Komm und sieh das Paradies Kritik

Der heute 46jährige Engländer ALAN PARKER zählt gegenwärtig zu den besten und interessantesten Filmkünstlern der Welt. Mit Filmen wie “Bugsy Malone“, “Midnight Express – 12 Uhr nachts“, “Fame“, “Birdy“, “Angel Heart“ und “Mississippi Burning“ bewies er sein Talent, Unterhaltung provozierend, mutig und konsequent “verkaufen“ zu können. Sein 9. Film heißt
KOMM UND SIEH DAS PARADIES“ von Alan Parker ((B+R; USA 1990; 138 Minuten; Start D: 07.09.1990); und spielt in den amerikanischen Vierzigern.

Jack, der militante New Yorker Gewerkschaftsaktivist, kommt nach Los Angeles und verliebt sich in die hübsche Tochter japanischer Einwanderer. Trotz zahlreicher familiärer Probleme starten Jack und Lily gemeinsam den Weg ins Eheglück, doch dann “passiert“ Pearl Harbour. Lily und ihre Familie wird mit tausenden anderer Landsleute interniert. Obwohl viele von ihnen in Amerika geboren und beheimatet sind, werden sie aufgrund höchster amtlicher Anweisung in ein Lager gebracht, wo sie unter harten Bedingungen überleben müssen. In dieser Situation “bricht“ auch das traditionelle japanische Familien- u
nd Zusammengehörigkeitsgefühl auseinander. Viele müssen einzeln neue, eigene Wege gehen. Jack wird eingezogen und sieht nur ganz selten Frau und Tochter. 1944 werden die Lager geöffnet und aufgelöst. Aber erst 1948 kehrt Jack aus Gefangenschaft zurück.

“Komm und sieh das Paradies“ ist ein Liebesfilm vor historischer, gesellschaftlicher und politischer Kulisse. Dabei besitzt die Lovestory wenig Kraft und Bedeutung spult sich wie Dutzende anderer mit Höhen und Tiefen gleichmäßig und bekannt ab. Was an Parkers Film herüberkommt, ist die neue Information für uns, dass es in den vierziger Jahren in Amerika Internierungslager für Japaner gab, die längst Amerikaner geworden waren. Aber auch das erweist sich als Momentthema, das bald ausgereizt ist. “Komm und sieh das Paradies“, mit Dennis Quaid und Tamlyn Tomita, wäre als Artikel oder Buch vielleicht packend. Als Film jedoch sind Stoff und Inszenierung bemüht, aber bieder, atmosphärisch kurzweilig, aber nicht abendfüllend.

“Doktor Schiwago“, das Pendant dazu, bleibt unberührt und unvergessen (= 2 ½ PÖNIs).

Teilen mit: