Palermo Shooting

PALERMO SHOOTING“ von Wim Wenders (Co-B+R; D 2007; 124 Minuten; Start D: 20.11.2008);
er ist 63 und hat filmisch seine beste Zeit längst hinter sich, der ehemalige Filmkritiker Wim Wenders, dessen vorübergehender Berufswunsch mal Priester war, der sich dann u.a. mit Aquarellenmalerei befaßte, um schließlich 1967 mit dem Studium an der gerade gegründeten Hochschule für Fernsehen und Film in München anzufangen. Der Mit-Begünder des „Filmverlags der Autoren“ hatte seine filmische Hoch-Zeit in den 70er und 80er Jahren mit cineastischen Werken wie „Falsche Bewegung“ (1975/“Filmband in Gold“); „Im Lauf der Zeit“ (1976); „Der amerikanische Freund“ (1977/“Filmband in Gold“); „Der Stand der Dinge“ (1982/“Goldener Regie-Löwe“/Venedig); „Paris, Texas“ (1984/“Goldene Palme“ von Cannes); „Der Himmel über Berlin“ (1987/Cannes = „Beste Regie“/Europäischer Filmpreis). Nach „In weiter Ferne, so nah!“ von 1993 („Großer Jury-Preis“/Cannes) entstanden u.a. der Dokumentarfilm „Buena Vista Social Club“ und die wenig inspirierenden Spielfilme „Lisbon Story“; „Am Ende der Gewalt“; „The Million Dollar Hotel“.

Mit seinem neuesten 124 Minuten-Streifen, dem Abschlußfilm der diesjährigen Filmfestspiele von Cannes, zeigt sich Wenders einmal mehr ausgelaugt, jammervoll, triefend-traurig. „Palermo Shooting“ ist eine Art Toten-Hymne über die Schönheit des Sterbens. Eine Art November-Film: melancholisch, seelen-dunkel, triest. Sozusagen: Suizid-Zelluloid. FINN ist ein erfolgreicher Düsseldorfer Mode-Fotograf. Der führt ein unruhiges, hektisches Handy-Leben, das ihn kaum noch befriedigt. Nach einem Beinahe-Unfall mit möglichen schlimmen Folgen kommt die Läuterung. Ein letztes Mode-Shooting noch im sizilianischen Palermo. Er bleibt danach dort, wird von einem Unbekannten verfolgt, der mit Pfeilen auf ihn schießt, lernt eine freundliche Restauratorin kennen (nett: GIOVANNA MEZZOGIORNO) und begegnet schließlich dem Herrn Tod (DENNIS HOPPER als Gevatter Tod verschafft sich am Ende etwas verbal-spannende Neugier/Anteilnahme/Aufmerksamkeit)), der sich als netter Kumpel erweist, mit ihm ausführlich palavert, wie es doch sei mit dem Sterben (nämlich gar nicht so schlimm), und um ihn dann zu überreden, doch besser mitzukommen. Ah ja. Eine Art Reflexion über Schein und Sein, über die „richtigen Lebens-Werte“; mit vielen Erklärungen aus dem Off und mit überhaupt übermäßig vielem Gerede, über den Tod bzw. das Sterben als „netter Abschied“; von wg. Ist ja alles gar nicht so schlimm.

Wenders zelebriert pseudo-philosophische Banalitäten um die letzten Fragen und Stunden; gemixt mit seinem Lieblings-Sound(track), von Nick Cave über Lou Reed, der auch kurz mitspielt und dabei sich selbst darstellt, und Velvet Underground; lauter stimmungsvolle Abschiedstöne; es trieft vor atmosphärisch-rumpelnder Depression und Trauerarbeit. CAMPINO alias Andreas Frege, der 46jährige Frontmann der Düsseldorfer Band „Die Toten Hosen“, spielt Finn, überzeugt aber nicht als Schauspieler, vermag die Leinwand weder sprachlich noch in der (Seelen-)Bewegung spannend „zu füllen“. Standard-Posen wirken künstlich und konstruiert: Der neue Wim-Wenders-Film ist langsam, betulich, einschläfernd. Die spirituelle Sinn-Suche als penetrantes Kunstgewerbe; ach nöh (= 2 PÖNIs).