LONG SHOT – UNWAHRSCHEINLICH, ABER NICHT UNMÖGLICH

PÖNIs:       (5/5)

„LONG SHOT – UNWAHRSCHEINLICH, ABER NICHT UNMÖGLICH“ von Jonathan Levine (USA 2017/2018; B: Liz Hannah, Dan Sterling; K: Yves Bélanger; M: Marco Beltrami; Miles Hankins; 125 Minuten; deutscher Kino-Start: 20.06.2019); „Long Shot“, also „Weit hergeholt“, ist bisher das Kino-Schmuckstück des Jahres: Es darf herzhaft gelacht, ausgiebig geschmunzelt, phantastisch-schlau mit-empfunden werden. Bei einem außerordentlich listig-brillanten Geschlechter-Streich. Dessen hochkarätige Unterhaltungsattribute lauten: clever-lustig; köstlich-komisch; pointiert inmitten einer herrlich ulkigen Humor-Dauerschleife. Marke: Gegensätze ziehen sich an. Er sieht aus wie ein Schlunz. Wie ein missratenes Rumpelstilzchen, das voll und ganz nach Anti-Kerl dampft. Fred Flarsky (SETH ROGEN), ein idealistischer investigativer Leib-und-Seele-Journalist, hat gerade – in pathetischer Aufwallung – seinen Job gekündigt, weil ein zwielichtiger Medien-Mogul (ANDY SERKIS; mal ohne Affen-Maske) die Zeitung, für die er unterwegs war, übernimmt. Ein Kumpel will ihn trösten und nimmt ihn mit zu einer exklusiven Spendengala-Veranstaltung. Und so taucht er dort inmitten des Geld-Adels auf: mit rotem Strubbelbart, Billig-Brille mit Betonung auf billig; mit geschmackloser Cargo-Hose und inmitten einer ganz scheußlichen Grün-Blau-Lila-Windjacke füllig steckend. Als Nerd-Exot eine Augenweide. Folglich entdeckt SIE ihn. SIE (CHARLIZE THERON) ist: Außenministerin. Charlotte Field. Die nach Höherem strebt, sprich: diesen debilen, ekelhaft eitlen, unfassbar dummen amerikanischen Präsidenten (BOB ODENKIRK) abzulösen. Gilt aber in Umfragen als zu wenig peppig. In Sachen Humor. Natürlich kommt an dieser Stelle ER ins Gespräch. Denn: man hat sich beäugt, besser: er glotzt sie wie damals anbetungswürdig-hingerissen so unverschämt an als käme sie geradewegs von einem anderen Stern, kurzum: man kennt sich. Von damals, als man in derselben Straße aufwuchs und tatsächlich: die jetzt extrem schlanke, elegant-coole, wunderschöne Princess-Außen war sogar mal seine Babysitterin. Prompt kriegt er seine normal-übliche Panik-Attacke. Um danach von ihr engagiert zu werden. Als neuer Reden-Schreiber.

Dies sorgt natürlich für Aufsehen. Und ist mit vielen Folgen fortan behaftet. Innen wie außen. Politisch wie privat. Der Countdown für eine der tollsten Slapstick-Romanzen der Filmgeschichte kommt in Schwung. Mit „umgekehrten“ Handhabungen: SIE führt das Zepter, Mann ist damit hochzufrieden. Allerdings, wenn Hochbildung mit Chaos paktiert, die traditionellen Geschlechter-Parts völlig ausgehebelt werden, gehören süffisant-köstliche Hindernisse zum Alltag. Die beiden Drehbuch-Autoren Liz Hannah & Dan Sterling sowie Regisseur Jonathan Levine verstehen es brillant, fortan ein temperamentvolles, ironisches Dialog-Feuerwerk vom Feinsten zu entwickeln, ohne dabei auf plumpes Schenkelklopfen zu setzen, im Gegenteil: Frau-forsch, Kerl-verängstigt, mit viel Gespür fürs Ins-Fettnäpfchen-Treten, das passt doch. Hinreißend-mitreißend. Zusammen. Die Körpersprache der Beiden ist formidabel; die immensen Anspielungen auf den derzeitigen politischen wie medialen Washington-Zirkus werden süffisant in Verbal-Laune gebracht, sind integraler Bestandteil dieser mitreißenden „Pretty Man“-Geschichte. Man spielt lustvoll mit Klischees, lässt Situationskomik prächtig laufen, während Fred schon wieder Anfälle bei dem Gedanken bekommt, sie doch eigentlich erobern zu wollen. Unfassbar-schräg: ihre erste Liebesszene, wenn die Eis-Frau ihn darum bittet, doch wenigstens beim Sex etwas „dominanter“ aufzutreten.

Bis in die kleinsten Nebenrollen wurde hier wunderbar-propper besetzt. An der Rampe aber zieht die sagenhaft attraktive „Oscar“-Ikone CHARLIZE THERON („Monster“) die komischen Strippen, während Komiker SETH ROGEN („Jungfrau (40), männlich, sucht…“) offensichtlich viel Spaß dabei hatte, von ihr hier grinsend dirigiert zu werden. Beide haben ihre Show auch mit-produziert und bewegen sich auf vollster Unterhaltungs-Wellenlänge.

Einen solch intelligenten, Humor-intensiven, durchtriebenen und fein komisch-kalkulierten, listig-feurigen Doppelboden-Spaß gab es im Kino schon lange nicht mehr. „Long Shot“, was für ein überragender Spaß, wo Frau die Führung beansprucht und Mann dies SEHR gerne akzeptiert. Katharine Hepburn („Leoparden küßt man nicht“) würde diese Premium-Komödie auch SEHR mögen

PÖNIs:       (5/5)

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