MONSIEUR PIERRE GEHT ONLINE

„MONSIEUR PIERRE GEHT ONLINE“ von Stéphane Robelin (B + R; Fr/D/Belgien 2016; K: Priscila Guedes; M: Vladimir Cosma; 99 Minuten); bei der Berlinale war es früher wie heute: Die Wettbewerbsfilme waren/sind zumeist konsequent-ernsthafte, harte, kaum einmal lächelnde Problem-Werke. Dies war auch bei der Berlinale von 1973 so, die vom 22. Juni bis zum 3. Juli stattfand. Mit einer Ausnahme: Aus Frankreich lief ein Lustspiel , das prächtig unterhielt und schließlich mit einem „Silbernen Bären“ für den Regisseur und Co-Drehbuch-Autoren Yves Robert belohnt wurde: „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“. In der Hauptrolle dieser Agenten-Parodie: der damals 42jährige Komiker PIERRE RICHARD. Für den die Rolle des schussligen Geigers Francois Perrin der internationale Durchbruch bedeutete.

Heute ist Pierre Richard 82 Jahre jung und immer noch Augen-schmunzelnd aktiv. In „Un profil pour deux“, also „Ein Profil für Zwei“, mimt er einen grantelnden Opi-Witwer, mit grauen, strähnigen Haaren, der von seiner Tochter einen „Lehrer“ geschenkt bekommt, der ihn in die Online-Welt einführen soll. Damit ihr 79jähriger Vater etwas Ablenkung von seinem isolierten Alltag hat. Bekommt. Kaum hat der einsame Monsieur Pierre etwas „davon“ begriffen, stürzt er sich ins Online-Dating-Betätigungsfeld. Und kontaktet dort zünftig herum. Stößt auf „Flora 63“,  die über seine ebenso sensible wie charmant-romantische Präsentation erfreut ist und antwortet. Ein reger technischer Briefaustausch entsteht. Mit immer mehr „aufwallenden“ Worten. Auf beiden Partner-Seiten. Das Problem: Die belgische Physiotherapeutin Flora (FANNY VALETTE) ist 31. Kurzum: Pierre „kauft“ seinen Online-Lehrer Alex (YANNIS LESPERT) ein, der zugleich der mittellose Freund seiner Enkelin ist, was aber Opa nicht weiß, um bei Flora „vorstellig“ zu werden. Schließlich hat er auch das Bild von Alex als seins ausgegeben. Der Junge muss also, gegen seinen Willen, aber gegen gute Bezahlung aufgeweicht, „tatsächlich“ „‚ran“, während der Alte im Hintergrund schmachtet, seine „Aktivitäten“ beobachtet. Und was passiert?

Eine Art „Cyrano von Bergerac“-Spiel nimmt seinen Lauf. Der Eine „kann“ Poesie, der Andere sieht besser aus. Hier: Der Alte findet seinen Lebens-Spaß zurück, bei seinem jungen Vertreter taumeln die Emotionen. Mittendrin: Die schöne, liebenswerte Flora.

Ein Schelm, wer Film- böses dabei denkt. Mit allerdings einer Schwäche: PIERRE RICHARD dominiert zu sehr; sein rollenmäßig ebenso umfangreich angelegter Gegenüber-Typ Yannis Lespert als Möchtegern-Schriftsteller Alex schwächelt als viel zu farbloser Hallodri. „Sie wirken immer wie ein geprügelter Hund“, heißt es einmal im Text, und dies stimmt leider. Dadurch ist Pierre „Pierre“ Richard der absolute Fixpunkt, als „Cyrano-Oldie“ sozusagen, ohne passenden, stimmungsvollen Mitspieler. Was echten Pierre Richard-Fans wie mir allerdings nichts ausmacht, schließlich ist der ergraute „Blonde“ immer noch in verschmitzter, lächelnder Top-Ironie-Form. Und die familiären Situationskomik-Happen zwischendurch sind auch nicht ohne. Und Fanny „Flora“ Valette ist schließlich bildhübsch. Und am Ende triefen lachend die Emotionen.

„Monsieur Pierre geht online“ oder: Ein nettes melancholisches Leichtgewicht von französischer Komödie; einfach zum Mögen (= 3 1/2 PÖNIs).