Legend Kritik

LEGEND“ von Brian Helgeland (B + R; nach dem Roman „Der Berufsstand der Gewalt: Aufstieg und Fall der Kray Twins“ von John Pearson/1972; GB 2014; K: Dick Pope; M: Carter Burwell; 131 Minuten; Start D: 07.01.2016); in den Swinging Sixties war London der Nabel der Welt. Die Carnaby Street der farbenprächtige IN-Treffpunkt. Die Beatles spielten in der Abbey Road. London war führend in Mode, Musik, Film und Fotographie. Die düstere Personal-Seite der Region hieß „Die Krays“; die eineiigen Zwillinge – im Oktober 1933 im Londoner East End geboren – waren so etwas wie die Rolling Stones der Gangsterszene.

Auf der Straße aufgewachsen, machten Ronnie und Reggie Kray als Banden-Häuptlinge und Extrem-Kriminelle von sich reden. Die Gewalt, mit denen die Brüder hantierten, war für damalige Verhältnisse schockierend. Durch die Promi-Kontakte in ihren Nachtclubs hatten sie einflussreiche „Freunde“ und waren geschützt. Die Filmhandlung setzt 1966 ein. Als der paranoide Ronnie aus der Psychiatrie entlassen wird und im Familienimperium Unterschlupf findet, beginnen die internen wie intimen Spannungen. Während der rationale Reggie „den Laden“ zusammenhält, attackiert der homosexuelle Ronnie seinen „romantischen“ Bruder, als der sich in Francis (EMILY BROWNING) verliebt und „das Haus“ auf solide Geschäftssäulen stellen will. Ronnie dagegen will alles auf „bewährte Gewalt-Manier“ weiterhin regeln. Man kommt sich mehr und mehr ins Gehege. Zumal ein Spürhund von Polizist, Nipper Read (CHRISTOPHER ECCLESTON), ständig an ihnen „dran“ ist. Als dann Reggie für einige Monate im Gefängnis sitzt, treibt Ronnie die Chose in den Ruin. Untergang. Was Francis als Off-Erzählerin (überflüssigerweise) begleitet.

Britischer Outlaw-Schmackes mit tückischen Gangster-Tiraden. Ohne gesellschaftliche Annäherung oder Tiefe, sondern pur aus der Sicht dieser beiden Hyänen. Reggie steht für den „Eleganten“, Ronnie für den neurotischen Vollpfosten-Psycho. Deren „Aktionen“ bisweilen klammheimliche Freude verursachen, etwa, wenn sie selbst mal „was Gutes“ tun und mit einem sadistischen Knast-Aufseher abrechnen.

Der amerikanische Drehbuch-Autor und Regisseur BRIAN HELGELAND, „Oscar“-Preisträger für sein Drehbuch zu „L.A. Confidential“ (1998) und „Oscar“-nominiert für das hervorragende Drehbuch zum großartigen Clint Eastwood-Streifen „Mystic River“ (2004), interessiert sich nur für diese beiden Figuren aus der britischen Parallelgesellschaft von Annodunnemal. Porträtiert sie reizvoll mit ein- und demselben Spitzenschauspieler: TOM HARDY (neulich „Mad Max 4“; jetzt gerade auch als Schurke in „THE REVEVANT – DER RÜCKKEHRER“ im Kino). Der seine darstellerischen Qualitäten körpersprachlich pfiffig ausreizt und für doppelte schwarze Spannungsspäße sorgt. Während um ihn herum ein süffisantes Ensemble von zeitgenössischem „Grusel-Kabinett“ mitswingt, von hervorragenden Akteuren wie DAVID THEWLIS, PAUL BETTANY, CHRISTOPHER ECCLESTON oder dem unverwüstlichen CHAZZ PALMINTERI pointiert dar-gestellt.

„Legend“ ist unterhaltsam wie eine klassische Augen-Brotzeit (= 3 PÖNIs).

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