THE NOVEMBER MAN

Als fünfter James Bond hat er sich – zwischen 1994 („Golden Eye“) bis 2002 („Stirb an einem anderen Tag“) – viermal ausgetobt. Dann war Schluss mit OO7. Es, thematisch, und Er, als Typ, wurden Film-ruhiger. Zuletzt flirtete und gaunerte er mit Emma Thompson in „Wie in alten Zeiten“ (s. Kino-KRITIK) und war als attraktiver Möchtegern-Selbstmörder in „A Long Way Down“ (s. Kino-KRITIK) dabei. Außerdem ist seit Ende Januar 2015 der Gefühlsfilm „“The Greatest – Die große Liebe stirbt nie“ von 2009 wieder auf dem Heimkino-Markt, der bereits im November 2010 unter dem Titel „Zeit der Trauer“ bei uns veröffentlicht wurde. Dort spielt der Ire PIERCE BROSNAN einen Mathematik-Professor, der, gemeinsam mit seiner Ehefrau (Susan Sarandon), am Tod des geliebten Sohns leidet.

Nun aber ist der am 16. Mai 1953 geborene Produzent und Schauspieler wieder zu einer Agentengeschichte und Agenten-Rolle zurückgekehrt. Dass sein neuer „harter“ Film hierzulande „nur“ und gleich über das Heim-Kino startet, ist verständlich, denn für seinen aktuellen Streich empfehlen sich folgende „Begleiterscheinungen“: Im Sessel gemütlich machen, das Gehirn nicht allzu weit öffnen, begleitende Prozent-Getränke bereitstellen und einfach daran Vergnügen finden, dass mal wieder ganz konventionelles, mitunter läppisches, aber immer durchaus spannendes Bedienungskino nach bekannten Mustern und mit selbigen Figuren abläuft:

THE NOVEMBER MAN“ von Roger Donaldson (USA 2013/2014; Co-Produzent: Pierce Brosnan; B: Michael Finch + Karl Gajdsuek, nach dem Roman „There Are No Spies“ von Bill Granger/1987; K: Romain Lacourbas; M: Marco Beltrami; 108 Minuten; Heimkino-Veröffentlichung: 6.3.2015).

Der amerikanische Schriftsteller BILL GRANGER (1.6.1941 – 22.4.2012) war spezialisiert auf politische Thriller. 1979 erfand er den CIA-Agenten Peter Devereaux und setzte ihn mit der Reihe „The November-Man“, so der Titel des ersten Romans, hinein in das Kalte Kriegs-Szenario. Zwischen Ost und West. Beziehungsweise umgekehrt. Für den aktuellen Film plünderte man Motive von einigen Granger-Büchern, in der Hauptsache aber adaptierte und aktualisierte man den 7. Band: „There Are No Spies“ von 1987, auf Deutsch als „Der November Mann“ erschienen. Und jetzt unter dem englischen Titel als erster Devereaux-Film bei uns im Angebot. Ein zweiter ist bereits in Vorbereitung.

Der in Australien geborene und in Neuseeland aufgewachsene Regisseur-Oldie ROGER DONALDSON, Jahrgang 1945, hat sich mit unterhaltsamen Hits wie „Schlafende Hunde“ (1977/Debüt, mit Sam Neill; war der erste neuseeländische Film, der es ins US-Kino schaffte), „No Way Out“ – Es gibt kein Zurück“ (mit Kevin Costner), „Dante’s Peak“ (mit Pierce Brosnan), „Cocktail“ (mit Tom Cruise), „Thirteen Days“ (mit Kevin Costner), „Der Einsatz“ (mit Al Pacino + Colin Farrell), „Mit Herz und Hand“ (2005/mit Anthony Hopkins, meinem Lieblingsfilm von Roger Donaldson/s. Kino-KRITIK) sowie das viel im TV laufende britische Heist-Movie „Bank Job“ (2008/mit Jason Statham) einen hervorragende Namen als exzellenter Unterhaltungsfilmhersteller geschaffen. Mit dieser in Belgrad gedrehten und von Pierce Brosnan mitproduzierten Brosnan-Show hat er sich allerdings nicht sehr viel mehr als solide Routine-Mühe gegeben.

ER war als Spitzen-CIA-Agent von 1977 bis 2008 aktiv. Peter Devereaux. Hat sich ins schöne Schweizer Idyll Lausanne bürgerlich zurückgezogen, als ihn sein früherer Chef John Henley (der glatzköpfige BILL SMITROVICH) wieder „in den Ring“ zurückholt. Die Russen machen Scherereien, der wahrscheinliche kommende Präsident war offensichtlich früher eine gemeine (aggressive) Mist-Sau, eine wichtige Zeugin mit Beweisen soll aus Moskau herausgeholt und beschützt werden, bei der CIA gilt es einen Maulwurf zu entlarven, und zudem muss sich Peter in der Jagd-Folge nun auch mit seinem ehemaligen „Schüler“, David Mason (LUKE BRACEY), herumschlagen, der auf ihn angesetzt wird. Russische Killer, „falsch“ gepolte CIA-Kollegen und das übliche kriminelle Gesockse treten nun an. Und auf. Aber auch viele schnell wieder ab.

Denn Peter ist immer noch ein gewiefter Bursche mit den angemessenen Sprüchen: „Wenn du das Bedürfnis nach einer Beziehung hast, hol‘ Dir ´nen Hund“. WAU. „Er ist wahrscheinlich der beste Freund, den ich hatte“. Die attraktive Sozialarbeiterin Alice Fournier (Bond-Girl OLGA KURYLENKO aus „Ein Quantum Trost“/2008), das Good-Girl-hier an seiner Seite, erstaunt: „Versuchen alle ihre Freunde, sie zu töten?“ Er, lässig: „Letztlich schon“. Doll. Oder: „Fangen Sie nicht an, mir zu vertrauen, ich werde sie enttäuschen“. Klar doch. Oder: „Weglaufen ist besser als TOT-Sein“. Meine Güte. Wer hätte das gedacht. Aber auch für „Wer wird Millionär?“ gibt es passende Rätsel-Ratschläge: „Eine Kugel fliegt 1200 Meter in der Sekunde; viermal schneller als der Schall; die Wirkung bei diesem Tempo ist absolut: Man hört einfach auf zu existieren“. Aber so etwas auch.

Pierce-Peter ist präsent. Kommt fast ohne Schrammen davon. (Kann mich an blutige Handflächen kurz erinnern). Sieht immer prächtig aus. Und präsentiert sich – mit seiner baritonen deutschen Tief-Stimme FRANK GLAUBRECHT/mit seiner richtigen, höre ich im Bonus, „piepst“ er dagegen höher – schön lässig. Gibt einem als Sympathie-Hero ein vertrautes Zuschau-Gefühl. Ist ja sowieso alles klar: Die Fiesen sehen fies aus, benehmen sich und treten auch immer SO auf; der Gute ist gut. Und kann bestens besser schießen. Und (viel-e) treffen. In Pierce „Peter“ Brosnan steckt halt immer auch noch ein Stück vom alten Bond-Haudegen. Und coolen Perfektionisten.

Und dies wollte ich schließlich auch über dieses bunte Ironie-Massaker mit Oldie-Pausen zu sehen bekommen. Erleben. Abgeschaltet genießen. Als halt Samstag-Spät-Abend-U- wie Unterhaltungskino. Mit häuslichen Kino-Nerven auf Halbmast.

Übrigens, für UNS-BERLINER hat der Streifen so einige herbe SPITZEN übrig: Während es im Film gleich anfangs heißt: BERLIN? Nein danke!, erklärt Regisseur Roger Donaldson freimütig im Bonus-Interview, warum lieber Belgrad anstatt Berlin als Drehort ausgewählt wurde: „Die Action läuft heute woanders!“. Und: „BERLIN SCHIEN MIR BEREITS ETWAS ABGENUTZT“. „Hier“, also in Belgrad“, „ist man sehr filmfreundlich“. OOh – oh, die Botschaft höre ich gar nicht wohl…(und Potsdam-Babelsberg wohl auch nicht).  (= 2 PÖNIs).

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