Lügen der Sieger Kritik

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DIE LÜGEN DER SIEGER“ von Christoph Hochhäusler (Co-B + R; D 2014; Co-B: Ulrich Peltzer; K Reinhold Vorschneider; M: Benedikt Schiefer; 112 Minuten; Start D: 18.06.2015); die No-Empfehlung gilt weiterhin – vor Filmen der so genannten „Berliner Schule“ wird nein, nicht „gewarnt“, sondern abgeraten. Bei dieser Schule handelt es sich um kein architektonisches, sondern um ein geistiges „Gebäude“. Als Bezeichnung für eine bestimmte Stilrichtung. Gedanklich wie ästhetisch. Von / bei deutschen Filmen. Die man polemisch etwa so benennt: 1.) Zeige sperrige Figuren. 2.) Lasse sie depressiv sein. Oder wenigstens verzweifelt. Mit mürrischem Face und aggressivem Dauer-Ton hantieren. 3.) Erkläre bloß nichts „Aussagekräftiges“ von wegen Überschaubarkeit und Verstehen. Lass vieles angedeutet. Offen zum Interpretieren. Der mündige Bürger-Zuschauer braucht keine gedankliche Bevormundung. Er soll sich selbst um eine Interpretation bemühen. 4.) Menschliche Katastrophen sind gewollt. Erlösung davon nicht gestattet. 5.) Direkte Spannung ist verwerflich. Unterhaltung hat zu unterbleiben. Sinn-Kargheit erwünscht (langes Atmen; ausgedehnte Pausen; die berühmte 12 Sekunden-Pause, bevor der nächste Antwort-Satz fällt, der dann mit der Frage davor nichts zu tun haben darf). 6.) Beliebte eingesetzte Musikinstrumente: Celli, Bratsche. Klingen angemessen tragisch. 7.) Bleibe theoretisch. Intellektuell jederzeit mittelklassig.

Zum Teufel mit dem verräterischen Kommerz-Kino. Amen.

Fabian (FLORIAN DAVID FITZ) ist investigativer Journalist. Für das politische Nachrichtenmagazin „Die Woche“. Das Presseheft beschreibt ihn so: „Fabian Groys ist ein Risikosucher: ehemaliger Kriegsberichterstatter, Porschefahrer, Spieler“. Hey. Beziehungsweise: In der Tat. Der Typ ist menschlich Marke arrogantes Arschloch, zockt nachts in einem illegalen Untergrund-Club, wo alle ganz aufgeregt herummachen und er sein Geld verplempert. Die Folge: Porsche weg. Scheiße. Aber da ist ja noch „Die Story“. Enthüllungen über Manipulationen bei der Bundeswehr. Die könnte zum „Aufschwung“ dieses Latte Macchiato-Aufklärers beitragen. Leider aber wird er manipuliert. Von einer PR-Firma. Die es sich von Lobbyisten gut bezahlen lässt, dass man alles fix überwacht. Mit einem coolen Herrsch-Weib an der Spitze. Jedenfalls ist die viel härter und gemeiner und sieht auch besser aus als diese verhuschte Praktikantin, die Fabian von seinem nervösen Ressortleiter an die Seite gestellt bekommt. Nadja (LILITH STANGENBERG). Als dann aus dieser vermeintlichen Hammer-Story doch nichts wird, weil der Informant von Fabian Schiss bekommt, wenden sich die Beiden einer neuen „Schweinerei“ zu. Die irgendwie aber mit der alten zusammenhängt. Dabei geht es um einen Vergiftungsskandal bei einer Gelsenkirchener Recyclingfirma. Die Recherche dort hört und sieht sich wie ein schlechter Journalisten-Witz an. Ist aber ernst gemeint. Wie überhaupt das Thema: Alles Fopperei. Verarsche. Selbst die Medien kriegen „richtig“ nichts mehr mit. Lassen sich täuschen. Wahrheitsfindung ist heutzutage nicht möglich. Weil zu viele „teure Interessen“ dagegen stehen. Die Wirtschaft instrumentalisiert die Politik, und die lässt es sich honorarig gefallen. So etwas in der Art. Kann man sich zusammenreimen. Oder auch nicht.

Langweilig. Dieser Pfui-Deibel-Versuchs-Krimi. Keine (An-)Spannung möglich. Stattdessen lächerliches Bewegen. Tun. Sagen. Lauter Theorie-Kost. Behauptungen. Mit aussagelosen Absichtsmotiven. Und läppischen Figuren. Mit ihren trockenen Sätzen. Die nicht rätselhaft, sondern beliebig tönen. Die heutige „Frontal 21“-ZDF-Sendung (16.6.2015) war um vieles spannender. Kritischer. Innovativer. Sorgfältiger. Informierender. Aufregender. Politischer.

Der deutsche Spielfilm „Die Lügen der Sieger“ dagegen ist nur ein intellektuelles Lahmarsch-Programm mit bräsiger teutonischer Schwermut (= 1 PÖNI).

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