Live by Night Kritik

LIVE BY NIGHT“ von und mit Ben Affleck (B, Co-Produzent, R + HD; nach dem gleichn. Roman von Dennis Lehane/2012; K: Robert Richardson; M: Harry Gregson-Williams; 129 Minuten; Start D: 02.02.2017); ehrlich, selten hat mich ein Gangster-Biopic-Drama dermaßen kalt gelassen. Obwohl die Kriminal-Literatur immerhin von DENNIS LEHANE stammt, dessen Romane wie „Mystic River“ (von Clint Eastwood 2003 adaptiert), „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (von Ben Affleck 2007 gut verfilmt) oder „Shutter Island“ (2009 ein Martin Scorsese-Hit) des Öfteren schon „gutes Film-Futter“ bildeten. Doch der – nach „Gone Baby Gone“, „The Town – Stadt ohne Gnade“ und „Argo“ – vierte Regie-Film des zweifachen „Oscar“-Preisträgers BEN AFFLECK („Good Will Hunting“; „Argo“), 44, liefert zwar im schmucken Kostüm- und Auto-Retro-Look der 1920er Ami-Jahre einen wahren Augen-Schmaus, hält den Zuschauer aber „sonst“ durchweg auf emotionaler Distanz.

Boston 1926, zur Zeit der Prohibition: Joe Coughlin (Affleck) ist Chef-Polizisten-Sohn, will aber nicht in Daddys Fußstapfen (BRENDAN GLEESON) treten. Seit er im Ersten Weltkrieg im fernen Europa gegen die Deutschen kämpfte, hat er jeglichen Respekt vor „Autorität“ verloren. Deshalb verdingt er sich viel lieber in und mit der einheimischen Unterwelt, ist für den irischen Mobster Albert White (ROBERT GLENISTER) erfolgreich unterwegs. Als er sich jedoch in dessen Gespielin Emma (SIENNA MILLER) verguckt, wird er verraten und landet im Knast. Drei Jahre später ist Rache angesagt. Diesmal auf der und für die Gegenseite, beim italienischen Mafiosi Maso Pescatore (REMO GIRONE). Zudem: Der Schmuggel mit Rum wird immer profitabler. Und Joe, jetzt mit der hübschen Kubanerin Graciela (ZOE SALDANA) an seiner Seite, wird dabei selbst zu einem immer mächtigeren Gangsterboss. Was jedoch „das System“ aufscheucht. Der neue Chef-Player im Milieu-Business ist unerwünscht.

Ein Mann, aufgewachsen in wahrlich unruhigen Zeiten, steht sich selbst im Moral-Weg. Einerseits eigentlich als „Guter“, andererseits auch als Verbrecher. Er fühlt sich sozusagen irgendwie-irgendwo „in der Mitte“. Ben Affleck, der Regisseur, vermag seinen Hauptakteur Ben Affleck, der zudem auch noch aus dem Off moralinsauer palavert, weder als freiheitsliebenden Outlaw-Gangster noch als fürsorglichen Liebhaber glaubhaft in den Griff zu kriegen. Und seine coole Gangster-Masche wirkt auch nicht gerade überzeugend erfunden beziehungsweise empfunden. Seine Radikalität wirkt aufgesetzt, bleibt ein Versprechen.

Wie dieser gesamte verspannte Spannungsstreifen (= 2 PÖNIs).

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