Der Marsianer – Rettet Mark Watney Kritik

DER MARSIANER – RETTET MARK WATNEY“ von Ridley Scott (USA 2014/2015; B: Drew Goddard; nach dem Roman „The Martian“ von Andy Weir/2011; K: Dariusz Wolski; M: Harry Gregson-Williams; 141 Minuten; Start D: 08.10.2015); eine schöne Vor-Geschichte – ANDY WEIR war bereits im Alter von 15 Jahren als Programmierer für diverse Computerfirmen tätig und arbeitete dann als Informatiker und Software-Entwickler. 2009 beginnt er mit Hintergrundrecherchen für seinen Roman, der 2011 von mehreren Verlagen abgelehnt wird. Also veröffentlicht er „The Martian“ kostenlos auf seiner Webseite. Weil dort immens erfolgreich, erscheint der Roman als E-Book im Selbstverlag. Für 99 Cent. Aufgrund des enormen Zuspruchs, 35.000 Mal verkauft in drei Monaten, werden Verleger aufmerksam und der Roman erscheint sowohl als Hör-Buch wie auch als Buch. Der Rest ist Erfolg, seitdem das Buch am 2. März 2014 erstmals auf Platz 12 der Bestsellerliste der „New York Times“ erscheint.

Erinnerungen gehen an „Cast Away – Verschollen“ von Robert Zemeckis aus dem Jahr 2000 (s. Kino-KRITIK). Ein Mann strandet. Damals auf einer abgelegenen einsamen Insel, jetzt auf dem Mars. Sein Name: Mark Watney (MATT DAMON). Während einer Marsmission der NASA gelangt die Crew um Kommandantin Lewis (JESSICA CHASTAIN) in einen verheerenden Sandsturm, der den sofortigen Abbruch erforderlich macht. Auf dem Weg zum Raumschiff geht Botaniker Mark verloren. Wird für tot gehalten. Doch Mark Watney ist nicht tot. Als er aufwacht, ist er auf sich allein gestellt. Auf dem roten Planeten. Dessen Atmosphäre einem Menschen das „freie“ Atmen unmöglich macht. Dessen extreme Temperaturen die Haut eines Menschen innerhalb kürzester Zeit verbrennen lässt. Und dessen öde, sandige Landschaft keine Nahrung hervorgibt. Ein Überleben scheint ausgeschlossen. Fünfzehn Millionen Meilen von der Erde entfernt.

Scheint. Denn Mark Watney entpuppt sich als pfiffiger, pragmatischer Astronauten-Bursche. Von wegen Dauer-Trauer, Depri, das quälende Aufgeben. Das Gegenteil. Er will und wird weiterleben. Mark nutzt Sand und Exkremente, um für sich Nahrung in der Basis-Station anzubauen. Wasser ist vorhanden. Und die Anlage für die Disco-Musik funktioniert auch. Schön laut. Bisweilen: Zwangsläufige „Partylaune“ im All. Die Tage, Wochen, Monate vergehen. Notiert im elektronischen Video-Logbuch. Mit viel spöttischem Sarkasmus-Charme.

Währenddessen weiß bzw. vermag sich Mark auch „außerhalb“ seines Schutzortes clever zu beweisen. Schließlich kennt er sich nicht nur in Sachen Botanik aus, sondern ist auch technisch ein Hochkaräter. Zeigt sich einfallsreich. Weiß sich zu helfen. Soweit, so gut. Doch „DIE UNTEN“, also HIER, wissen nichts von seinem Überleben, geschweige denn von seinen Bemühungen. Haben ihn längst „offiziell“ verabschiedet. Amtlich „zu Grabe“ getragen. Irgendwann aber kriegen sie doch mit, dass Mark Watney lebt. Aber wie diesen weiten Weg noch einmal bewältigen? Krisen-Konferenzen. Unter Anleitung des NASA-Chefs Teddy Sanders (JEFF DANIELS), der die Kosten für eine jahrelang andauernde Rettungsmission abwägt und zögerlich hantiert. Während Kollegen drängen. Szenarien entwerfen. Zuletzt: Äußerst waghalsige, riskante Rettungsaktionen. Sich ausdenken.

Ein dezent „komisches“ Science Fiction-Pop-Movie. Mit phantastischer Optik, als stimmungsvolle Show. „Oben“ vor allem, aber auch (mehr als im Roman) „Unten“. Während Mark sich abrackert und nach Lösungen sucht, wird unten „bürokratisiert“. Geschachert. Mit verschiedenen Ansichtsbetrachtungen. Während die sich eigentlich auf dem Rückflug befindende Mar-Crew ihre eigene Rettungsrolle zu planen beginnt.

„Der Marsianer“ ist ein pfiffiger, klasse-gut unterhaltender Science Fiction-Film mit prima Abenteuerfilm-Geschmack. Lässt uns mit dem ausufernden technischen und wissenschaftlichen „Krimskrams“ der literarischen Vorlage weitgehend in Ruhe, verzichtet auf esoterisches Gedöns (wie etwa Christopher Nolan bei „Interstellar“) und setzt auf einen hervorragenden Spannungsrhythmus. Besitzt einen Hauptakteur, den Robinson Crusoe-Marsmenschen MATT DAMON. Der in seiner One-Man-Performance mit köstlichem Galgenhumor reizt, interessiert, packt, der bestens ankommt. Eine (überspitzt) „gut gelaunte“ Type, der man gerne in Gänze folgt. Matt Damon als Mark Watney, weniger der Psycho-, mehr der „Körper“-Typ. Einfach exzellent Raum-füllend (= 4 PÖNIs).

 

Teilen mit: