PICKNICK MIT BÄREN

PICKNICK MIT BÄREN“ von Ken Kwapis (USA 2014; B: Rick Kerb, Bill Holderman; nach der Reisereportage „A Walk in the Woods“ von Bill Bryson/1998, deutsch = „Picknick mit Bären“/1999; K: John Bailey; M: Nathan Larson; 104 Minuten; Start D: 15.10.2015); es ist der längste Fußweg der Welt, der „Appalachian Trail“, 3.500 Kilometer lang, der durch vierzehn Bundesstaaten der USA führt. Und genau DEN möchte der sich in den Ruhestand begebene Reiseschriftsteller Bill Bryson (ROBERT REDFORD) durchwandern. Was Ehefrau Cathy (EMMA THOMPSON) natürlich für Irrsinn hält. Aber was der im Rentner-Alltag sich langweilende Unruheständler einmal in den Kopf gesetzt hat, das führt er natürlich auch konsequent durch. Also wird geplant und vorbereitet. Allerdings – ein geeigneter Wander-Partner will sich partout nicht finden. Schließlich meldet sich Stephen Katz (NICK NOLTE), ein ehemaliger und inzwischen längst entfremdeter Schulfreund und Ex-Alkoholiker, der aber – von wegen Übergewicht – erhebliche Kilos mehr und vor allem Null-Kondition mitbringt. Dennoch begeben sich die beiden Grummelköppe auf die Tour.

Ich habe den Film im Original erlebt, mit deutschen Untertiteln. Und so wie der gute alte NICK NOLTE („Dreckige Hunde“/1978; „Nur 48 Stunden“/1982; „Zoff in Beverly Hills“/1986; „Herr der Gezeiten“/1991; „Kap der Angst“/1991; „Freeze – Alptraum Nachtwache“/1997; „Gangster Squad“/2013), Ex-Alki und inzwischen 74, hier grummelt – so dass man ihm jede Minute einen Halsbonbon und das Sauerstoffgerät zustecken möchte -, das ist verbal tiefen-irre. In der Synchronisation niemals „so“ sprachgerecht wiederzugeben. Während ROBERT REDFORD, auch schon gutaussehende 78, laufsicher voran trottet. Und nicht nur stimmlich „besser“ drauf ist als sein korpulenter Mit-Lauf-Partner.

Was passiert?: wenig, dies aber HERZlich. Im Vergleich „zu sonst“. Im Kino. Und dennoch viel Quasi-Nebenbei-Amüsantes. Stichworte: Wenn dich eifrige Kids überholen, das mit dem Zelte-Aufbauen, sagen wir mal, nicht so klappt, ein eifersüchtiger Ehemann dem geilen Stephen eins überbraten möchte, Bären tatsächlich kurz auftauchen, das Wetter „verrückt“ spielt, ein Felsvorsprung zur Falle wird und man ein unterwegs auftauchendes schwätzerisches weibliches Mitgeh-Anhängsel loswerden muss, währenddessen man sich zugleich lakonisch-kauzig über Gott und die Welt austauscht. Lauter Moment-Wichtigkeiten.

Zwei Oldies auf der ironischen Bilanz-Wanderung ihres Lebens. Ganz einfach, fein simpel und mit viel süffisantem, zum Lächeln reizendem Humor-Geschmack. „Picknick mit Bären“ gewinnt allerdings auch durch eine liebevolle Neben-Figur, deren Auftritt – wie stets – Glanz verbreitet: Die Britin EMMA THOMPSON als Brysons Ehefrau Cathy ist ein Luxus, den man sich gönnen sollte. Wie jeden ihrer Auftritte.

Hat’s mir gefallen?: Ja (= 3 PÖNIs).