mit DANNY DeVITO (als Regisseur und Darsteller) sowie mit MICHAEL DOUGLAS und KATHLEEN TURNER als Aushängeschilder-Paar. Das sich köstlich bekriegte. Mit ganz bitterem Beigeschmack.

Der heutige Streich „DIE ROSENSCHLACHT“ ist ein Remake des Altstoffes, mit nunmehr neuem Komik-Zunder. Und auch hier gewinnen, „siegen“ die beiden Hauptakteure : „Oscar“-Preisträgerin OLIVIA COLMAN  („The Favourite – Intrigen und Irrsinn“/2019) und der ewige „Sherlock“ BENEDICT CUMBERBATCH ( = Ahnenforscher fanden heraus, dass Cumberbatch ein Cousin 16. Grades von Arthur Conan Doyle ist, dem Schöpfer von Sherlock Holmes = ). Ihr „komisches“, also süffisantes Spiel reizt köstlich. ER, Theo leitet hauptsächlich das erfolgreiche Leben der Familie als Spitzenarchitekt; SIE ist eine exzellente Köchin und kümmert sich rührend um die zwei sonnigen Kinder. Damit ist das private System, das sich jetzt in den USA bewegt, in ständigem Schwung. Doch hinter der Fassade dieses perfektes Da-Seins braut sich ein gigantischer Wums zusammen. Motto: Man vermag noch so spitzenmäßig viel ackern, wenn sich dennoch ein gigantischer Sturm zusammenbraut, denn dann ist – wie wir Berliner sagen – die Kacke am riesigen Dampfen. Theos Karriere erleidet einen empfindlichen Knick, währenddessen die parallele Arbeit seine Gattin als nunmehr begeisterte Restaurant-Betreiberin abhebt. Und wie! Also – entzündet sich mehr und mehr ein explosives Feuerwerk aus gegenseitiger harter Konkurrenz und versteckten Ressentiments.

„Wie war Dein Tag?“   „Der Nachbarshund hat auf die Wäsche gekackt, die Kinder haben wieder Läuse und mein  linkes Auge zuckt“.   „Mehr Champagner für mich, bitte!“

Amüsant-boshaft! (= 4 PÖNIs).

4.)       DER MENSCHLICHE HUND. Titel = „ENZO UND DIE WUNDERSAME WELT DER MENSCHEN“ von Simon Curtis (USA 2018; B: Mark Bomback; nach dem Roman „Enzo. Die Kunst, ein Mensch zu sein“ von Garth Stein/2008; K: Ross Emery; M: Dustin O’Halloran; Volker Bertelmann; deutscher Kino-Start: 03.10.2019; NETFLIX-Heimkino-Start: August 2025). „Es muss schwierig sein, ein Mensch zu sein“, spricht Hund ENZO zu UNS-hin. Zuschauenden. Und auch DAS: Der moralische Hauptakteur ENZO besitzt im Original die Stimme von KEVIN COSTNER; und der deutsche Sprecher ist FRANK GLAUBRECHT, die ständige deutsche Stimme von Kevin Costner.

Der wunderschöne Golden Retriever ENZO des Rennfahrers Denny Swift (MILO VENTIMIGLIA) liegt in Seattle im Sterben und rekapituliert sein Leben. Enzo glaubt an eine alte mongolische Legende, nach der ein Hund im nächsten Leben als Mensch wiedergeboren wird, wenn er dazu bereit ist. Der Hund erzählt, wie er als Welpe von Denny Swift aufgenommen wurde. der anschließend seine Karriere als Rennfahrer verfolgte und ein Jahr darauf Eve (AMANDA SEYFRIED) kennenlernt. Und dann heiratet. Die weitere Geschichte handelt von „Dingen“ und „Leben“. Und von einem bezaubernden Hund, der dies „lenkt“. Mit vielen Auf und Abs. Wer Hunde mag, sollte diesen – jetzt wieder aufgelegten – Heimkino Klassiker, zusammen mit seinem Wohnzimmer-Hund, einschalten („Aber ich bin ein Hund“= 4 Empathie-PÖNIs).

5.)      TIERISCH. Titel = „MOON, DER PANDA“ von GILLES de MAISTRE“ (Fr/Belgien 2024; B: Prune de Maistre; K: Marie Spencer; M: Armand Amar; 100 Minuten; deutscher Heimkino-WELTKINO-Start: 29.08.2025). Der französische Regisseur GILLES de MAISTRE hat sich in den letzten Jahren auf Spielfilme spezialisiert, die von engen Bindungen zwischen Tieren und Kindern handeln. In „MIA UND DER WEIßE LÖWE“ (s. KINO-Kritik/2019/4 PÖNIS)  und  in „DER WOLF UND DER LÖWE“ (s. KINO-Kritik/2022/3 1/2 PÖNIs)  drehte er mit echten Tieren und verzichtete auf digitale Spezialeffekte.

Tian spielt lieber auf seiner Konsole, als für die Schule zu lernen. Deshalb schickt ihn sein strenger Vater zusammen mit der jüngeren Schwester zur Großmutter in die Berge von Sichuan, nicht ahnend, dass die majestätischen Berge Sichuans eine noch viel größere Ablenkung für den (einsamen) Jungen bereithalten. Als Tian auf seinen Streifzügen durch die dichten Bambuswälder ein Panda-Baby entdeckt, das er Moon nennt und das von seiner Mutter alleingelassen wurde, ist dies nicht nur der Beginn einer außergewöhnlichen Freundschaft, sondern auch der Beginn eines sagenhaften Wald-Abenteuers.

Fazit: Tian, 12 Jahre (NOE LIU), schließt bei einem Besuch seiner Großmutter in den Bergen von Sichuan heimliche Freundschaft mit einem kleinen Pandabären. Den er Moon nennt. Seine Entdeckung hält er geheim. Der abenteuerliche Kinder- und Familienfilm ist weitgehend aus Sicht des Kindes erzählt und tritt für eine friedliche Koexistenz zwischen Mensch und Tier sowie für den familiären Zusammenhalt ein. Die Naturaufnahmen imponieren. Ein junger Panda als „Hauptdarsteller“ erstaunt.  (= 3 PÖNIs).

6.)        MUSIK:  Mein Lieblingstitel in dieser Woche ist ein Song-Hit der kanadischen Country-Sängerin SHANIA TWAIN und heißt  „FOREVER AND FOR ALWAYS“ . Es wurde am 7. April 2003 als vierte Single aus ihrem vierten Studioalbum Up! (2002) veröffentlicht:

Wünsche allseits ein gutes Gelingen in dieser Woche.

Es grüßt :     PÖNI Pönack

kontakt@poenack.de

 

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